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Schaufenster

Aufstehen, mitten am Tag

17. April 2020 Von: Simone Marchon

"... als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!"

die biblischen Texte finde Sie auch hier

Gedanken zum 2. Sonntag der Osterzeit

Auferstehung

Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf

Mitten am Tage

Mit unserem lebendigen Haar

Mit unserer atmenden Haut.

(...)

Marie Luise Kaschnitz

Mitten im Alltag, mitten aus Verzweiflung, Trauer, Angst oder Hoffnungslosigkeit unerwartet wieder "aufzustehen", und mich aufgehoben zu fühlen in einer grösseren Ordnung. Dieses Aufstehen, mich aufrichten, sind wichtige Erfahrungen, die eigentlich zum Alltag dazugehören sollten. Und trotzdem weiss und erfahre ich, dass dies nicht immer so einfach ist.

Nur: Was hat diese Erfahrung von Aufstehen im Alltag, mit dem christlichen Reden von Auferstehung, mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu zu tun?

Ich habe mir den Evangeliums-Text genauer angeschaut und bin darauf gestossen, dass im Alt-Griechischen und also im Neuen Testament für die beiden Wörter aufstehen und auferstehen nur ein Wort gibt. "Ob jemand vom Stuhl aufsteht oder aus dem Tod – der Vorgang wird mit demselben Wort beschrieben: anhistemi. …

Auferstehen und aufstehen – das Neue Testament benutzt dafür dasselbe Wort. Alltag und Gotteshandeln gehören zusammen.

Biblische Texte trennen nicht zwischen diesen Bereichen. Sie sind voller Geschichten von Menschen, die aufstehen gegen die Todesmächte, in ein neues Leben aufbrechen, die Heilung erfahren und aufstehen, nachdem sie viele Jahre verkrümmt waren, körperlich und seelisch. "

In der Evolution des Menschen, war die Entwicklung zum aufrechten Gang hin, bahnbrechend. Dadurch konnte sich das Gehirn entscheidend vergrössern. Somit veränderten sich die kulturellen und sozialen Möglichkeiten. Aufzustehen, sich aufrichten liegt also in der Natur des Menschen, die sich schon vor 2-5 Millionen Jahren entwickelt hat.

Wenn ich einem Kleinkind zuschaue, das es geschafft hat, aufzustehen, sich hochzuziehen, dann wird mir bewusst, wie wichtig dieser Perspektivenwechsel für die persönliche Entwicklung des Kindes ist. Und was mich immer wieder erstaunt hat, dass der Drang unglaublich gross ist, sich hochzuziehen. Ab ungefähr acht Monaten - versucht sich ein Kleinkind selbst hochziehen und auf zwei Füßen zu stehen. Von da an ist es vor allem eine Frage des Vertrauens und der Balance: Auf eigenen Beinen zu stehen. Endlich aufzustehen.

Die Begegnung von Jesus mit der Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jüngern im Johannesevangelium, erinnert mich an die Szene an Pfingsten.

Sie befinden sich in einer schwierigen auswegslosen Situation. Und dann geschieht diese Begegnung mit dem Auferstandenen… Wahnsinn... Jesus da? mitten im Tag.

Nur Thomas zweifelt… er war ja nicht dabei. In dieser Zeit der Unsicherheit, der Angst und des Verfolgtwerdens, selber Schwankens… Nichtwissens. Wem soll er da trauen.

Ist die Erfahrung eines gerechten und lebenspendenden Gottes wirklich stärker als die Erfahrung des Scheiterns, des Unrechts und des Todes, die Thomas gerade erlebt hat.

 Findet Thomas die Balance und das Vertrauen, um weiterzugehen…

Unser Leben ist geprägt von Werden und Vergehen, vom ständigen Wandel. Jeder Atemzug ist ein Kreislauf zwischen Fülle und Leere. Jeder Tag führt vom Dunkel ins Licht ins Dunkel. Jedes Menschenleben beginnt im Unbekannten, kommt hilflos auf die Welt, endet im Angewiesensein und verschwindet ins Unbekannte.

Unser Leben ist geprägt vom Wandel, auch im Tod geschieht eine Verwandlung.

"Es ist die Veränderung, die sich in unserem Leben vollzieht, auf die es bei der Auferstehung Jesu ankommt", meint die deutsche Theologin Luise Schottroff, so wie die Auferstehung Jesu damals bei den Jüngerinnen und Jüngern Jesu Auferstehungsprozesse in Gang gesetzt hat.

Denn die Jüngerinnen und Jünger, die voller Angst geflüchtet sind und deren Hoffnung tot war, wurden zum Leben erweckt und mit der Aufgabe betraut, die Arbeit am Reich Gottes weiterzuführen.

So sollen auch wir heute Auferstehungsmomente in unserem Leben wahrnehmen und wie Thomas, zweifeln, balancieren und vertrauen.

Zum Aufstehen und weitergehen.

Simone Marchon

 

Auferstehung

Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf

Mitten am Tage

Mit unserem lebendigen Haar

Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns

Keine Fata Morgana von Palmen

Mit weidenden Löwen

Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken

Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht

Und dennoch unverwundbar

Geordnet in geheimnisvolle Ordnung

Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Marie Luise Kaschnitz

 

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