• Franziskaner 1
  • Franziskaner 2
  • NEU-maria-banner_02
  • Franziskaner 4
  • Franziskaner 5
  • NEU-maria-banner_06
Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Pfarreien & Standorte  /  Pfarreien  /  St. Maria zu Franziskanern  /  Schaufenster

Schaufenster

Nachlese

19. Januar 2022 Von: Gudrun Dötsch

2.Sonntag Lesejahr Hochzeit zu Kana

 Feste können sterben

Weihnachten ist verklungen, die Dekorationen sind wieder verstaut. Das heutige Evangelium erhebt Einspruch gegen diesen allzu raschen Übergang zur Tagesordnung: Verlasst nicht zu rasch den Festsaal des Glaubens! Bewahrt euch bitte ein wenig den nachweihnachtlichen Glanz, auch wenn die Krippen grösstenteils schon abgebaut sind und das Christkind zum Mann geworden ist. Kaum zu glauben: Das Geschenkfest geht weiter, die schöne Bescherung hört nie auf, die Brunnen des Himmels fließen. Heute sagt Jesus nicht: Ich bin das Brot des Lebens für den Alltag, sondern: Ich bin der Wein – für das Fest. Ich bin zu euch wie köstlich funkelnder Wein. Beim Hochzeitsfest geht der Wein aus. Damit droht das Fest zu scheitern. Wie viele Hochzeiten wurden 2020 und 2021 verschoben, wie viele Familienfeste und Geburtstage abgesagt? Und dazu kommt: Manche Ereignisse kann man nicht einfach nachfeiern.

 Ja, Feste können sterben. An einem solchen prekären Fest war Jesus dabei, im Hintergrund. Damals in einem unbedeutenden Dorf nahe Nazareth war er ein Gast unter vielen: Unaufdringlich, sich nicht in den Vordergrund stellend; und er wird Augenzeuge einer großen Peinlichkeit. Auf einmal gibt es Versorgungsengpässe. Der Wein geht aus. Die Gastgeber haben schlecht kalkuliert oder nicht mit der Trinkfreudigkeit ihrer Gäste gerechnet. Jesu Mutter erkennt den Mangel, ahnt die Schande für die Brautleute. Sie richtet sich an ihren Sohn: Tu was! Zunächst windet sich Jesus. Doch dann lässt er Reinigungskrüge mit Wasser füllen und es geschieht. Eine Festgesellschaft schöpft köstlichen Wein aus dunklen Tongefäßen. Wie das passieren konnte, die unerklärliche Verwandlung von Reinigungswasser in einen edlen Tropfen im Dunkel der großen Steinkrüge, das bleibt für die Hochzeitsgesellschaft verborgen. Nur die Jünger und Maria realisieren das Geheimnis des wahren Gast-Gebers. Für alle anderen bleibt der Urheber des Zeichens verborgen und das Wunder bekommt niemand mit. Alle profitieren von dieser schönen Wendung, der Rettung eines fast verstorbenen Festes, dem Übermaß dieser Weinmenge, dem Zuviel des Guten, ein Wein, so überreich und übervoll, dass es auch bis heute für dich und für mich reicht.

 Zuviel des Guten?

Wenn wir die Kraft zu Wundern hätten, womit würden wir anfangen? Wenn ich an die Lesung denke, dann kommt auch die Frage: Bringe ich meine Gaben, mit denen Gott mich ausgestattet hat genügend zum Ausdruck? Bin ich mir bewusst, wo meine Stärken liegen, welche Wunder ich bewirken kann: In Weisheit handeln, Wissen vermitteln, Krankheiten heilen, Machttaten wirken, prophetisches d.h. weitsichtiges Reden, die Gabe, zu vermitteln usw. Die Reihe ist ja nur eine Auswahl.  Oder wenn wir einen Wunsch an Jesus freihätten, was würden wir von ihm erbitten? Soviel Lebensnot, so viele Krankheiten, ein solches schreiendes Elend ist in der Welt… Vielleicht fragen wir ihn auch: Jesus, warum betätigt du dich ausgerechnet hier als Problemlöser, als Mängelbeseitiger und Überschuss-Geber? Gäbe es nicht Dringenderes zu tun? Warum verschwendest Du die Gottesenergie an eine Weinspende?

Das Weinwunder in Kana zeigt, wer Jesus für uns ist. Er wird nicht nur an den existentiellen Grenzen angerufen, sondern bei irgendeiner Landhochzeit. Denn auch wir sind Eingeladene bei einer Hochzeit, auch wir spüren: Wir haben einen nötig, der die Freude rettet! Jesus rettet hier kein Leben, er rettet die verfahrene Situation. „In der „Verwandlung des Nutzlosen in das Kostbare“ (H.U. von Balthasar) geschieht das Wunder seiner fast unmerklichen Gegenwart. Gottes Handeln ist mehr als nur das Beseitigen von Mängeln. Er will uns vor allem durch seinen Sohn den Überfluss an Gnade und Freude zukommen lassen. Gott handelt auch hier ganz unaufdringlich und im Kleinen und Verborgenen – wie er sich an Weihnachten im hilfsbedürftigen Kind zeigt.

 Weinprobe und Lust auf mehr

Wenn der Wein zu fließen beginnt, dann ist hohe Zeit. In dieser Hoch-Zeit stehen wir alle vor dem großzügigen Gott, der alle Jahre wieder auf unseren Weinbergen das Weinwunder der Verwandlung von Regenwasser in Rebensaft bewirkt. Eine regelmässige Erscheinung, Jahr für Jahr Diese Wunder der Natur sind uns so alltäglich, kaum noch staunen wir über sie.

Jetzt mögen ja nicht alle Wein. Lassen sie uns deshalb über Kaffee reden:

Am 17. Januar 1685 erhält der Armenier Johannes Diodato als Erster ein kaiserliches Privileg für den öffentlichen Ausschank von Kaffee. Damit kann er das erste Wiener Kaffeehaus eröffnen. Das neue Getränk fand bei der Wiener Bevölkerung großen Anklang, sodass die Zahl der Kaffeehäuser rapide anstieg. Um 1900 gab es 600 Kaffeehäuser in der Donaumetropole. Seit 2011 gehört die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Zu dieser Kultur gehört, dass man einen Kaffee bestellen und dann stundenlang an seinem Tisch sitzen konnte, die vorhandenen Zeitungen lesen, als Schriftsteller dort arbeiteten. Es war ein Ort des Gedankenaustausches.

Man kann solche Orte nicht hoch genug wertschätzen. Frei von wirtschaftlicher Verwertungslogik. Frei von Leistungszwang. Frei von Zielen, die man erreichen, und Dingen, die man haben muss. Frei, um einfach nur da zu sein. Den Alltag unterbrechen, nicht mehr funktionieren müssen. Genießen.

Jesus zog sich mit seinen Jüngern und Jüngerinnen immer wieder an solche Orte zurück. Orte, um ungezwungen für sich, mit Gott und miteinander zu sein. Jesus wusste: Das Reich Gottes wird nicht kommen, wenn wir immer nur im Hamsterrad sind. Stefan Zweig schrieb in seinen Memoiren, dass das Wiener Kaffeehaus „eine Institution besonderer Art darstellt, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist.“ Man könnte auch sagen: Es ist ein Symbol für einen Ort, den man getrost als Reich Gottes bezeichnen kann.“

Gönnen wir uns immer wieder den Besuch solcher Orte. Und Schaffen wir – gerade in diesen Zeiten – immer wieder solche Orte und Zeiten, so wie jetzt z.B. hier in der Kirche. In ihnen kosten wir bereits einen Vorgeschmack auf mehr und ahnen das Grosszügige, was Gottes Stil ist. Ich schliesse mit einem Stossgebet: Gott bringe das Fass der Gnade zum Überlaufen und verwandle manches Abgestandene in mir mit deinem Segen.

 

Der Browser, den Sie benutzen, ist stark veraltet. Er besitzt bekannte Sicherheitsschwachstellen und bietet nur begrenzten Komfort. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser hier.