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Willkommen in der solidarischen Gesellschaft - statt Ablehnung und Ausgrenzung von Flüchtlingen ein Zeichen für die Willkommenskultur. Foto: Claudia Conte

Stellungnahme zur Studie Sans-Papiers in der Schweiz 2015

27. April 2016 Von: Nicola Neider Ammann

Als Präsidentin vom Verein Kontakt- und Beratungsstelle für Sans-Papiers Luzern wurde Nicola Neider Ammann gebeten, einen Kommentar zu dieser Studie für das katholische Medienzentrum kath.ch abzugeben. Hier ist diese Stellungnahme zu lesen

Fachfrau prangert «Sans-Papiers»-Tabu in der Schweiz an

Luzern, 26.4.16 (kath.ch) In der Schweiz lebten im Jahr 2015 76’000 «Sans-Papiers». Dies zeigte die neueste Studie des Staatssekretariats für Migration (SEM), die am Montag publiziert wurde. Aus Sicht von Nicola Neider Ammann, Präsidentin des Vereins Kontakt- und Beratungsstelle Sans-Papiers Luzern, sollte das Thema der Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung öfters in der Öffentlichkeit besprochen werden, wie sie am Dienstag, 24. April, auf Anfrage kath.ch mitteilte. Die vorletzte Studie liegt schon zehn Jahre zurück.

Vor zehn Jahren lebten laut Angaben des SEM 90’000 Sans-Papiers in der Schweiz. Also 14’000 mehr als letztes Jahr. Doch für Neider Ammann beruhen diese Zahlen lediglich auf Schätzungen. «In unserer eigenen Kontakt- und Beratungsstelle hat sich die Anzahl Ratsuchender jedenfalls innerhalb eines Jahres verdoppelt.» Die meisten seien abgewiesene Asylsuchende.

Willkür der Arbeitgeber

Laut der Studie gehen praktisch alle, neun von zehn, Sans-Papiers einer Arbeit nach – was in der Schweiz illegal ist. Nicht nur für sie, sondern auch für die Arbeitgeber. Die Präsidentin des Vereins sieht genau darin ein grosses Problem. «Die erwerbstätigen Sans-Papiers sind einmal mehr der vollkommenen Willkür ihrer Arbeitgeber unterworfen.» Denn die einzige Möglichkeit eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, wäre das Einreichen eines Härtefallgesuchs. Was jedoch nur unter einer Bedingung funktioniert: Der Arbeitgeber müsste sich vor dem Bund «outen» – laut Neider Ammann eine Seltenheit. «Ein Bauarbeiter aus Serbien musste deswegen nach über 13 Jahren Aufenthalt und Arbeit in der Schweiz das Land verlassen», empört sie sich.

Der Verein appelliert deshalb an die Verantwortlichen in den Behörden, die Kriterien für eine Aufenthaltsbewilligung zu überdenken. «Denn ganz offensichtlich ist ihre Arbeit ja gefragt und man könnte sie durch die Legalisierung der Ausbeutung von Arbeitgebern entziehen», so die Präsidentin.

Tabu brechen

Für die Präsidentin ist klar, dass die Öffentlichkeit mehr über die Realität der Sans-Papiers wissen und auch mehr darüber sprechen sollte. Damit könnte die Thematik auch Nicht-Betroffenen näher gebracht werden; Lösungen würden einfacher gefunden. Dies würde sowohl im Interesse der Betroffenen als auch der öffentlichen Hand liegen, findet Neider Ammann. (ft)

Unter dem untenstehenden Link kann die Studie selbst herunter geladen werden

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