• Franziskaner 1
  • Franziskaner 2
  • NEU-maria-banner_02
  • Franziskaner 4
  • Franziskaner 5
  • NEU-maria-banner_06
Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Pfarreien & Standorte  /  Pfarreien  /  St. Maria zu Franziskanern  /  Schaufenster

Schaufenster

Nachlese

28. Dezember 2021 Von: Gudrun Dötsch

Predigt zu Lk 2,1-14 Liebe Pfarreiangehörige, liebe Gäste, liebe Mitchristen! ALLES NICHT NORMAL

ALLES NICHT NORMAL

Wir haben uns an das Bild gewöhnt: Die grosse Kulisse, der ganze Kosmos mit seinen Gestirnen, himmlische Engelswesen, die sich auf der Erde tummeln. Vor der Krippe ist die ganze Welt versammelt, die weitgereisten Sterndeuter, die einfachen Hirten und sogar die Tiere. Das alles ist nicht normal. Schliesslich das Kind, in Windeln gewickelt und in die Krippe gelegt. Welche Mutter macht so was? Das Neugeborene gehört doch auf den Arm. Schutzlos der Welt ausgeliefert liegt es da! Viele Krippendarstellungen zeigen Jesus mit weit ausgebreiteten Armen. Unrealistisch ist das- genau das soll es auch sein: Eine Utopie, ein Traum von einer Welt, wo der dröhnende Stiefel des Krieges verhallt, wo Kinder in eine Friedenszeit hineingeboren werden. Wenn ich vor so einer Krippe stehe, dann merke ich: Dieses Kind in der Krippe will mich, es will die ganze Welt umarmen. Jesus, ein Weltbürger, ein Kind für die ganze Welt, für alle Menschen.

Die Lieder, die davon singen halten den Glauben an eine radikale Alternative fest. Es sind, wenn man so will, Lieder des Widerstands, der sich nicht damit abfinden wollen, mit der Welt, so wie sie ist. Weihnachten ist das Fest der Sehnsucht nach Frieden.

Wo fängt dieser Friede an? Bei den Menschen guten Willens. Es geht also um einen umfassenden Frieden über Völker und Nationen.

WEIHNACHTEN IST DAS FEST DER GEBURT, DER HOFFNUNG, DER ENTWICKLUNG, DES WIDERSTANDS.

Wir leben in einer Welt der Bedrohung. - Es scheint, als gäbe es nur noch ein Thema: Corona! Dadurch hat das Interesse am Anderen an Bedeutung verloren, zu sehr sind wir mit der unmittelbaren Umgebung beschäftigt: Den Fragen nach Freiheiten und dem Freischein für den Restaurantbesuch. Verstehen sie mich richtig! Ich weiss um die Not, die Einsamkeit und die Existenzängste auch bei uns. Besonders die jungen Leute tun mir leid, auf so vieles müssen sie verzichten. Wir Älteren haben unsere wilden und schönen Jahre der Jugend ja gehabt. Ein Konzertbesuch, ein kulturelles Erlebnis mit Begegnung und Austausch, Beflügelung der Gedanken sind für uns Menschen überlebenswichtig. Was wäre die Welt ohne Kunst und Musik?!

Wie traurig ist es, sich allein zu freuen.

Wie traurig ist es, allein zu hoffen.

Wie traurig, allein zu träumen.

DIE WELT - EIN WELTEN-DORF

Wissen sie, etwas Gutes kann ich Corona abgewinnen: Dass uns bewusst wird, wie eng wir auf unserer Welt zusammenleben – die Grenzen zwischen Ländern und Kontinenten verschwimmen.  Viren kennen unsere Ländergrenzen nicht. Manche Gespräche bringen noch erweiterte Themen auf den Tisch: Was wir erleben sind Schreckensbilder, die unsere Zivilisation in Frage stellen. Unser Leben ist bis in die alltäglichsten Verrichtungen nicht nur abhängig von Corona sondern von anderen unsichtbaren Gefahren, vom Klimawandel, daraus folgend Fluchtbewegungen, die gemäss der UNO in den nächsten Jahren zunehmen werden. Für die werdenden Eltern war damals kein Platz in der Herberge. Sind wir gewappnet, zusätzliche Gäste aufzunehmen? Wir können nicht alle aufnehmen – aber nehmen wir alle auf, die wir aufnehmen können?

An Weihnachten feiern wir das Leben.

Weihnachten gibt uns die Würde des Menschseins zurück.

Gott wurde in Jesus Mensch, um uns zu zeigen, wie wichtig ihm jeder Mensch ist,

egal welche Hautfarbe, Religion oder Nationalität er oder sie hat.

Jeder und jede soll ein Leben in Fülle leben dürfen.

EIN FEST DER HOFFNUNG

Henri Nouwen, ein Autor spiritueller Bücher, schreibt, was das Weihnachtsfest für ihn bedeutet: „Auf eine unerklärliche Weise wurde mir deutlich, dass Lieder, Musik, gute Gefühle, festliche Gottesdienste, schöne Geschenke, Festtafeln und liebe Worte noch kein Weihnachtsfest sind. Weihnachten heißt Ja sagen zu etwas, das jenseits aller Gemütsregungen und Stimmungen liegt. Weihnachten heißt Ja sagen zu einer Hoffnung, zu der Gott den Anstoß gegeben hat und die unabhängig ist von allem, was ich denke oder fühle. Weihnachten heißt glauben,

dass die Erlösung der Welt Gottes und nicht mein Werk ist.

(Henri J. M. Nouwen, Nachts bricht der Tag an.
Tagebuch eines geistlichen Lebens, Freiburg i. Br., 1999).

 Unsere Welt ist nicht heil, aber in eben diese unheile und dunkle Welt

ist ein Kind geboren, das man Sohn des Höchsten nennt. Wir dürfen es anschauen, wie es in unserer Krippe liegt und wir können z.B. mit den Worten von Henry Nouwen zu ihm beten:

„Gott‚ ich danke dir, dass Du trotz meines Unvermögens,

trotz meiner Niedergeschlagenheit zu mir kommst.

Deine Liebe ist größer als meine Angst.

Deine Wärme ist stärker als die Kälte, die mich umgibt.“

(Henri J. M. Nouwen, a.a.O.)

 Ich bin überzeugt: So gefeierte Weihnachtstage, bringen uns dem eigentlichen Geheimnis dieses menschenfreundlichen Gottes wieder näher, dieser Höheren Macht, die sich uns liebevoll zuwendet, die uns Licht und Wärme schenkt

mitten hinein in die von uns z. Zt. erlebte Gefühlskälte und Dunkelheit,

diesem Gott, der einfach bei uns und mit uns sein will. - Wohlgemerkt bei den Guten und bei den Bösen, bei den Opfern und bei den Tätern, bei den Flüchtlingen und bei denen, vor denen sie fliehen!-

EIN FEST DER KONTRASTE

Liebe Festgemeinde, Sie merken, Weihnachten ist ein Fest der Kontraste und Spannungen. Diese Spannungen und Widersprüche gilt es auszuhalten!

 Und dies gelingt uns umso mehr, je besser wir uns auf das Wesentliche der Weihnachtsbotschaft besinnen. Es geht um die Frohe Botschaft, dass den Menschen, die im Dunkeln leben, neue Hoffnung geschenkt wird!

Und es geht darum –und das ist fast noch wichtiger - dass wir daran glauben, dass Gott selbst sich zu uns und allen Menschen herabbeugt und uns seine Liebe und Wärme und damit neue Perspektiven in unserem oft gebrochenen Leben schenkt.

 Friede, der kommt durch die Menschen guten Willens. Friede bleibt letztlich unverfügbar. Wenn eine Partie den Frieden nicht will oder kann, läuft der andere ins Leere.  Dem umfassenden Frieden, den wir zu Anfang ausgemalt haben, wohnt ein Zauber inne, gegeben und geschenkt zugleich, Gnade und Anstrengung. Deshalb schliesse ich mit den Worten des Kirchenvaters Augustinus: Bete, als hinge alles von Gott ab. handle, als hinge alles von dir ab.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest uns allen

Der Browser, den Sie benutzen, ist stark veraltet. Er besitzt bekannte Sicherheitsschwachstellen und bietet nur begrenzten Komfort. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser hier.