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Schaufenster

Antike Münze

Nachlese

18. Oktober 2020 Von: Justin Rechsteiner

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Justin Rechsteiner am 18. Oktober 2020 in St. Maria, Luzern

29. Sonntag im Jahreskreis A

Dem Kaiser Steuern zahlen?

Mt 22:15-21

____________________________________________

In jener Zeit kamen einige Pharisäer zusammen und berieten,

wie sie Jesus eine Falle stellen könnten.

Dann schickten sie ihre Schüler,

zusammen mit Freunden des Herodes,

zu ihm und liessen sie ausrichten:

Meister,

wir wissen,

dass du immer die Wahrheit sagst

und wirklich den Weg Gottes lehrst,

Du lässt dich durch Meinungen

nicht beeindrucken

und redest niemandem nach dem Munde.

Erkläre uns also,

wie du darüber denkst:

Ist es erlaubt,

dem Kaiser Steuern zu zahlen

oder nicht?

Jesus durchschaute ihre böse Absicht

und sagte:

Ihr Heuchler,

warum stellt ihr mir eine Falle?

Zeigt mir eine Münze,

mit der ihr eure Steuern bezahlt!

Sie reichten ihm einen Denar.

Er fragte:

Wessen Bild und Aufschrift ist das?

Sie antworteten:

Des Kaisers.

Darauf sagte Jesus zu ihnen:

So gebt dem Kaiser,

was dem Kaiser gehört,

und Gott,

was Gott gehört!

Kirche und Politik - was würden Sie, liebe Schwestern und Brüder, über dieses Verhältnis sagen?

·       Gehören Sie zu jenen, welche beides strikt getrennt, also die Kirche apolitisch - nur auf Seelsorge beschränkt - haben wollen?

·       Oder umgekehrt: Hängt für Sie die Glaubwürdigkeit der Kirche gerade davon ab, ob und wie sie sich auch gesellschaftlich-politisch einbringt?

·       Oder bleiben Sie für diese Frage in der Mitte, sind Sie für ein ausgewogenes Sowohl-als-Auch?

 

Das sind drei mögliche Standpunkte. Halten sie stand?

 

Ich möchte Sie bitten, mit einer Antwort zuzu- warten, bis wir die Geschichte, die Matthäus zum heutigen Sonntag erzählt, miteinander betrachet haben.

 

Die Geschichte ist politisch explosiv. Jesus wird ins Verhör genommen: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht? - Was nach einer ehrlichen Frage tönt, ist in Wirk-lichkeit eine tückisch gestellte Falle. Jesus soll aufs politische Glatteis geführt werden:

·       Sagt er nein, man soll dem Kaiser keine Steuern zahlen, hat man den idealen Grund gefunden, ihn beim römischen Statthalter als Rebell anzuzeigen.

·       Sagt er ja, man solle die Steuer entrichten, so kann man das auslegen als Kollaboration mit dem Kaiser und damit als Verrat am eigenen Volk.

Jesus durchschaut das Spiel an, übernimmt dann aber gleich selber die Regie: Zeigt mir eine Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Bereitwillig ziehen die Fragesteller einen Denar aus der Tasche. Wessen Bild und Aufschrift ist das? will Jesus wissen. Sie antworten wie kleine Musterschüler: Des Kaisers! Und schon sind sie in die eigene Falle gelaufen. Mit den Kaisermünzen, die sie bei sich haben, verraten sie sich: Längst haben sie sich mit dem römi-schen Regime arrangiert. Schliesslich lässt sich mit den kaiserlichen Denaren wunderbar Handel treiben und Profit machen.

Ganz pragmatisch zieht Jesus daraus die Kon- sequenz: So gebt dem Kaiser, was dem Kai-ser gehört! Wenn ihr schon römisches Geld be-nützt, so selbstverständlich mitmacht und profi-tiert, dann muss auch das Steuerzahlen selbst-verständlich sein. Was euch der Staat als Ord-nungsmacht an Vorteilen bietet, verpflichtet, ihm die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Da wurde es grundsätzlich damals; da wird es grundsätzlich heute: Wie soll sich der Glaube zur Politik, die Kirche zum Staat verhalten?

Das kaiserliche Rom ist mit dem demokrati-schen Europa nicht mehr zu vergleichen. Zu-dem hat sich die Schweiz vom kämpferischen Männerbund des vergangenen Jahrhunderts zum ‘Mutterstaat’, zum Wohlfahrtsstaat, ausge-bildet. Was sich aber gleichbleibt:

·       Es sollen ehrlich Steuern bezahlt und keine hinterzogen werden.

·       Dem Staat - das zu geben, was des Staates ist, heisst, dass wir alle Sorge zu ihm tragen:

·       Der Gefahr der Politverdrossenheit - Die in  Bern oben machen ja sowieso, was sie wollen! - dürfen wir nicht nachgeben.

·       Die leidige Politabstinenz in Wahlen und  Abstimmungen - Auf meine Stimme kommt es ja nicht drauf an! - müssen wir überwinden.

·       Es geht nicht an, wie in den 80er Jahren anarchistisch Sprüche zu klopfen wie Macht aus dem Staat Gurkensalat oder populistisch unsere gute Schweiz als Bankrottstaat und dessen Verantwortliche als unfähige classe politique zu diskreditieren.

Was ich hier sage, liebe Schwestern und Brüder, ist der Versuch, im Sinne Jesu politisch zu reden. Doch will hier genau unterschieden sein: Die Kirche hat nicht selber Politik, schon gar nicht Parteipolitik zu machen. Was sie aber tun muss, ist mitzuhelfen, dass gute und gerechte Politik möglich wird. Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört!

Eigentlich wäre damit die Geschichte zu Ende; doch da fügt Jesus überraschend noch etwas hinzu: Und gebt Gott, was Gott gehört! - Da-nach haben ihn die Gegner gar nicht gefragt; aber genau darauf kommt es Jesus an. Und das stellt alles Bisherige in ein neues Licht:

Es gibt nichts, was Gott nicht gehört; also ist ihm alles zu geben - ganz so, wie es das erste Gebot will:

Höre Israel! Dein einziger Gott bin ich! (Dt 6:4f) Mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft sollst du mich lieben (Mk 12:29f), neben mir keine anderen Götter haben (Ex 20:3)!

Auf Gott - dieses letzte DU - ist alles zu bezie-hen:

·       unser kleiner Alltag ebenso wie die grosse Welt,

·       meine nächsten Mitmenschen nicht anders als die sechs Milliarden Menschen unserer Erde.

Auf die römischen Münzen war das Bild des Kaisers geprägt. Wir Menschen - alle Menschen unterschiedslos - sind geprägt als Ebenbilder Gottes. Da wird es nochmals politisch; denn wenn jeder Mensch Ebenbild Gottes ist, so kann und darf ihn keine Macht als blosses Mittel benützen.

Jeder Menschenmacht wird eine klare Grenze gesetzt:

·       Zuerst der staatlichen Macht: Sie ist einzig um der Menschen willen da, darf sich nie allmächtig - gottähnlich - aufspielen.

·       Christinnen und Christen schauen dem staatlichen System genau auf die Finger. Es geht nicht an, dass  Menschen arbeiten und ihr Verdienst nicht zum Leben ausreicht. working poor‘ heisst der moderne Begriff dafür.

·       Auch die wirtschaftliche Macht hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. Es verträgt sich mit der Ebenbildlichkeit Gottes nicht, wenn die Wirtschaft alles dem Götzen Markt opfert, Arbeitsplätze abbaut, um den Börsenwert - den ‚shareholder value‘ - zu steigern.

·       Schliesslich muss auch jede religiöse Macht um ihre Grenzen wissen: Die Würde des Menschen wird verletzt, wenn Sekten oder Kirchen sich autoritär und totalitär gebärden, wenn sie Gewissen und Geld so beschlagnahmen, dass der Mensch nur mehr Sklave und nicht freies Ebenbild Gottes ist.

Ich bin froh, dass in unserer Kirche das Gewissen des einzelnen Menschen als letzte Instanz gilt, um Gottes Stimme zu hören und ihr gemäss zu handeln. (cf Kat. der kath. Kirche, Nr.1782).

Zurück zur Eingangsfrage: Was würden Sie, liebe Schwestern und Brüder, über das Verhältnis von Kirche und Politik sagen?

Wir haben gesehen: Jesus zieht die grosse Leitlinie, dem Kaiser zu geben, was ihm gehört, und Gott, was Gott gehört. Das ist schon viel. Doch das konkrete Detail - in dem bekanntlich der Teufel sitzt - das müssen wir selber bewältigen. Das strengt an - übrigens nicht nur in diesen Tagen, da wir die verschie-denen Parteiparolen zu durchschauen und ein neues Parlament zu wählen haben.

Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,  und Gott, was Gott gehört.

 

Justin Rechsteiner

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