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Schaufenster

Ein Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! (Mk 1). Sieger Köder: Johannes der Täufer. Privatbesitz.

Nachlese

12. Januar 2021 Von: Gudrun Dötsch

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Gudrun Dötsch
am 10. Januar 2021 in St. Maria, Luzern

Fest Taufe des Herrn im Jahr B

Markus-Evangelium Kap. 1 Verse 7-11

Den Bibeltext mit Predigtgedanken zum Herunterladen finden Sie unten als PDF.

Predigtgedanken zur Taufe des Herrn

Ouvertüre

Der Beginn des Markusevangeliums gleicht einer Ouvertüre. Sie macht deutlich: Johannes ist einer, der Jesus den Weg bereitet.

Bei der Taufszene konzentriert der Evangelist den Blick auf Jesus und den Täufer. Nur sie sind aktiv – und der Himmel! Jesus steigt in den Jordan, wird getauft, und als er heraussteigt, hört er vom offenen Himmel her, wer er ist: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Das ist seine Identität, der Sinn seines Daseins.

 Unsere Suche nach Identität

Wir Menschen sind zeitlebens auf der Suche nach unserer Identität. Wer bin ich?, lautet die Grundfrage unseres Lebens. Und eng damit verknüpft: Wozu bin ich da? In jedem Lebensalter zeigt sich, was der große Religionsphilosoph Martin Buber auf die Kurzformel gebracht hat: „Am Du werden wir erst zum Ich.“ Ein Baby entdeckt sich selbst nach und nach im Kontakt mit seiner Umwelt. Das Kleinkind findet und erprobt seinen Eigen-Sinn in der Beziehung mit den engsten Vertrauten, mit den Eltern, Geschwistern.

 „Am Du werden wir erst zum Ich“: Ich springe in die Zeit der Pubertät: Wie sehr sucht da ein junger Mensch, wer er oder sie denn ist – und für wen! Und was für ein Licht fällt in so ein junges Leben mit der ersten grossen Liebe und zu spüren: Ich mag DICH, nicht deinen Look, deine Klamotten, dein sportliches oder musikalisches Talent, dein cooles Auftreten, nein, ich meine DICH, ich liebe DICH. Da ist alles auf einmal da: der Mensch fühlt sich geborgen und zugleich bereit zum Aufbruch in neue Welten.

 Wer bin ich, und wozu bin ich da?, diese Fragen stellen sich an der Schwelle zum Erwachsensein, in der Berufswahl, beim Ja oder Nein zu einer bestimmten Partnerschaft und ganz anders und neu, wenn aus einem Paar eine Familie wird. Im Alter drängen genau diese Fragen erneut, oft mit ungeahnter Wucht: Wer bin ich, und wozu bin ich da, wenn ich mich nicht mehr durch den Beruf ausweisen kann, wenn ich alt bin und krank und Pflege brauche …? Und ganz zuletzt: Wenn alles bricht und mein Leben endet, wer bin ich dann? Bleibt dann etwas von mir? Und wenn etwas bleibt, wo bleibt es – sicher und dauerhaft?

Jesu Identität

Das gleiche gilt auch für Jesus: „Am Du werden wir erst zum Ich.“ Wer ist dieses Du für Jesus? Wer hat ihn entdecken lassen, wer er ist und wozu er da ist? Die Eltern waren sicher wichtig, auch die Freunde, die er als Kind und Jugendlicher gewiss hatte. Er fand ein Du auch in den heiligen Schriften. Für Jesus war Gott nicht bloß „irgendetwas Höheres“ , sondern ein Gegenüber: Er übte ein, zu beten und mit Gott in Beziehung zu sein.

Jesus ist etwa dreißigjährig allein unterwegs.  Warum hat er noch keine Familie gegründet und sich eingeordnet in den normalen Lauf der jüdisch-frommen Welt? Ist er auf der Suche  nach Klarheit und Gewissheit, nach seiner wahren, eigentlichen Identität und Sendung? Wer bin ich, und wozu bin ich da? Vielleicht haben ihn gerade diese Fragen zu Johannes geführt, der „in der Wüste“ predigt, dort, wo nur das Wesentliche zählt.

Nun steigt Jesus ins Jordanwasser, lässt sich von Johannes „in den Jordan hineintaufen“. Und als er aus dem Wasser steigt, tut sich Gewaltiges – in der Darstellung des Markus zunächst nur für Jesus: Der Himmel reißt auf, der Geist kommt „wie eine Taube“ auf ihn herab und eine Stimme – Gottes Stimme – spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ In diesem himmlischen Moment, ist Jesus sonnenklar, wer er ist und wozu er da ist: Gottes geliebter Sohn, an dem Gott Freude hat.

Jesus ist wirklich zu beneiden um diese Klarheit. Ich möchte von dem Mann erzählen, der berufshalber an vielen Orten der Welt längere Zeit gelebt und gearbeitet hat. Er sagt: Ich bin katholisch aufgewaschen. In all den Jahren habe ich mich für Religionen interessiert und alle Welt-Religionen aus nächster Nähe kennengelernt. Keine hat mich überzeugt. Ich habe aber nie Gott gespürt oder dass er zu mir gesprochen hätte. – Geantwortet hab ich nur: „Ich werde dich jetzt nicht bepredigen.“

Ich habe oft darüber nachgedacht, dass es schwierig ist, an Gott zu glauben, ohne Beweis, ohne ein Schlüsselerlebnis, dass die Nähe Gottes beweist. Vielleicht ist gerade das die Herausforderung, zu glauben ohne Sicherheit zu haben. Selbst die Menschen, die das Glück hatten, Jesus persönlich zu begegnen,  wurden nicht automatisch seine Anhänger und Anhängerinnen.

Bei der Taufe werden zwar nur die Kernpersonen – Jesus und Johannes – vom Evangelisten erwähnt. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass auch andere dabei waren, weil der Täufer viele Menschen anzog. Ich gehe davon aus, dass diese Zuschauer weder eine Taube gesehen noch die Stimme aus dem Himmel gehört haben. Diese Bilder sind ein Versuch, ein inneres Geschehen zu beschreiben. Wie würden wir das in unserer Sprache beschrieben? Er war innerlich ergriffen … Es war Jesus klar, wohin sein Weg führen sollte … er fühlte sich ganz ein mit sich, mit Gott, mit der Schöpfung, mit dem ganzen Universum … frei von allem Zweifel … parat und entschlossen … So fühlt  sich eine Gotteserfahrung an. Die Heilige Schrift ist voll von verschiedensten Beschreibungen – bildhaft wohlgemerkt – wie Gott sich Menschen offenbart. Das hätte ich dem Mann gerne geantwortet auf sein Bedauern, Gott noch nie gespürt zu haben.

Die Identität bewahren

Jesus jedenfalls erlebt bei seiner Taufe Gottesnähe und, dass Gott zu ihm spricht. Gott, den er seinen Vater nennt, ist für Jesus ein gegenüber, ein DU.

Von da an schildert das Markusevangelium, wie sehr Jesus in dem Bewusstsein lebt, Gottes geliebtes Kind zu sein. Nie wird von ihm erzählt, dass er sich gefragt habe, ob er nicht auch ganz anders hätte handeln und reden sollen. Selbstzweifel scheinen ihm fremd zu sein, sind auf jeden Fall nicht überliefert. Wohl aber wird erzählt, wie oft er die Stille suchte und das Gebet, das Du des himmlischen Vaters, das ihn ganz Ich sein ließ.

Was heißt das für uns?

Wir gehen in ein neues Jahr, hören Erzählungen und Worte von Jesus, der weiß, wer er ist und wozu er da ist. Das ist ansteckend! Wie gern würde ich auch herausfinden, wer ich wirklich bin. Was ich wirklich will …, was der Sinn meines Lebens ist und was Gott mit mir vorhat.

Jeder und jede hier darf von sich behaupten, Gottes geliebtes Kind, Sohn und Tochter Gottes zu sein. Warum? –Weil auch wir nicht nur mit Wasser sondern mit heiligem Geist getauft sind.

„Am Du werden wir erst zum Ich.“ Das DU ist der Mitmensch, der Partner, die Kinder, die Kollegen, die Freude, die zufällige Begegnung. Glücklich preisen dürfen sich diejenigen, die auch Gott als Gegenüber erfahren und sich seiner Nähe gewiss sind. Mit Gott oder in Jesus auf Du und Du sprechen zu können, wäre besonders in diesen Zeiten wunderbar, da viele durch Corona isoliert sind und das leibliche Gegenüber fehlt. Wir nennen das in unserer kirchlichen Sprache „beten“.

Mich angenommen und geliebt wissen, das gibt Kraft und Mut:

Mut zur klaren Entscheidung
Mut zum Ja
Mut zum Nein
Mut zur Klarheit
Mut, Schritte zu wagen und dem eigenen Herz, der Berufung, der inneren Stimme zu folgen.

Die Gewissheit, geliebt und angenommen zu sein, ist der Boden, der mich trägt: Das sind Menschen und da ist Gott!

Gudrun Dötsch
Pfarreileiterin

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