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Schaufenster

Garance und ihre Verehrer. Foto: Gregory Batardon

Liebesworte und Liebestanz

17. Januar 2017 Von: Daniel Lay

Inspiriert vom Tanzstück «Kinder des Olymps» widmete sich der ökumenische Theatergottesdienst dem Thema Liebe.

Eine Besonderheit erwartete die Besucherinnen und Besucher des ökumenischen Gottesdienstes «Inspiration – Theater und Kirche gehen Hand in Hand» in der sehr gut gefüllten Matthäuskirche: Mit «Tanz 23: Kinder des Olymp» von Fernando Melo, das auf dem Filmklassiker «Les Enfants du Paradis» und von der schönen Garace und ihren Verehrern handelt, stand für einmal ein Tanzstück im Zentrum des Gottesdienstes. Die reformierte Pfarrerin Eva Brandin wies gleich zu Beginn auf die Unterschiede von Tanz und Gottesdienst hin: In Gottesdiensten dominiere das gesprochene Wort, Tanz dagegen verwende andere Ausdrucksmöglichkeiten und spreche andere Sinne an. Man konnte also gespannt sein.

Tanz bringt Beziehungen wunderbar zum Ausdruck

Die erste Szene, welche die Mitglieder des Ensembles «Tanz Luzerner Theater» darboten, lässt sich zwar mit wenigen Worten beschreiben: Garance tanzt mit ihren Verehrern. Doch bot die Szene in ihrer ganzen Schlichtheit viel mehr. Das Auftreten der Männer verriet einerseits viel über sie selber. Ein einfacher Zylinder genügte, damit klar war, dass Garance nun mit einem reichen Mann tanzt. Andererseits gaben die Tänze einen Einblick in die Beziehung: Hier der lockere spielerische Flirt, da das einseitige Begehren des Mannes, der Garance mit Geschenken überhäuft.

Wie die Szene für den Gottesdienst fruchtbar gemacht werden sollte, machte schon Lektor Auke Kempkes klar, der Paulus′ ersten Brief an die Korinther (1. Kor 13, 1–13) vortrug, worin die Liebe als allesbestimmende Kraft beschrieben wird. Das Thema Liebe und Beziehungen sollte also aufgegriffen werden.

Die Tücken der freien Partnerwahl

Der katholische Theologe Andreas Rosar, der die erste Predigt hielt, spann den Faden von den unglücklichen Beziehungen im Tanztheater weiter zur gegenwärtigen Situation: Die Pendlerzeitung «20 Minuten»hatte berichtet, dass mehr als ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen Angst vor einer festen Beziehung hätten. Rosar fand diesen Befund verwunderlich, da die Menschen noch nie so frei bei der Partnerwahl waren wie in der heutigen Zeit. Für Rosar ist es aber genau diese nie dagewesene Freiheit bei der Partnerwahl, die Ehen scheitern lässt und zur Bindungsangst führt: Weil wir unsere Partnerin oder unseren Partner frei wählen können, wachsen die Ansprüche an die Beziehung ins Unermessliche. Das kann zur Folge haben, dass die Beziehungen scheitern oder man aus Angst gar keine mehr eingeht. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet die Liebe. Denn wer liebt, kann auch verzeihen und hat keine zu hohen Ansprüche.

Spiegelungen: Ohne Du kein Ich

Die zweite Tanzszene war etwas komplexer aufgebaut, denn Garance erinnerte sich an ihre Verehrer: Der Tanz war eine Manifestation dieser Erinnerungen und Gedanken. Neben den Verehrern aus der ersten Szene traten auch rund zehn schwarz gekleidete Gestalten auf, über die alle Gottesdienstbesucher, die die Aufführung am Luzerer Theater noch nicht gesehen hatten, nur spekulieren konnten. Hier wären ein paar erklärende Worte nötig gewesen.

So kann man nur spekulieren, dass es sich bei den schwarz gekleideten Tänzern um Schatten der Vergangenheit handelt. Auf tänzerisch-poetische Art trat Garance im Tanz mit ihrem früheren Ich in Kontakt, und es gelang ihr scheinbar ihre Erinnerungen zu bannen: Die Schatten reihten sich alle hinter der Vergangenheits-Garance auf und alle gehorchten der Gegenwarts-Garance.

Eva Brandin griff in ihrer Predigt, das Spiegel-Motiv, das in der Szene anklang und im ganzen Tanzstück eine wichtige Rolle spielt auf: Denn um unsere Identität herauszubilden, brauchen wir ein Gegenüber, eine Spiegelung im Du: Erst durch den anderen können wir uns selbst definieren. Dieses Konzept hat aber auch seine Tücken, dann nämlich, wenn wir im anderen nur uns selbst erkennen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Befürchtungen sich nicht bewahrheiteten, die nonverbale Kunstform Tanz könnte nicht in einen Gottesdienst passen. Es war vielmehr so, dass die getanzten Szenen der verbalen Ebene der Predigt ergänzten. Durch den Tanz wurde das Thema Liebe noch von einer anderen Seite beleuchtet.

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