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Nachlese Ein Lazarus-Erlebnis

11. November 2021 Von: Gudrun Dötsch

Thomas Hürlimann, Schweizer Schriftsteller hat in seinem Buch „der grosse Kater“ das Sterben seines krebskranken Bruders verarbeitet.

Vor einigen Jahren musste er selbst sich mit einer Krebsdiagnose auseinandersetzen und hatte –so sagt er selbst- ein „Lazarus-Erlebnis“ und erzählt „die Kurze Story (s)meiner Auferstehung“:. 

„Als ich auf der Intensivstation erwachte, bin ich furchtbar erschrocken. Ich war sehr viel dicker als am frühen Morgen, da sie mich in den Operationssaal geschoben hatten, so dick, dass ich nicht über den Horizont meiner Wampe sah. Wie mochten meine Füsse aussehen? Hing vielleicht ein Zettel an meinem grossen Zeh? Ich lag, umstellt von Apparaten, in einem weissen Zelt….Hatten sie mich mit Gas oder Luft vollgepumpt? Das Herz, als fürchtete es weitere Angriffe, hämmerte, raste, toste, und so wurde ich von flatternden Weisskitteln in die nächste Intensivstation gekarrt…Was für ein Trip, was für ein Flug! Ich landete auf dem Untersuchungstisch, hörte das Schrillen von Alarmglocken, sah Lampen aufblinken und Bildschirme flackern, der Raum wurde gross und immer grösser, ich schwebte hoch und immer höher, und nahm mit Erstaunen wahr, wie in der Tiefe unter mir, eine Schar von Ärzten einen Notfall behandelte. Ein Gesicht beugte sich über mich: „Wir haben sie unmittelbar vor einem Herzinfarkt abgefangen. Lüscher mein Name. Möchten sie einen Espresso?“ 

Als ich zwei Wochen später mit meinem Köfferchen vor das Uni-Spital trat, koste mich eine lieblich frische Luft. Freu dich, sagte ich mir, sie haben dir das Leben gerettet. Aber so richtig wollte sich das Glücksgefühl nicht einstellen – ein Teil von mir war irgendwo im inneren des Spitals verloren gegangen. „Der Tod ist überlebbar“ erläutert der Herzspezialist Prof. Lüscher bei einer späteren Routine-Kontrolle und erläutert den medizinischen Fortschritt. Thomas Hürlimann denkt weiter: „Ich bin kein Freund des Fortschritts. Dass die moderne Welt schöner sei halte ich für eine läppische Lüge. Aber natürlich habe ich in dem Moment, da ich mit dem Krebsbefund konfrontiert worden war, alle Skepsis fahren lassen und mich der Hochtechnologiemedizin anvertraut. Oh ja, es war mir nur recht, dass es eine Operationsmethode gab…Gut, so dachte ich. Helft mir. Rettet mich. Und dann musste ich doch merken, dass ich für längere Zeit im Inneren der Kapsel blieb, sinnlos durchs finstere All kreisend, unfähig zu einer Rückkehr ins alte Leben. Inzwischen meine ich zu wissen warum. Alles hat seine Zeit, auch der Mensch und sein Körper – und nicht ungestraft greift man über sein Verfallsdatum hinaus. 

Wir leben in einer Zeit, in der die Frage eines Lebens nach dem Tode nicht mehr eine Frage der Theologen, sondern der Medizin wird.“ 

Den Tod zum Freund 

Wolfgang Amadeus Mozart - Als Komponist ist er vielen bekannt und vielleicht auch als fleißiger Briefeschreiber. Er hat viele Briefe geschrieben, an Freunde, Bekannte und die Familie. Die meisten gingen an seinen Vater Leopold. „Der wahre Endzweck unseres Lebens ist der Tod.“ Heißt es in einem dieser Briefe. „Und deshalb“, so schreibt Mozart weiter, „habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freund des Menschen bekannt gemacht.“ Diese Sätze stammen aus Mozarts letztem Brief an seinen Vater. Der Vater ist schwer krank. Mozart weiß nicht, ob er ihn noch einmal wiedersieht.  

Ich finde es erstaunlich, dass er in dieser Situation vom Tod als dem besten Freund des Menschen spricht. Nicht nur heute haben viele Menschen Angst vor dem Tod. Diese Angst findet sich quer durch die Geschichte in allen Epochen. Auch zur Zeit Mozarts. Aber er freundet sich mit dem Tod an: „Ich lege mich nie zu Bette ohne zu bedenken, dass ich vielleicht den andern Tag nicht mehr sein werde“, schreibt er. 

Mozart rechnet also mit dem Tod. Jeden Tag. Das macht ihn nicht mürrisch oder traurig, sondern er begreift, dass der Tod eben zum Leben dazugehört. Und dieser Tod hat viele Namen: Abschied von Menschen; eine Krankheit, die mich völlig aus der Bahn wirft; älter werden und feststellen, dass im Leben nicht mehr alles möglich ist; an einer Aufgabe scheitern und etwas nicht so hinbekommen, wie ich es mir gewünscht habe. In diesen Situationen macht sich der Tod in kleinen Portionen schon heute im Leben breit. Und dennoch: ein Leben ohne Tod klingt zwar verlockend, aber unsere Lebenszeit wird erst durch den Tod wertvoll und kostbar. Ohne ihn wäre vieles im Leben beliebig.  Als Christin glaube ich außerdem, dass der Tod nicht das Letzte ist. Es gibt ein Leben nach dem Tod. Keine Wiedergeburt in einer Endlosschleife, sondern ein Leben bei Gott. Und ich glaube, dass jeder Moment, in dem wir glücklich sind, ein Vorgeschmack ist auf das, was uns Menschen nach dem Tod erwartet. Jede Zuwendung eines anderen Menschen, jede Zärtlichkeit und jeder frohe und zufriedene Moment, vermitteln mir eine Idee, wie dieses ewige Leben sein wird. In Mozarts Brief lese ich genau das. Er hat sich den Tod zum Freund gemacht. Und so kann er auch sagen, dass der Tod nichts Erschreckendes mehr für ihn hat, „sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes!“ 

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