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Antigone (Juliane Lang): Gesetzesbrecherin aus Menschlichkeit.

Starkes Plädoyer für die Menschlichkeit

14. Januar 2015 Von: Daniel Lay

Anhand des Dramas «Antigone» regte der Theatergottesdienst zum Nachdenken über Gesetzestreue und Menschlichkeit an.

Im Zentrum des Theatergottesdiensts, einer Kooperation des Luzerner Theaters mit der katholischen und der reformierten Kirche Luzern, in der Matthäuskirche stand die Tragödie «Antigone» von Sophokles, die momentan im Luzerner Theater zu sehen ist. 

Hauptfigur des Stücks ist Antigone, eines der vier Kinder, die der unseligen Ehe von Ödipus mit seiner eigenen Mutter entstammen. Nach Ödipus’ Tod kommt es zwischen Antigones Brüdern Eteokles und Polyneikes zu einem erbitterten Kampf um die Herrschaft, in deren Verlauf sich die Brüder gegenseitig töten. Darauf verbietet der neue Herrscher Kreon, eine ordentliche Bestattung von Polyneikes, da dieser gegen seine eigene Heimatstadt in den Krieg gezogen ist. Antigone setzt sich über dieses Verbot hinweg, da sie die Menschlichkeit und die Gesetze der Götter höher bewertet als die Gesetze der Menschen.

Ausruhen auf dem Altar

Die erste im Gottesdienst aufgeführte Szene war ein Monolog der Antigone (Juliane Lang), in dem diese über den Tod ihres Bruders und den Fluch klagte, der wegen Ödipus’ Sünde auf der Familie liegt. In poetischen Umschreibungen wurde dabei der Fluch zur Wolke, der sich vor die Sonne schiebt, so dass sich die Geschwister gegenseitig wärmen müssen. Antigone vermisste den Beistand des toten Bruders. 

Alois Metz, Gemeindeleiter der Kirche St. Johannes, griff danach einzelne Element der Szene auf und übertrug sie auf den Glauben und die Religion. Indem er der schwachen Antigone anbot, sich auf dem Altar auszuruhen, holte er den zentralen Konflikt des Dramas zwischen Gesetzestreue und Menschlichkeit auf anschauliche Weise in den Kirchenraum. Mit dieser starken Geste plädierte er dafür, im Zweifelsfall – nach dem Vorbild von Jesus - der Menschlichkeit den Vorzug vor der strikten Einhaltung der Gesetze zu geben.

Zuhören gibt der Menschlichkeit Raum

Die zweite Szene bildete ein Dialog zwischen dem neuen Herrscher Kreon und seinem Sohn Haimon (Hans-Caspar Gattiker), der zugleich der Verlobte der Antigone ist. Der Sohn versucht dabei den Vater davon abzubringen, Antigone für die Bestattung ihres Bruders mit dem Tod zu bestrafen. 

Eva Brandin, reformierte Pfarrerin an der Matthäuskirche, erklärte daraufhin: «Besonders berührt hat mich Haimons Vorwurf an den Vater: ‹Nur sprechen willst du, hören nicht der andern Wort?›» Denn wer nicht zuhört und sich so in die Situation des anderen hineinversetzen kann oder will, handelt kalt und wie Kreon streng nach dem Gesetz. Erst das Hören gibt der Menschlichkeit Raum.

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