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Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Pfarreien & Standorte  /  Peterskapelle  /  Schaufenster

Schaufenster

Hans Thomann, «…es geht aufwärts…». Detail der künstlerischen Intervention in der Peterskapelle.

«kein Aprilscherz»

1. April 2020 Von: Andreas Rosar

«zwölfnachzwölf» am 1. April! Da liegt ein Aprilscherz zum Einstieg natürlich quasi in der Luft…

…und doch… irgendwie scheint es momentan nicht die richtige Zeit für heitere «Fake News» zu sein, die man nach einem Moment ungläubigen Staunens mit «April, April» einfach in Luft auflösen kann. Zu gross ist gerade die Sehnsucht danach, dass sich so manche andere Nachrichten dieser Tage im Handumdrehen als schlechter Scherz erweisen mögen.

So war’s heute die Technik, die uns das erste «zwölfnachzwölf» im April verscherzt hat. Das Mikrophon des Sprechers hat seinen Dienst versagt…

 

…während die Musik gut zu hören war.

Christoph Blum (acc) und Laurin Moor (b) haben mit dem hinreissend melancholisch-finnischen Traditional  «Voi äiti parka ja raukka» und der mitreissend feurig-apulischen Tarantella «Pizzica di San Vito» Klage und Aufbegehren in Momenten schwerer persönlicher Schicksalsschläge singend und musizierend wunderbar zum Klingen gebracht…  

 

… und die ganze Zeit über stand da eine Leiter im Bild.

Wer die Peterskapelle real oder virtuell per Livestream in den letzten Wochen besucht hat, hat sie sicher schon wahrgenommen. Filigran und schlank, fast elegant, aber doch unübersehbar und trotzig erhebt sie sich vor dem Altar in die Höhe – gehalten von farbigen Ballons in der Höhe oder doch eher von einem kunstvoll um den Altar geschwungenen Bergsteigerseil.

Messer lassen analog zu den vierzehn klassischen Kreuzwegstationen auf den vierzehn untersten Sprossen den Aufstieg wenig verlockend erscheinen.

Kein «verfrühter Aprilscherz», wie eine Besucherin der Kapelle kurz nach Aschermittwoch argwöhnte – eine künstlerische Intervention des Ostschweizer Künstlers Hans Thomann, die in der Tradition mittelalterlicher Fastentücher den Blick auf den Altar während der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karsamstag wenn nicht verunmöglicht, so doch stört.

Die Leiter hat in der christlichen Kunstgeschichte ihre Beheimatung im Kreise der «arma Christi», der Waffen bzw. Leidenswerkzeuge, die quasi zur Requisitenliste jedes Passionsspieles gehören. Neben den Nägeln, der Dornenkrone, der Lanze und vielen weiteren Gegenständen, die im Zusammenhang mit dem Leiden und der Tötung Jesu Christi stehen, erinnert sie als ein Werkzeug tätiger Nächstenliebe an Joseph von Arimathäa, der den Leichnam Jesu vom Kreuz abnahm und bestattete.

In der biblischen Geschichte ist die Leiter zum Symbol der Verbindung von Himmel und Erde, von Gott und Mensch geworden, ausgehend von Jakobs Traum im Buch Genesis (Gen 28). Das Johannesevangelium und in seinem Gefolge die spätantiken Kirchenväter rücken dieses Zeichen in den Zusammenhang von Jesu Sterben und Auferstehen.

 

Hans Thomann nennt seine Installation «…es geht aufwärts…».

Sein Werk hinterfragt auf diese Weise in unseren Tagen geradezu prophetisch die aktuelle Situation. Bislang galt doch das Dogma von beständigem Wachstum und beständigem Fortschritt, von beständig steigenden Börsenkursen. Der Primat unserer Zeit lag eindeutig bei der Wirtschaft, die uns versprach, dass es der Menschheit nur gut ginge, wenn sie wachsen könne.

 

Und nun?

«Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist;  und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist.» (1 Korinther 1, 27b-28)

Ein mikroskopisch kleines Lebewesen kehrt die Verhältnisse, unser Selbstverständnis, unsere Gewohnheiten, unseren Alltag um, schreckt die Menschheit, lässt uns den Atem anhalten.

 

Nichts scheint nun mehr «aufwärts» zu gehen.

Wir leben in einer paradoxen Zeit. Wir meiden den körperlichen Kontakt, fühlen uns momentan aber zugleich von einer weltumspannenden Solidarität getragen, da nun wirklich jede und jeder in irgendeiner Weise betroffen ist. Sei es durch die eigene Ansteckung oder die von Angehörigen und Bekannten, sei es durch den partiellen oder totalen Verlust der persönlichen wirtschaftlichen Grundlage.

Dieser Moment des kollektiven Verzichtens, des Atemanhaltens, des Leidens und Mit-Leidens wirft uns auf uns selbst zurück.

Hans Thomanns Leiter wird scheinbar von Ballons in die Höhe gezogen, wie eine Erinnerung an ein längst vergangenes Fest oder eine unbestimmte Hoffnung, dass es aufwärts gehen möge. Ihren Halt bekommt sie durch den Altar, an dem sie durch ein rotes Seil – gleichsam wie durch eine Nabelschnur – gebunden ist, den Altar, der für unseren Glauben an Gottes unsicht- aber doch unverzichtbare Präsenz in dieser Welt steht, für die Tischgemeinschaft mit ihm, der uns in seinem mitleidenden Sohn ein menschliches Gegenüber geschenkt hat.

 

Wie geht unser Leben weiter?

In diesen Tagen? In einer unbestimmten Zukunft nach der Krise? Was und wer gibt uns nun noch Halt?

Diese Fragen lassen sich mit Hans Thomanns Kunstinstallation «…es geht aufwärts…» noch bis Karsamstag meditieren.

Zum ersten Mal seit Menschengedenken hat die scheinbar gottgegebene Logik des Primats des wirtschaftlichen Wachstums ihren Platz räumen müssen. Das Überleben des menschlichen Lebens ist in diesen Tagen das oberste Gebot, dem sich alles politische und gesellschaftliche Handeln unterwirft.

Wenn sich das nicht als ein gewaltiger Aprilscherz entpuppen sollte, wäre das vielleicht kein schlechter Ausgangspunkt für einen Neuanfang, ein Ostern im tieferen Sinne. Dann würden wir nach einem Nullpunkt tatsächlich wieder sagen können:

«…es geht aufwärts…»  

 

Noch bis Karsamstag lädt Hans Thomanns Installation zum Betrachten und Meditieren in die Matthäuskirche und in die Peterskapelle in der Luzerner Altstadt ein. 

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