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Geschichte der Hofgeissen

Wie die Hofgeissen zu ihrem Namen kamen

Es gibt eine einfache Erklärung dafür, weshalb die Schüler der Hofschule Hofgeissen genannt wurden: Zur Verrichtung ihrer nächtlichen Dienste in der Hofkriche trugen sie Ziegenpelze.

Bis 1606 musste der Stiftskämmerer die Schüler für den nächtlichen Chordienst mit den als Umhang getragenen Ziegenfellen ausrüsten. Dem Stift gehörte auch der Hof Geissmatten im heutigen St. Karligebiet und wie es der Name schon besagt, könnten die ersten Ziegenfelle von dort stammen. Schon 1488 steht im Ratsbuch folgendes: «12 Gulden von Nikolaus Ritzze von Fellen im Hof». Somit trugen die Hofgeissen ihren Fellumhang, bevor die Chorherren ihren grauen Hermelinpelz, der auch «Kutzbelz» genannt wurde, hatten. Denn erst Papst Julius II. (1503 – 1513) erlaubte dieses Privileg den Chorherren. Im frühen Mittelalter war um 2 Uhr morgens das Offizium, welches um 1600 auf 4 Uhr verlegt wurde, und am Ostermorgen fand um 1.30 Uhr im Hof eine Prozession statt, an der die 4 jüngsten Mitglieder des Rats und die 6 jüngsten des Rats der Hundert zur Teilnahme verpflichtet waren.

Die Pächter der Gärten, welche ehemals in der Nähe des Weggistores lagen, sowie einige Pächter und Besitzer von Häusern in der Stadt, speziell jene, die am Rindermarkt und in der Mühlegasse lagen, mussten dem Stift im Hof jährlich Bocks- und Gitzifelle abliefern. Diese Pächter, die Felle abliefern mussten, wurden «Ferrent» genannt, was soviel wie (Fell-)Bringer bedeutet. Seit dem Jahre 1606 wurde für die Schüler nur noch der schwarze Talar verordnet. Irgendwann wurden diese Fellumhänge zum Kirchendienst wieder eingeführt und bis in die 50er-Jahre unserer Zeit bei Festgottesdiensten weiter verwendet. Diese Ziegenfelle gaben dann auch den Hofschülern den stadtbekannten Namen «Hofgeissen». Die Chorsänger der Hofschule wurden in den 1930er-Jahren wegen des roten Chorrocks und des schönen Singens auch «Rotkehlchen» genannt. Dieser Name wurde jedoch nie so populär wie Hofgeissen.

 

 

Quellenagabe

Koch, Oscar J.: Die Hofschule. Die Geschichte der ältesten Schule von Luzern.
Die 1995 veröffentlichte Geschichte umfasst 64 Seiten mit teilweise farbigen Repros und Erklärungen. Leider ist das Büchlein vergriffen, jedoch sind mehrere Exemplare in der Luzerner Zentralbibliothek ausleihbar.

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