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Schaufenster

Nachlese

11. November 2021 Von: Gudrun Dötsch

Ansprache zu Mk 12, 38-44 (32.Sonntag im Jahreskreis B) Mausarm und doch innerlich reich:

 

Der Lesungstext mit der mausarmen Witwe aus Sarepta
und der Witwe im Evangelium, die nahezu ihr letztes Hemd hergibt und nicht aus Überfluss abgibt  rühren uns an mit der Frage: Und- wie steht es um deine Wohltätigkeit und Spendenbereitschaft?
Allein die Frage weckt ein Gefühl von einer bangen Scham, komme ich meinen Verpflichtungen gegenüber dem Rest der Welt überhaupt nach? Was ist meine Pflicht? Und was ist Wohltätigkeit?

Geben ist seliger als Nehmen:
Das Schwierige an Wohltätigkeit ist die Machtbeziehung. Gefüllte Hände geben dem Nehmenden. Wer gibt, hat die Macht, der Nehmende muss Danke sagen und steht in der Pflicht, sich dankbar zu erweisen. Bedeutet das, dass wir anonym bleiben müssen, wenn wir etwas geben, damit wir den Empfänger nicht beschämen oder er sich zu Dank verpflichtet fühlen muss? Also einfach einen Scheck ausstellen und Geld überweisen? Wenn aber Wohltätigkeit ein Ausdruck christlicher Nächstenliebe ist, ist dann meine Hilfe nicht auch Teil einer persönlichen Beziehung und nicht eine Demonstration von Macht- oder Überlegenheit? Ein ausgestellter Check oder ein Geldschein in die Hand gedrückt -ohne persönliche Beziehung- verletzt möglicherweise die Ehre und den Stolz des Empfangenden.

Geben macht glücklich:
Warum spenden wir? Damit wir uns gut fühlen. Tatsächlich fühlen Menschen, die spenden sich reicher als vorher. Wir haben ja immer noch genug und es geht uns gut-, das zu erkennen gibt ein gutes Gefühl!

Bischof Hermann Josef Spital, der uns in der Dorfkirche meines Heimatorts besuchte, schärfte den Gottesdienstbesuchern in seiner Predigt ein 10-tel unseres Einkommens zu spenden – und auch ich habe das verstanden, obwohl ich noch Kind war-. Ich rechnete aus, was das für mein Taschengeld bedeutete…

Beim Apero später fragte dann jemand den Bischof: „Und was ist, wenn einer Schulden hat? Ist es dann die Pflicht, sich noch mehr zu verschulden?“ Der Bischof antwortete:  Dann müsse er seine Prioritäten neu setzen. Oder anders gesagt: Ist die Tatsache, dass man nichts übrighat, ein guter Grund, nicht zu spenden? Oder sollte man immer etwas zusammenkratzen, egal wie blank man ist?

Heilige als Vorbilder:
Ich dachte an den Heiligen Martin, der seinen Mantel teilte. Das war ja keine halbe Sache! Im Gegenteil, es war beiden gedient und beide hatten es mit einem halben Mantel warm. (Manche seiner Soldatenkollegen werden ihn wohl ausgelacht haben, als er mit seinem Fetzen zurückkam. Manch anderer hingegen wird sich selbst gefragt haben: Hätte ich das auch so gemacht wie Martin? Wäre ich auch bereit, so zu handeln.)

Es muss nicht unbedingt Geld sein:
Die Witwen in den Bibeltexten von heute geben ebenfalls nicht aus einem Überfluss, sondern beide sind offenbar bitterarm. Von beiden Frauen ist kein Name überliefert, trotzdem sind sie unvergessen und ihre wird Geschichte bis heute immer wieder erzählt. D.h. für mich, wenn ich den Text lese: Ich probiere, wie es ist, wenn ich meinen Namen einsetze und mich frage:  Was und wieviel bin ICH bereit zu teilen? Es kann ja auch sein, dass es nicht allein um Geld und um Dinge geht. Ich kann ja auch Platz teilen, z.B. wenn ich ein Zimmer oder eine Wohnung frei habe, oder Platz anbieten, wo man sich treffen kann….

Wertvoll ist auch Zeit, die ich verschenken kann: Ich helfe Kindern bei den Hausaufgaben oder unterstütze fremdsprachige Mitmenschen beim Deutschlernen,  ich lade ein, zum Basteln, zum Spielen…,  oder ich stelle mich mit meinem Auto zur Verfügung begleite jemanden ins Spital, zum Arzt, beim Einkauf oder zur Behörde…Vielleicht ziehe ich es vor, tatkräftig zu helfen, statt Geld zu spenden?

Wohlergehen für mich und für dich:
Das alles sind ehrliche Anfragen die mir aus dem Evangelium entgegenkommen. Die Texte sind kein moralischer Peitschenhieb. Im Gegenteil: Die Bibeltexte sind ein Ausblick und die Zumutung für ein schönes und menschenwürdiges Leben für ALLE.

Zum Schluss noch eine offene Frage zum Weiterdenken:

Wer ist am moralischsten:

a)     derjenige, der Geld für die Zukunft zurücklegt, um anderen nie zur Last zu fallen;

b)    derjenige, der die Läden und Geschäfte vor Ort aktiv unterstützt, und bereit ist einen höheren Preis für inländische Produkte zu zahlen,

der sich in Vereinen, einer Gruppe und der Pfarrei engagiert und mithilft und auch auf Betteltour für die nächste Tombola geht;

c)     derjenige, der sein Geld den bedürftigsten Menschen in den Entwicklungsländern gibt?

 

 

 

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