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Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Pfarreien & Standorte  /  St. Karl  /  Schaufenster

Schaufenster

Das Zmittag steht im Treppenhaus

22. Juni 2020 Von: Isabelle Bally

Als Quartierarbeiterin ist die direkte Begegnung mit Menschen im Quartier meine primäre Aufgabe und Freude. Ich organisiere zusammen mit den Freiwilligen den Mittagstisch, Veranstaltungen usw., vernetze mich mit Fachleuten aus anderen Organisationen und bin für Pfarreimitglieder und Quartierbewohner da. All dies fiel während des Lockdowns weg. Das war für mich schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Aber wir alle wurden kreativ. Die offene Kirche wurde liebevoll österlich dekoriert. Die geschmückten Osterkerzen brachten wir den Gläubigen auf Wunsch nach Hause. Wir telefonierten allen über 70jährigen, den Gästen des Mittagstisches oder den Leuten vom Besuchsdienst, hörten zu und informierten sie über Hilfsangebote.

Diese Aufgaben erfüllten mich. Die Angerufenen und Besuchten freuten sich und erzählten, wie sie diese schwierige Zeit erlebt haben. Sie mussten die spezielle Situation akzeptieren. Bewundernswert richteten sie sich ein. Sie entdeckten, dass sie Zeit für sich gewannen. Sie probierten neue Rezepte aus, putzten täglich ein Schränkli, lasen und genossen Balkon oder Garten. Eine Frau, über 80 Jahre erzählte, dass ihr Tag ausgefüllt sei. Die beiden Nachbarn kauften für sie ein und sie kochte das Mittagessen für alle drei Parteien. Die Mahlzeiten stellte sie ins Treppenhaus und klingelte mit einer Glocke. Dann wussten die Nachbarn, dass sie ihr Essen holen können.

Für andere war die Situation schwierig. Eine fast erblindete Frau, 96 Jahre alt, litt sehr an der Einsamkeit und wollte sterben. Nach der Lockerung, als Besuche der Freiwilligen wieder möglich waren war sie so geschwächt, dass sie auf dem ersten Spaziergang in Ohnmacht viel. Wir Menschen brauchen Zuwendung und persönlichen Kontakt.

Durch die Vermittlung von Zeitgut/Vicino kaufte ich für ein Ehepaar ein. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Einkaufslisten von verschiedenen Haushalten sind. Wir lernten uns über ihr Küchenfenster kennen und tauschten uns in diesen paar Minuten aus. Ich konnte das Paar zu einem täglichen Spaziergang ermuntern, was sie mir per Mail verdankten mit einem Foto von einem leeren Waldweg oder einem Herz aus Tannenzapfen.

Diese besondere Zeit möchte ich nicht missen, ich lernte mich zu entschleunigen und Kontakte anders zu knüpfen und zu geniessen. Jetzt freue ich mich wieder auf Begegnungen und wieder mit dem Velo zur Arbeit zu fahren.

Nächstes Jahr werden viele Anlässe nachgeholt. Vielleicht sehne ich mich dann nach der entschleunigten Zeit zurück?

Isabelle Bally, Quartierarbeit Pfarrei St. Karl

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