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Schaufenster

Gedanken zum Muttertag

9. Mai 2020 Von: Winfried Bader

Der zweite Sonntag im Mai, das ist heute, ist der Muttertag. So legte es der amerikanische Präsident Wilson im Jahr 1914 fest, um diesen Tag „als öffentlichen Ausdruck für die Liebe und die Dankbarkeit zu feiern, die wir den Müttern unseres Landes entgegenbringen“.

Ganz herzliche gratuliere ich heute alle Mütter, die diesen Tag feiern, auch wenn ich selbst dem Tag sehr kritisch gegenüber stehe.

Dass die Nationalsozialisten, deren Gewaltherrschaft vorgestern vor 75 Jahre endlich zu Ende ging, diesen Tag für ihre rassistische Propaganda missbrauchten, da es um „die Mütter unseres Landes“ ging, ist dabei nur ein erster Punkt. Vielleicht ein guter Punkt, der erschreckend aktuell ist und uns sensibel machen kann: In einer Diskussion hörte ich das Argument, es gäbe zu wenig Kinder. Ich entgegnete, dass bei 8 Milliarden Weltbevölkerung die Kinderknappheit wohl kein Problem sein. Darauf er: Schon, aber die „richtigen“ Frauen müssten Kinder bekommen.

Wenn hier der Muttertag entgegensetzt, dass jede Mutter eine „richtige“ Mutter setzt, dann feiere ich gerne mit.

Die Rolle der Frau?

Kritisch ist für mich auch, dass durch das feiern der Mutter in ihrer Rolle genau diese (traditionelle) Rolle festgeschrieben wird. Sie bekommt heute den Dank, also soll sie durchs Jahr diese Rolle auch ausfüllen. Das ist für mich gegen alle Bestrebungen, die Rollenklischees zu überwinden. Auch Väter sollten einen Chance haben, diese Rolle auszufüllen, im Beruf zu reduzieren, Vaterschaftsurlaub zu nehmen, auch am Werktag auf dem Spielplatz mit den Kindern zu stehen, ohne belächelt zu werden. Immerhin geht es im Evangeliumstext heute um den „Vater“; das scheint also eine Wichtigkeit zu haben.

Also statt „Muttertag“, lieber den „Elterntag“ feiern!

Wenn wir aber beim weiblichen Geschlecht bleiben, für das heutige Gedenken bleiben, dann würde ich gerne statt „Mutter“ die „Frau“ – nicht allgemein feministisch, sondern speziell in ihrer Rolle in der Familie. Da ist die Frau schon lange nicht mehr nur Mutter. Sie zerreisst sich, zwischen bezahltem Beruf ausserhalb des Hauses, unbezahltem Beruf innerhalb des Hauses, unbezahlter Arbeit im sozialen Umfeld. Mutter ist da nur ein kleiner Teil, wenn schon, dann feiern wir alles und bewerten alles als positiv.

Und ein letztes: Sind Frauen, die aus ganz unterschiedlichen und für viele auch sehr schmerzlichen Gründen keine Mütter geworden sind, sondern nur Frauen blieben, weniger wert? Sind die heute ausgeschlossen?

Die biblischen Lesungen

Noch ein Blick in die biblischen Lesungstexte für diesen Sonntag, unter der Brille des heutigen Tags. Es sind gewichtige Texte: Da geht es um die Ausbreitung des Christentums und die Organisation der jungen Gemeinde (Apg 6,1-7), da geht es um den „Eckstein“, also das Entscheidende auf das das Christentum aufbaut (1 Petr 2,4-9). Da geht es um das Vermächtnis von Jesus, bei seinem letzten Zusammensein um seine Worte, die erklären sollen und Hoffnungen machen sollen, wie es auch ohne ihn dann weitergeht (Joh 14,1-12). Und in all diesen wichtigen und auch langen Texten werden nur ein einziges Mal Frauen erwähnt: die bedürftigen Witwen (Apg 6,1).

Immerhin zehn (ja so viele!) Männer werden namentlich erwähnt. Die Entscheidungsträger sind Apostel und Priester also keine Frauen. Gegen den historischen Befund, dass bei den ersten Christinnen selbstverständlich Frauen dabei waren und sich Jüngerinnen nannten, sprechen die biblischen Texte heute im 21. Jahrhundert nur von Jüngern – es geht also nur um Männer!

Menschenrechte auch in der Kirche?

Soll also der Muttertag, wenn wir ihn – so wie auch ich es hier mache – in den kirchlichen Kontext hineintagen und endlich mal Frauen lobend erwähnt werden genau dies kaschieren, dass die biblischen Texte nur von Männern reden?

Ich würde gerne mit Ihnen zusammen aus diesem Tag das Gegenteil machen: Aufmerksam zu machen, dass seit 2000 Jahren Frauen in der Kirche nicht offiziell vorkommen; aufmerksam machen, dass auch im 21. Jahrhundert ausgerechnet in der Kirche, die gerne im Namen ihrer christlichen Ethik Staaten und Menschen ermahnt, die Menschenrechte NICHT gelten, sondern Frauen immer noch strukturell unterdrückt  werden.
In diesem Sinne feiere ich – bei aller Kritik, die ich eingangs hervorbrachte – gerne mit allen Müttern diesen Tag mit!

Wo finde ich die biblischen Lesungen?

Die offiziellen Gebete des heutigen Sonntags und die Lesungen aus der Bibel finden Sie hier.

Gedanken und Auslegungen zu allen drei Lesungtexten des Sonntags finden Sie auch auf derSeite des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks.

 Gedanken

Ich will
dem Weg folgen
auch wenn ich ihn nicht kenne

Ich will
die Wahrheit glauben
auch wenn ich noch Fragen haben.

Ich will
das Leben feiern
auch wenn mich
noch Zweifel befallen

Denn Weg, Wahrheit, Leben
haben für mich einen Namen:
Jehoschua – Gott mit uns!

                 Charis Doepgen OSB

Segen

Gott,
du hast uns gesegnet,
indem du uns Jesus Christus gesandt
und ihn zum Weg zu dir gemacht hast.
Gott,
segne uns jetzt,
indem du unsere Sehnsucht weckst,
diesen Weg zu gehen.
Gott,
segne uns dann,
indem du die Kraft zum Gehen unter deiner Führung gibst.

Amen.

 

 

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