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Schaufenster

Das philosophische Gespräch an der Vernissage drehte sich um das Thema Kleidung. Foto: Claudia Conte

Das Zauberwort heisst Toleranz

30. Oktober 2014 Von: Daniel Lay

Die Ausstellung «Schleier und Entschleierung» im Kirchensaal des «MaiHof» wurde mit einem offenen philosophischen Gespräch über Kleidung feierlich eröffnet.

«Schleier und Entschleierung – Kunstgeschichte, Erscheinung und Deutung» lautet der Titel der Wanderausstellung, die noch bis zum 16. November im Kirchensaal des «MaiHof» zu sehen ist und einen differenzierten Blick auf das Kleidungsstück Schleier werfen will. An der Vernissage im sehr gut gefüllten Kirchensaal berichtete die Ausstellungsmacherin Elisabeth Reichen wie sie auf das Thema kam: «Ich hörte im Radio ein Interview mit der Autorin des Buches ‹Verschleierte Wirklichkeit›, Christina von Braun, und fand, dass man den Inhalt des Buches der Öffentlichkeit präsentieren muss.» Entstanden ist so eine spannende, multimediale Ausstellung, die sich dem in der letzten Zeit heiss diskutierten Thema Schleier und Verschleierung in sieben Kapiteln zu nähern versucht. Die Besucherinnen und Besucher erfahren so etwas über den «Historischen Schleier», den «Natürlichen Schleier» oder den «Politischen Schleier». Ebenfalls wichtig ist das letzte Kapitel, dass der Entschleierung in der westlichen Welt gewidmet ist: «Nur wenn wir unsere eigenen Wurzeln kennen, können wir offen auf andere Kulturen und Religionen zugehen», erkläre Reichen dazu.

Den Mensch hinter Uniform, Schleier und Kleidung sehen

Hauptprogrammpunkt an der Vernissage war die Diskussionsrunde «Sein oder Design?». Am philosophischen Gespräch zum Thema Kleidung nahmen vier Personen teil, die sich mit ihrer Kleidung exponieren: Der Polizist aus dem Maihof-Quartier, eine Kopftuch tragende Muslimin, eine Designerin und ein Kapuzinermönch auf Zeit. Im Gespräch zeigte sich einerseits, dass mit der Kleidung eine Rolle oder Aufgabe verbunden sein kann. Für den Kapuzinermönch war klar: «Über die Kutte identifiziere ich mit dem Orden. Ich trage sie, wenn ich Ordensaufgaben wahrnehme.» Ähnlich formulierte es auch der Polizist: «Die Uniform bedeutet Arbeit.» Die junge Muslimin dagegen trägt den Schleier immer und aus Überzeugung: «Mein islamischer Glaube schreibt mir vor, ein Kopftuch zu tragen.» Obwohl die offene Anlage der Diskussion verschiedene Möglichkeiten geboten hätte – zum Beispiel wie man die Kleidung dazu nutzen kann, um etwas über seine Person oder seine Überzeugungen auszusagen – wurde das Gespräch, als sich auch das Publikum beteiligen konnte, schnell politisch und drehte sich mehrheitlich über das Gebot zur Verschleierung im Islam. Dabei kam die Runde zu einem nicht wirklich überraschenden Schluss, der aber in der hitzigen Debatte nicht genug betont werden kann: Toleranz. Oder mit den Worten des Polizisten, mit denen er spontanen Applaus erntete: «Toleranz ist das magische Wort. Man muss den Menschen hinter der Uniform oder Kleidung sehen.» Dass Toleranz und gegenseitiges Verständnis, die durch die Ausstellung auch gefördert werden sollen, dringend nötig sind, zeigte auch eine Episode aus dem Grusswort von Stadträtin Ursula Stämmer. Sie erzählte, dass sie, als sie in den Ferien im Südtirol von weitem eine Frau mit Kopftuch sah, sofort an eine Muslimin dachte. Sie war dann äusserst überrascht, als sich herausstellte, dass es eine alte Bewohnerin des Tales war. Stämmer wunderte sich sehr über ihr eigenes Verhalten, das Kopftuch sofort mit Islam zu assoziieren, obwohl es vor 50 Jahren auch hierzulande noch weit verbreitet war.

Weitere Infos zur Ausstellung und zum vielfältigen Rahmenprogramm

www.kathluzern.ch/schleier

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