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Schaufenster

„Ein Teil der Saat wird aufgehen!“

22. April 2020 Von: Urban Schwegler

Cornel Baumgartner arbeitete 34 Jahre lang in der katholischen Kirche Stadt Luzern. Ende April wird er als Gemeindeleiter von St. Maria zu Franziskanern in der Au pensioniert. Hier ein Interview mit ihm.

Sie gehen Ende April in die ordentliche Pension. Dies in einer ausserordentlichen Zeit. In Ihrem Berufsleben gab es das nie, dass nicht einmal Gottesdienste stattfinden konnten. Wie haben Sie die letzten Wochen persönlich erlebt?

Cornel Baumgartner: Mir wurde bewusst, wie wichtig die Gemeinschaft ist, auch beim Feiern des Gottesdienstes. Ich war öfters in der leeren Kirche – auch schön, aber anders, es fehlten mir die Menschen. Persönlich fühlte ich mich zurückgeworfen auf mich selbst mit Fragen: Was ist mir wichtig im Leben? Was macht Sinn? Was benötige ich, was kann ich loslassen?

Welche Auswirkungen hatten die Einschränkungen durch das Coronavirus auf Ihre Arbeit in der Pfarrei?

Ich war vermehrt zu Hause, habe jedoch auch Telefon- und Türdienst im Pfarreihaus übernommen  und ich habe versucht, per Mail mit dem Team in Kontakt zu bleiben. Die physische Präsenz von Team- und Pfarreimitgliedern habe ich sehr vermisst.

Welche besonderen Aufgaben hat die Kirche in einer solchen Situation?

Die Kirchen müssen da sein für die Menschen, ganz nach dem Motto des Verfassers des ersten Petrusbriefes: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3, 15). Interessant, dass Petrus voraussetzt, dass Christinnen und Christen eine Hoffnung haben und dass von dieser Hoffnung etwas spürbar ist.

Schauen wir zurück auf den Beginn Ihres Berufslebens. Was hat Sie als junger Mann bewogen, in der Kirche zu arbeiten?

Rituale in der Kirche haben mich schon als Kind fasziniert, als Jugendlicher oftmals nicht unkritisch. Zudem war ich mit Begeisterung Ministrant, Aushilfssakristan und Jungwächtler. Und dann geht es eben auch um meine Hoffnung und die Frage, was mich im Glauben trägt. Ich bin überzeugt, dass ich auch von Gott erwünscht bin und dass er mir das Leben gönnt. Meine Freude und Angst, mein Erfolg und Misserfolg sind in Gott gut aufgehoben.

Sie kamen 1986 als Religionslehrer und Pastoralassistent (heute Pfarreiseelsorger) in die Pfarrei St. Michael. Seither hat sich die Kirche stark verändert. Welches sind in Ihren Augen die grössten Veränderungen im Vergleich zu damals?

Die katholische Kirche ist keine Volkskirche mehr. Unsere Gesellschaft und unsere Lebens-gewohnheiten haben sich verändert. Säkularisierung und Individualisierung sind Stichworte für diese Entwicklung. Der Mitgliederschwund wird wohl zunehmen. Doch das sehe ich auch als Chance: Die Botschaft des Evangeliums richtet sich an diese veränderte Gesellschaft, in der wir leben. Auch die Kirche verändert sich ständig, muss sich erneuern und immer wieder neu am Evangelium orientieren. Die Kirchen haben dann eine Chance, wenn sie nahe bei den Menschen sein wollen und wenn sie glaubwürdig sind.

War es damals eine bessere Zeit? Trauern Sie der Kirche von damals manchmal nach?

Nein, keineswegs. Denn so völlig anders kann es auch zu der Zeit Jesu nicht gewesen sein. Die Gleichniserzählung vom Sämann mit der vergeblichen Aussaat (Mk 4, 1-9), die Jesus erzählt, spricht eine deutliche Sprache. Doch Jesus sagt: Verzweifelt nicht, gebt nicht auf! Ein Teil der Saat wird aufgehen!

Sie haben die Entwicklung der katholischen Kirche in der Stadt Luzern aus nächster Nähe miterlebt und mitgestaltet. Was muss die Kirche in der Stadt tun, um für die Menschen weiterhin attraktiv zu bleiben?

Ein Teil der Saat wird aufgehen! Das zu wissen, ist wichtig für jene, die beauftragt sind, die Saat auszubringen. Entscheidend ist nicht, wie viel sie am Schluss ernten dürfen, sondern wie sie Menschen in ihrem Suchen, in ihrer Sehnsucht ernst nehmen. Wenn frühere Generationen die Frage nach dem Sinn des Lebens stellten, so fragen junge Menschen heute eher direkter: Was bringt mir das, was ich tue? Was macht mich glücklich?

Um diese Fragen aufzugreifen, muss das Umfeld stimmen, muss freundlich und einladend sein. In diesem Zusammenhang ist mir ein anderes Wort wichtig, das dem aus dem ersten Petrusbrief ähnlich ist: „Rede nur, wenn du gefragt wirst. Aber lebe so, dass du gefragt wirst.“

Nach der Zeit in St. Michael kamen Sie in die Franziskanerpfarrei, die Sie in den letzten neun Jahren geleitet haben. War der Wechsel von einer Quartier- in eine Zentrumspfarrei für Sie eine grosse Umstellung?

Ich bin dankbar, dass ich beides kennenlernen durfte, eine Quartierpfarrei und eine Pfarrei im Zentrum. Im Quartier St. Michael sind die Altersschichten ausgewogener, es gibt mehr Vereine und der Zusammenhalt untereinander ist gross. Die Franziskanerpfarrei im Zentrum strahlt aus in die Stadt und Region und steht auf zwei Standbeinen, die örtlich voneinander getrennt sind, die Franziskanerkirche und das Barfüesser-Zentrum. Beides Orte, die für viele Menschen zur Heimat geworden sind.

Zu den Kirchenbesucherinnen und -besuchern von St. Maria zählen viele Menschen aus anderen Quartieren und von ausserhalb der Stadt. Welche besonderen Herausforderungen brachte das für Sie als Seelsorger und Pfarreileiter mit sich?

Es gibt einerseits ein relativ grosses, liturgisches Angebot in der Kirche und andererseits ein offenes, einladendes „Gästehaus“ im Barfüesser mit eigenen, gemeinnützigen Angeboten.

Die Balance zu finden zwischen Angebot und Räume zur Verfügung stellen ist nicht immer einfach.

Die Pfarrei St. Maria zu Franziskanern ist bekannt für sorgfältig gestaltete Liturgien mit gepflegter Kirchenmusik. Welchen Stellenwert hat für Sie die Musik im Gottesdienst?

Wo ich mich mit Worten schwer tue oder keine Worte mehr habe, da muss ich die Musik „sprechen“ lassen. Wort und Musik sind Liturgie, müssen aufeinander abgestimmt sein, eins werden. Das Lied, der Gesang, das Instrument kann helfen, Stimmungen und Gefühle zum Ausdruck zu bringen und die Gottesdienstbesucherinnen und -besuche zu berühren.

Werden Sie als „Theologe im Ruhestand“ weiterhin in der Seelsorge tätig sein?

Never say never again! Aber vorerst sicher nicht, und was dann kommt, das weiss ich noch nicht.

Was haben Sie für Pläne für die Zeit nach Ihrem letzten Arbeitstag?

Vorerst möglichst unstrukturiert leben, Zeit haben für grössere Spaziergänge, Wanderungen, Baden, Spiele, Jassen – es wird wahrscheinlich einen Jassclub geben mit ehemaligen Angestellten der katholischen Kirchgemeinde! –, Seniorenuni ...

Wegen der besonderen Lage können Sie nun nicht offiziell verabschiedet werden. Wann wird die Verabschiedung nachgeholt?

Wann, wie, wo und überhaupt, da werden wir wohl oder übel die gegenwärtige Situation abwarten müssen. Ich bin dankbar für die Jahre hier in der Franziskanerpfarrei. Ich bedanke mich beim Pfarreiteam, Pfarreirat und Kirchenrat, bei den Minis, der Pfadi Reuss, den Lektorinnen und Lektoren und Kommunionhelferinnen und -helfern, Opfereinzügern, beim Franziskanerchor und bei den Musizierenden, der KAB, Samichlausgruppe, beim Mittagstisch, bei der Besuchergruppe von Jubilaren, und last but not least beim Pfarreiteam St. Paul und bei der ökumenischen Spurgruppe.

 

Die Fragen stellte Urban Schwegler

 

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