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Schaufenster

«Bibel des Monats»: Die Bibel in gerechter Sprache

1. August 2021 Von: Winfried Bader

Am 1. August predigte Helvetia auf den Kanzeln der schweizerischen Kirchen anlässlich von 50 Jahren Frauenstimmrecht in unserem Land. Seit 15 Jahren gibt es eine Bibel, in der auch die Frauen erscheinen und sprachlich nicht den Männern untergeordnet sind.

Es ist nicht nur die inclusive Sprache, die diese Bibel gerecht machen soll. Gerechte Sprache bedeutet für die 52 Übersetzerinnen – darunter auch 12 Männer – neben dem Ziel jeder Übersetzung, dem Ursprungstext gerecht zu werden dreierlei:

     

  1. Die Übersetzung soll der Geschlechtergerechtigkeit entsprechen und deutlich machen, dass und wie Frauen an den Geschehnissen und Erfahrungen der biblischen Texte beteiligt sind und damals wie heute von ihnen angesprochen sind. 
  2. Es geht um Gerechtigkeit im Hinblick auf den jüdisch-christlichen Dialog. Die Übersetzung versucht auf antijudaistische Interpretation zu verzichten.
  3. Der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit wird berücksichtigt, indem die sozialen Realitäten im Wortlaut deutlich werden.
  4.  

Gott hat einen Eigennamen

Der Name von Gott in den hebräischen Schriften besteht aus vier Buchstaben JHWH – dem Tetragramm. Seit später biblischer Zeit wurde der Name Gottes nicht mehr ausgesprochen wurde, um entsprechend der Regel aus den Zehn Geboten über diesen Namen nicht missbräuchlich zu verfügen.

Wer aber den Bibeltext vorliest, muss an der Stelle des Tetragramms irgendetwas sagen, damit Hörerinnen merken, hier steht der Name. Die «Bibel in gerechter Sprache» geht nun folgenden Weg:

     

  • Sie verdeutlicht, wo der Eigenname Gottes verwendet wird, durch eine graue Hinterlegung. Schon beim raschen Durchblättern fällt dabei auf, wie oft Gott bei seinem Eigennamen genannt wird, fast 6000 mal im Ersten Testament.
  • Diese graue Hinterlegung ist gerahmt mit den beiden hebräischen Buchstaben jod – jod, eine gebräuchliche Abkürzung für den Gottesnamen.
  • Zwischen diesen beiden Buchstaben steht ein Lesevorschlag, wie man hier den Eigennamen Gottes beim Lesen wiedergeben könnte.
  • Oben auf der jeweils linken Seite finden sich in der Kopfzeile weitere, wechselnde Lesevorschläge, die man für den Gottesnamen verwenden kann.
  •  

Gott kann vielfältig benannt werden – auch weinblich

Die «Bibel in gerechter Sprache» schlägt insgesamt die folgenden Varianten anstelle des Gottesnamens vor: der Ewige, die Ewige, Schechina, Adonaj, ha-Schem, der Name, GOTT, die Lebendige, der Lebendige, Ich-bin-da, ha-Makom, DU, ER, SIE, SIE ER, die Eine, der Eine, die Heilige, der Heilige.

Leser*innen sind also frei, statt des grau hinterlegten Vorschlags für den Eigennamen Gottes selbst einen anderen zu wählen und zu sprechen. Sie können selbstverständlich auch weitere, eigene Bezeichnungen für den Eigennamen Gottes verwenden. Es fällt leicht, das zu tun, weil die graue Hinterlegung auffällig und eindeutig ist. Ein ganz neuer Blick auf Gott ergibt sich, wenn weibliche Bezeichnungen verwendet werden.

Provokation zum freien Denken

Grundanliegen der Übersetzerinnen, die aus den Strömungen der Befreiungstheologie und der feministischen Theologie kommen, ist, eine Gottheit zu verkünden, der es um Freiheit und Befreiung geht, um Hoffnung für Menschen, die im Jetzt unterdrückt sind.

Mit provozierend neuen Formulierungen und mit Hilfen zum Verständnis des weiten Spektrums der Begriffe in den Originalsprachen hilft diese Bibel, selbst frei zu denken und frei denkend sich zu engagieren für die Gerechtigkeit für alle in Sprache und Wirklichkeit. 

Winfried Bader

 

Die im Studiolo der Peterskapelle gezeigte Bibelausgabe ist Teil der Bibelsammlung von Winfried Bader im Pfarrhaus der Franziskanerkirche, Franziskanerplatz 1.
Eine Besichtigung der Bibelsammlung für einzelne oder kleine Gruppen auf Anfrage.
Für Gruppen von 4-8 Personen wird auf Anfrage auch ein Event «Whisky&Bible» angeboten.

Auskünfte zu Besichtigung und Event per Email: winfried.bader@kathluzern.ch

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