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Im Fokus

"Explo" heisst auch Showtime. Musik und Lichtspektakel gehören zum Lobpreis dazu. Bild von der "Explo 15" vor zwei Jahren in Luzern.

Kerzen und Rockmusik - "Explo 17“ und Europäisches Taizé-Treffen im Gespräch

13. Dezember 2017 Von: Urban Schwegler

Der überkonfessionelle Grossevent «Explo 17» auf der Luzerner Allmend und das Europäische Taizé-Treffen in Basel werden am Jahresende zehntausende junge Menschen anziehen. Einerseits unterscheiden sich die Beiden Veranstaltungen stark in ihrer Gestaltung und Ausrichtung, andererseits gibt es überraschende Gemeinsamkeiten zwischen beiden Grossanlässen.

Während beim europäischen Taizé-Treffen (28. Dezember bis 1. Januar) das Innere der St. Jakobshalle mit Tausenden von Kerzen und orangenen Stoffbändern ausgestaltet wird, gibt es an der «Explo 17» in Luzern (29. 12 bis 1. 1) Lightshows, Lobpreisgesänge und coole Live-Bands. Zehntausende werden zu diesen nachweihnächtlichen Grossereignissen strömen. Doch noch immer bekunden Vertreter der Landeskirche Hemmungen, sich an der «Explo» einzubringen. Woran liegt das?

Hansruedi Kleiber, Pastoralraumleiter in der Katholischen Kirche Stadt Luzern, erklärt: „Der ökumenische Austausch mit Freikirchen ist noch nicht so weit fortgeschritten wie mit den reformierten Kirchen. Wir haben verschiedene Geschichten und unterschiedliche Traditionen. Darüber müssen wir gemeinsam nachdenken.“ Eine gemeinsame Annäherung müsse sorgfältig und reflektiert erfolgen, sonst bleibe sie oberflächlich.

Diejenigen, die diesen Dialog führen, wissen um die Unterschiede im Glaubensstil. So auch Andreas Baumann, reformierter Pfarrer in Rothenburg. Er unterstreicht: „Die Denkweisen trennen sich vor allem einmal inhaltlich-theologisch. Taizé-Spiritualität und freikirchliche Spiritualität sind zudem in der Ausdrucksweise verschieden: Taizé betont mehr die Innerlichkeit, die Kontemplation, die Explo mehr die Äusserlichkeit, die Euphorie.»

Das Gemeinsame suchen

Andreas Baumann wird die «Explo» auch dieses Jahr besuchen. Seit 2015 gehöre er zur Gruppe «Miteinander in Luzern», die aus Katholiken, darunter der Luzerner Hofpfarrer Ruedi Beck, zwei reformierte Pfarrer und zwei Pastoren aus Freikirchen besteht. Schon lange beobachtet Andreas Baumann eine gegenseitige Annäherung zwischen Freikirchen und Landeskirchen. Peter Jans kann mit Schubladen wenig anfangen. Er ist überzeugt: „Das ist gestrig und es interessiert heute viele nicht mehr. Wir müssen zusammenarbeiten.“ Campus für Christus, die Organisation, die hinter der «Explo» steht, werde immer in die freikirchliche Ecke gesteckt, sagt Jans. Dabei seien über die Hälfte der Mitarbeiter dort in der Landeskirche tätig.

Emotionen, Offenheit, Common Spirit

Fragt man Leute, die beide Anlässe besuchen, sprechen sie vor allem von den Gemeinsamkeiten. Die Offenheit: Jonas Oesch, reformierter Pfarrer in Horw, erzählt: „Oft sitzt man an einem Taizé-Treffen plötzlich am Tisch mit Leuten, die einen ganz andern kirchlichen Background haben. Begegnet man sich im Gespräch mit gegenseitigem Interesse und Offenheit, dann ist dieser Austausch für alle sehr kostbar. Wenn „die Katholikin“ oder „der Freikirchler“ plötzlich ein Gesicht erhalten und die heissen Fragen direkt gestellt werden können, dann werden Vorurteile abgebaut.“

Von aussen höre er immer wieder die Befürchtung, an der «Explo» würden sich die Extremen treffen, doch die würden sich hier auf differenzierte Gespräche gar nicht erst einlassen. Jonas Oesch sagt: „Wer für sich in Anspruch nimmt die Wahrheit gepachtet zu haben und sein Christsein in Abgrenzung zu anderen Christen lebt, für den dürfte die Luft an einer ökumenischen Konferenz knapp werden.“

Die Musik und die Gesänge: Peter Jans, Mitglied der Synode, des Parlaments der katholischen Kirche im Kanton Luzern, sagt: „Da spüre ich wie am Taizé-Treffen eine Energie, die die Möglichkeiten hat in unserer Gesellschaft positive Entwicklungen zu fördern.“

Die theologische Offenheit: Andreas Baumann sagt: „Die Explo will ein möglichst weites Spektrum ansprechen. So rannte ich offene Türen ein mit meinen Vorschlägen, auch einen liberalen reformierten Theologen wie Gottfried Locher einzuladen, oder statt des üblichen Lobpreises auch einmal eine «Taizé-Form des Lobpreises» anzubieten. Nun stehen Gottfried Locher und Prior Frère Alois unter den Referenten. Das gefällt mir.“

Was bieten die Landeskirchen?

Die Explo und das Europäische Taizé-Treffen ziehen Zehntausende junge Menschen an. Da drängt sich die Frage auf: Bieten die Landeskirche zu wenig gemeinschafsstiftende Treffen dieser Art? Valentin Beck, Bundespräses von Jungwacht Blauring Schweiz, verneint und zählt eine ganze Palette an Angeboten auf: Da sei das nationale Minifest, das Bistumsjugendtreffen oder das Ranfttreffen von Jungwacht Blauring Schweiz (Jubla), das sich 2017 zum 40. Mal jähre. Überdies seien auch weitere Jubla-Grossanlässe wie Kantonslager zu nennen, zumal Jubla von ihrem Selbstverständnis her Teil der Kirche ist. Der Hauptfokus des Jubla-Wirkens liege jedoch auf der lokalen, also pfarreilichen Ebene. Peter Jans führt die Adoray-Treffen auf, ein Angebot für junge Leute von der katholischen Kirche.

Die reformierte Landeskirche schafft es hingegen weniger, kirchliche Grossanlässe wie die «Explo» auf die Beine zu stellen. Eine Ausnahme ist die Street-Church in Zürich oder zuletzt die „Reformaction“ in Genf. Wollten die reformierten Kirchen selbst einen Grossanlass organisieren, so wäre nebst unterschiedlichen theologischen Ausrichtungen und Gemeindeverständnissen, so Jonas Oesch, auch föderalistische Struktur eine Herausforderung.

Der katholischen Kirche komme bei der Lancierung solcher Treffen ihre zentralistische Organisationsstruktur zugute. Kenner der beiden Treffe sind sich einig: Freikirchen haben durch jahrzehntelanges Einüben mehr Wissen im Organisieren von Grosstreffen.

Von den Freikirchen lernen

Was können wir von den Freikirchen und den Machern der «Explo» lernen? Was nicht funktioniere, weiss Hansruedi Kleiber, sei das unkritische Überstülpen von freikirchlichen Konzepten: „Viele junge Leute von heute sind kritisch und sensibel. Sie reagieren ablehnend, wenn man sie mit Äusserlichkeiten für eine Sache gewinnen will, hinter denen sie nicht stehen können.“

Das sieht Jonas Oesch genauso, doch fehlt ihm manchmal in den Landeskirchen der Mut, neue Wege zu gehen. „Heutige Jugendliche lassen sich nicht mehr einfach was vordiktieren. Sie hinterfragen den Glauben und wollen in der Kirche selbst mitgestalten. Mit intellektuellen Worten und besinnlicher Stille ist es nicht getan“, sagt er. In reformierten Angeboten vermisst der Horwer Pfarrer manchmal die Emotionen, Leidenschaft und Alltagsnähe. Taizé und die «Explo» seien auch deshalb attraktiv, weil gerade dafür Raum geschaffen wird.

Zwei Grosstreffen auf einen Schlag

Weil solch kirchliche Grossanlässe so selten sind in der Schweiz, plädieren Ruedi Beck, Peter Jans, Jonas Oesch und Andreas Baumann dafür, beide Anlässe als Gewinn für die Schweizer Kirche zu sehen. Die Vorfreude auf die beiden kirchlichen Treffen am Jahresende ist spürbar. Jonas Oesch freut sich besonders auf die gemeinsame Lichterfeier an der «Explo 17», welche für ihn „ein starkes Zeichen der Einheit und Versöhnung in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft ist.“

Peter Jans hofft auf versöhnliche Gesten. In diesem Kontext verweist er auf das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation in diesem Jahr. Er sagt: „Die Essenz daraus ist doch, dass Christen den Weg gemeinsam gehen müssen, nicht getrennt.“ Absichtserklärungen und Toleranz allein nützen jedoch nichts, man müsse auf den anderen zugehen. Er ist überzeugt: „Beide Seiten können nur gewinnen.“

Vera Rüttimann

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