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Schaufenster

«Luzerner Sorgen ausgewertet»

29. März 2021 Von: Beat Richert

Zwischen 27. Februar und 26. März stand sie vor dem mächtigen Portal der Luzerner Hofkirche – Die «EntSorgeStelle». Nun zieht der Künstler Beat Richert Bilanz.

Eine hocheffiziente Kunstinstallation war das, in der die Luzerner Bevölkerung ihre Sorgen entsorgen konnte. Und das haben die Luzerner*innen auch gemacht, zu Hunderten. Für die Anhänger der Abfalltrenn-Religion war es ein Leichtes, nach Grünglas, Batterien und Yoghurt-Becherli nun endlich auch die Sorgen einfach in den dafür vorgesehenen Behälter zu schmeissen. Der EntSorge-Bedarf war so gross, dass vielfach gleich mehrere Sorgen auf eine EntSorge-Marke geschrieben wurde, obwohl nur eine Sorge pro Marke erlaubt war.

Da ich als Kind schon viel auf Schrott-Verwertungsarealen nach kleinen Schätzen suchte, konnte ich es mir auch bei der «EntSorgeStelle»  nicht verkneifen, im Sorgenabfall nach Kuriositäten und Kausalitäten zu wühlen.  

Gesundheit und Wandel die grössten Sorgen

Die mit Abstand häufigste Sorge der Luzernerinnen und Luzerner ist ihre Gesundheit. Von «weniger Süsses essen», Nierenbeschwerden und Schlafstörungen bis hin zu Elektrosensibilität und Blindheit wurden Gesundheitssorgen weggeworfen. Erwähnenswert ist hier auch, dass etwa vierzig Prozent aller gesundheitlichen Sorgen die mentale Gesundheit betreffen. Da wurden kranke Geister, Depressionen, Stress, kranke Seelen und auch die Angst von der Verblödung der Menschheit entsorgt. An zweiter Stelle folgen die Sorgen des steten Wandels. «Möge alles gutkommen», die Angst vor der ungewissen Zukunft und zunehmende Hoffnungslosigkeit wurden da entsorgt.

COVID19-Sorgen schaffen es nicht in die Top 10

An dritter Stelle sind familiäre Sorgen über Streit, wegziehende Kinder und schwächelnde Grosseltern. An vierter Stelle folgen Sorgen über die Institution Kirche, wobei die moderne «EntSorgeStelle» an nicht ganz neutraler Stelle wahrscheinlich auch als katholisches Überdruckventil genutzt wurde, um zum Beispiel den päpstlichen Segen für die Abschaffung des Zölibates zu erzwingen. Danach folgen Sorgen über Beziehungsprobleme, Liebe und Gefühle. Erstaunlicherweise sind die COVID19-Sorgen erst an zwölfter Stelle zu finden, noch hinter Sorgen um Gleichberechtigung und Bildung. Dies ist umso beachtlicher, da wir seit über einem Jahr in einer quasi monothematischen Medienlandschaft leben, die einen hervorragenden Sorgen-Nährboden hergibt. Auch die demokratischen Freiheiten, die wir durch die Coronakrise verloren haben, schaffen es nur auf den zwanzigsten Platz der Sorgenrangliste.

Nur ein Drittel der Sorgen sind persönliche Sorgen

Obwohl wir in einer zunehmend individualistisch geprägten Gesellschaft leben und die «EntSorgeStelle» explizit dazu einlud, zu sich zu finden, sind nur rund ein Drittel aller Sorgen persönliche Sorgen (siehe Graphik). 27% aller entsorgten Lasten sind Sorgen, die uns nahestehende Personen betreffen. An dritter Stelle folgen gesellschaftliche Sorgen. Institutionelle Sorgen sind vor allem Sorgen um die Kirche sowie die Schulen. Verschwindende zwei Prozent aller Sorgen beziehen sich auf die schwer kranke Umwelt.

Die kurioseste Sorge, die ich im Sorgenabfallhaufen finden konnte, ist die Sorge, keine Sorgen zu haben. Und so findet sich plötzlich wieder Licht und Hoffnung, denn keine Sorge ist so gross, als dass sie nicht immer auch ein Schimmer Hoffnung mit sich bringt.

Ich bedanke mich an dieser Stelle beim gesamten Team der Pfarrei St. Leodegar sowie des Teams Peterskapelle und der Citykirche Matthäus für die tolle und inspirierende Zusammenarbeit und hoffe, dass die  «EntSorgeStelle» baldmöglichst woanders die Sorgen der Menschen entsorgen kann.

 

Einen Rückblick auf die Installation inklusive Videobeitrag bietet auch die katholische Nachrichtenplattform kath.ch.

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