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Schaufenster

Zu Boden kommen – hier und jetzt

19. April 2017 Von: Florian Flohr

Von Bruder Klaus bis zum Urban Gardening spannte sich der thematische Bogen der fünf Stationen des ökumenischen Kreuzwegs in Luzern. Einen besonderen Akzent setzte die Steptänzerin Sandra Amstutz, die mit Rhythmus und Energie die Atmosphäre des Kreuzwegs «zu Boden brachte» - ganz im Sinne von Bruder Klaus, der die Meditation über das Leiden Jesu wie einen Gang zum Tanz verstand.

Die erste Station nahm Bezug auf das Bruder-Klaus-Fresko an der Peterskapelle. Marco Schmid von der City-Pastoral der katholischen Kirche deutete den berühmte Ausspruch des Asketen und Politikers «Macht den Zaun nicht zu weit». Als theologischer und sozialethischer Impuls für eine solidarische Selbstbeschränkung ist sein Motto hochaktuell – gerade auch in der weltweiten Bodenproblematik.

Markt und Mensch

Der Weg führte dann über den Schwanenplatz und die Grendelstrasse, wo sich Uhrengeschäft an Uhrengeschäft reiht. Der reformierte Pfarrer Beat Hänni liess betroffene Geschäftsleute aus der Altstadt zu Wort kommen – der eine skeptisch und besorgt, der andere optimistisch, dass die Marktkräfte alles regeln. «Früher waren auch alle Geschäfte einer Branche zusammen: Metzger, Bäcker…» Die biblische Lesung vom selbstsicheren, expandierenden Bauern, der meint, alles gewonnen zu haben und in derselben Nacht sein Leben verliert, brachte eine weitere Perspektive ein. Die frühere Münzstätte der Stadt Luzern am Mühlenplatz bildete die dritte Station. «Was klebt an unserem Geld?», fragte Theologe Florian Flohr mit Bezug auf die Episode aus dem Matthäusevangelium über das Geld, welches Judas für seinen Verrat erhielt und an dem «Blut klebt». Geld vermehre sich nicht von selbst; es brauche immer menschliche Arbeit und auch eine gewisse Ausbeutung der Natur, um Zinsen und Dividenden zu erwirtschaften. Deshalb müsse die Frage: «Was klebt an meinem Geld» immer neu gestellt werden.

Der Himmel als Hochhaus

Eine grosse Siedlung aus den 50er-Jahren, der Sentihof, markierte die vierte Station. Florian Flohr verwies auf die Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium, wo es heisst: «Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.» Dieser Satz dürfe nicht zur Vertröstung auf später dienen, sondern müsse «wie im Himmel so auf Erden» gelten – als Menschenrecht auf angemessenes Wohnen für alle Schichten. Ein Hochhaus könne also durchaus ein gutes Bild für den Himmel sein. Den hoffnungsvollen Schlussakzent setzte Josef Moser im Garten des Sentitreffs. «Hier haben wir ein Stück Boden zurückerobert; wo früher Parkplatz und Baustelle waren, wird jetzt wieder gepflanzt. Wir geben den Stadtmenschen die Berührung mit dem Boden zurück. Migrantinnen und Migranten und Kinder aus dem Quartier benutzen die Möglichkeit des Säens und Pflanzens begeistert.» Dazu war nochmals aus den Abschiedsreden Jesu zu hören: «Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde kommt und stirbt, bleibt es allein…». Rund 150 Teilnehmende gingen den Weg mit und dankten den Beteiligten und besonders der Steptänzerin mit herzlichem Applaus. Dei Texte zum Ökumenischen Kreuzweges finden Sie im pdf-Dokument unten.

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