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Herausforderungen als Chance nutzen. (Foto: Winfried Adam)

Religionsunterricht im Wandel?

21. August 2017 Von: Winfried Adam

Die Einführung des Lehrplans 21 führt zu einer verstärkten Auseinandersetzung um den Verbleib des konfessionellen Religionsunterrichts an der öffentlichen Schule. Als Bildungsfach wird er überleben.

Der Lehrplan 21 bringt für die 21 Kantone der Deutschschweiz eine Harmonisierung der Bildungsziele. Der Kanton Luzern hat ihn im Wesentlichen übernommen und auf dieses Schuljahr eingeführt. Eine wesentliche Neuausrichtung ist die Orientierung an Kompetenzen. Nicht mehr der zu behandelnde Stoff steht im Mittelpunkt des Lernprozesses, sondern die Anwendbarkeit von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, in Kompetenzen formuliert. Auf Grund der Vergleichbarkeit mit anderen Kantonen hat sich damit aber in der Wochenstundentafel (WOST) die Lektionenzahl für die Schülerinnen und Schüler in der Primarschule erhöht: in der 1./2. Klasse sind es neu 25 Lektionen (+1), in der 3./4. Klasse 28 (+2), in der 5. Klasse 30 (+2) und in der 6. Klasse 30 Lektionen (+2).

Lehrplan 21, Kompetenzorientierung und höhere Lektionenzahl Folgen für den konfessionellen Religionsunterricht

In der Stundenplanung für dieses Schuljahr taucht der Religionsunterricht erstmals nicht mehr im Stundenplan der Schule auf. Das heisst nicht, dass er nicht mehr im Schulhaus stattfindet, aber dass er nicht mehr Teil der Überlegungen der Stundenplaner war. Diese hatten nämlich genug damit zu tun, den Mehrbedarf an Lektionen und Räumen, auch in Verbindung mit dem stufenübergreifenden "Altersdurchmischten Lernen" (AdL) unter einen Hut zu bringen. Der Religionsunterricht wird immer noch im Rahmen der Unterrichtszeiten erteilt, so wie es im § 34 des Gesetzes über die Volksschulbildung garantiert ist. Aber er schlägt mit einer Lektion wöchentlich zusätzlich zu Buche. Und so wird den Pfarreien und Kirchgemeinden von der Dienststelle Volksschulbildung bereits empfohlen, auch alternative Möglichkeiten zur Schule zu erwägen.

Kritische Anfragen

Angesichts dieser Herausforderungen stellen sich für besorgte Eltern, aber auch für (Religions-) Pädagogen mehrere Fragen:

     

  • ·       Wie viel Lernen hat im Stundenplan unserer Kinder Platz?
  • ·       Ist es nicht nur machbar, sondern auch sinnvoll, zusätzlich zu den Pflichtlektionen noch eine Lektion Religionsunterricht zu besuchen?
  • ·       Hat der Religionsunterricht an einer öffentlichen Schule überhaupt noch Platz, genügt nicht „Ethik und Religionen"? Und wenn ja, wie unterrichtet man Religion in 45 Minuten?
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Wenn Sie über diese Fragen ins Gespräch kommen wollen, der Elternabend «All inclusive» am 19. Oktober bietet dazu Gelegenheit.

Sehr vieles wird daran liegen, welchen Beitrag der Religionsunterricht der Kirchen für die Gesellschaft von heute leisten kann und ob es gelingt, den Religionsunterricht als Bildungsfach im Rahmen des allgemeinen Bildungsauftrags der Schule zu etablieren. Der neue (katholische) Lehrplan für den konfessionellen Religionsunterricht und die Katechese (LeRuKa) jedenfalls, der in diesem Herbst eingeführt wird, steht unter diesen Vorzeichen. Er ist ebenfalls kompetenzorientiert und somit anschlussfähig an den Lehrplan 21. Darüber hinaus unterscheidet er zwischen „Religionsunterricht“ (als Bildungsfach) am Lernort Schule und „Katechese“ (Glaubensvermittlung) am Lernort Pfarrei.

Welchen Mehrwert leistet der kirchlich verantwortete Religionsunterricht an der Schule?

Religiosität gehört zum Menschen, ob er Mitglied einer religiösen Gemeinschaft ist oder nicht, und sollte im öffentlichen Raum diskutiert werden, um Ghettoisierung zu vermeiden. Religiöse Bildung ist Teil einer ganzheitlichen Bildung. Gerade in Kombination mit dem vom Staat verantworteten Fach „Ethik und Religionen“ wird im kirchlich verantworteten Religionsunterricht durch die gemässigte und vertiefte Kenntnis des Eigenen der Boden dafür bereitet  – jenseits von Beliebigkeit – andere zu akzeptieren und mit ihnen in Dialog zu treten und damit einer Radikalisierung von Religion vorzubeugen.

Zusammenarbeit stärken

Das Wichtigste aber, um überhaupt sinnvoll im Schulhaus agieren zu können, ist die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen. Warum nicht im Fachbereich NMG gemeinsam eine Themenwoche zu interreligiösem Lernen gestalten? Oder fächerübergreifend unterrichten, vielleicht sogar im Teamteaching? Oder als Begleitperson mit auf Klassenfahrt gehen? Wir vom Team der Religionslehrpersonen werden uns solche Ziele für dieses Schuljahr vornehmen.

[eine gekürzte Fassung des Beitrages erschien am 24.  August 2017 im Pfarreiblatt der Stadt Luzern, Nr. 16/2017 (zum Archiv Pfarreiblatt)]

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