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Schaufenster

«Theater bringt aktuelle Themen unvermittelt in die Kirche»

15. Februar 2019 Von: Interview: Daniel Lay

Am Sonntag steht Mozarts Oper «Don Giovanni» im Zentrum des ökumenischen Theatergottesdienstes in der Matthäuskirche. Mit dem reformierten Pfarrer Marcel Köppli und dem katholischen Theologen Andreas Rosar werfen wir einen Blick hinter die Kulissen: Was braucht es, bis ein Theatergottesdienst steht?

Wie kam man auf die Idee zur Zusammenarbeit mit dem Luzerner Theater und der Form der Theatergottesdienste?
Marcel Köppli (MK):
Die Initiative für diese Kooperation kam von Dominique Mentha, dem damaligen Intendanten des Luzerner Theaters. Er hatte die Idee, die Leute der Kirche zu fragen, wie sie auf die Themen blicken, die im Theater verhandelt werden. Das Interesse auf Seiten der Kirche war gross und schon bald entstanden die ersten Theatergottesdienste.

Wer bestimmt die Werke für die Theatergottesdienste, denn mit der Katholischen Kirche Stadt Luzern, der reformierten Kirche Stadt Luzern und dem Luzerner Theater sind ja doch drei Akteure beteiligt
Andreas Rosar (AR):
Die ersten Vorschläge kommen zunächst vonseiten des Theaters. Die Dramaturginnen und Dramaturgen denken vor, welche Stücke inhaltlich ergiebig und spannend sein könnten, und dann kommen wir in eine Diskussion darüber.

Wie werden die Szenen für den Theatergottesdienst festgelegt?
MK:
In den ökumenischen Theatergottesdiensten treten die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Tänzerinnen und Tänzer oder Sängerinnen und Sänger ohne Kostüm und Schminke auf, es gibt auch kein Bühnenbild. Praktische Überlegungen schränken uns daher bei der Szenenwahl nicht ein. Wir wählen die Szenen so aus, dass sich im Theatergottesdienst eine eigene Dramaturgie entwickeln kann; selbstverständlich sind es meist Schlüsselszenen. Dann diskutieren wir intensiv, wie das Ganze in der Kirche inszeniert werden soll. Da kann es durchaus sein, dass eine Schauspielerin zunächst unerkannt in einem Kirchenbank sitzt, um dann überraschenderweise nach einem Gemeindelied aufzustehen und aufzutreten.

Wie läuft die Vorbereitung eines Theatergottesdienstes ab, da verschiedene Akteure ihre Aktivitäten koordinieren müssen: Schauen Sie die Inszenierung gemeinsam? Gibt es einen Austausch mit den Beteiligten (Regisseur bzw. Schauspieler)?
AR:
Mehrere Wochen vor dem jeweiligen Theatergottesdienst treffen sich zunächst einmal der reformierte und der katholische Part zu einem «Brainstorming» – meist gleich mit der stückbetreuenden Dramaturgin des Theaters. Dort werden erste Vorüberlegungen gemacht, wo Berührpunkte zwischen inhaltlichen Aspekten des Stücks oder auch formalen der jeweiligen Inszenierung auf der einen Seite und theologisch relevanten Themen auf der anderen Seite liegen. Wenn es irgend möglich ist, schauen wir dann auch die Inszenierung alsbald gemeinsam an. Im Anschluss gibt es dann einen Austausch – meist mit der jeweiligen Dramaturgin oder Dramaturgen, manchmal auch mit den Darstellern.

Was sind die Chancen und Möglichkeiten eines Theatergottesdienstes gegenüber einem «normalen» Gottesdienst?
MK: Die grossen Leidenschaften und Themen werden von jeher durch Religionen und Kunst bearbeitet. Das Theater – besonders das Luzerner Theater – ist am Puls der Zeit und greift aktuelle Themen auf. Bei den Theatergottesdiensten bringt das Theater diese aktuellen Themen unvermittelt in die Kirche. Wir greifen diese Themen auf und spiegeln sie am reichen Fundus der christlichen Tradition. Das hat gegenüber einem «normalen» Gottesdienst den grossen Vorteil, dass bereits ein aktuelles Thema vorliegt und wir dieses nicht erst selbst einführen müssen. Zudem hilft es uns Kirchen, dass wir uns auch mit Themen beschäftigen, mit denen wir uns – in unserer kirchlichen Betriebsblindheit – nur selten beschäftigen.

Wo sind die Schwierigkeiten und Herausforderungen bei einem Theatergottesdienst?
AR:
Die Künstlerinnen und Künstler haben ja ein ziemlich straffes Pensum aus Proben- und Vorstellungsbetrieb am Theater zu leisten. Da ist eine grosse Herausforderung, geeignete Termine zu finden, an denen der Theatergottesdienst für sie nicht zwischen eine Samstagabend- und eine Sonntagsnachmittagsvorstellung im Theater fällt.

Eignen sich alle Werke gleichermassen für einen Theatergottesdienst? Ich persönlich finde ja, dass sich «Schuld und Sühne» besser für einen Theatergottesdienst eignet als nun «Don Giovanni». Kann man aus allem etwas machen?
AR: So pauschal lässt sich das nicht sagen – es gibt sicher Stücke, die sich auf den ersten Blick mehr und andere, die sich weniger eignen. Gute Stoffe haben aber in aller Regel mindestens einen Aspekt, der auch für einen glaubenden Menschen relevant ist. Diesen aufzuspüren und beispielsweise mit einem Bibeltext in ein Spannungsverhältnis zu setzen, ist gerade die befriedigende Herausforderung bei der Arbeit an einem Theatergottesdienst.
MK: Entscheidender als das Werk ist oft die konkrete Inszenierung, also die Frage, welchen Blick das Theater auf ein Werk wirft. Ich knüpfe daher gerne zuerst an der Inszenierung an. Bei den über einem Dutzend Theatergottesdiensten, die ich bislang mitgestaltet habe, haben wir immer Bezüge gefunden; meist liegt die Herausforderung ohnehin in der thematischen Beschränkung und nicht darin Themen zu finden.

Welche Themen aus der Oper «Don Giovanni» werden im Theatergottesdienst aufgegriffen?
MK:
Wir knüpfen an der Luzerner Inszenierung an. Da sind zunächst die Themen Liebe und Erotik, die in den biblischen Texten oft thematisiert werden, beispielsweise im Hohelied Salomos, einer Sammlung von Liebesliedern. Und da ist auch Benedikt von Peters Interpretation des Don Giovanni. Von Peter sieht Don Giovanni nicht als Person, sondern als Prinzip des Begehrens, des Triebs und der Sehnsucht. Wir meinen, der Apostel Paulus habe vor 2000 Jahren im Römerbrief auch von einem solchen Prinzip geschrieben.


Die Interviewpartner

     

  • Andreas Rosar, Theologischer Mitarbeiter Team Peterskapelle der Katholischen Kirche Stadt Luzern
  •  Pfarrer Marcel Köppli, Citykirche Matthäus, Reformierte Kirchgemeinde Luzern
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Veranstaltungshinweis

Ökumenischer Theatergottesdienst zur Oper «Don Giovanni»
SO, 17. Februar, 10.00, Matthäuskirche

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