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Schaufenster

MIchael Blum: Maria aus Magdala am Ostermorgen (Joh 20)

Nachlese

4. April 2021 Von: Gudrun Dötsch

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Gudrun Dötsch
am 4. April 2021 in St. Maria, Luzern

Ostersonntag, Jahr B

Erster Brief an die Gemeinde in Korinth Kapitel 5 Verse 6-8
Evangelium nach Johannes Kapitel 10 Verse 1-18

Den Bibeltext mit Predigtgedanken zum Herunterladen finden Sie unten als PDF.
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Predigtgedanken

Auszug aus dem Sklavenhaus

Sauerteig – der geht auf, wirkt sich durch das Mehl, gärt, lässt etwas ganz Neues und Anderes sich entwickeln: Ein luftiger Teig, der zu schmackhaftem Brot wird. Der Sauerteig wirkt nur, indem er aufgeht und sich mischt, sich verwandeln lässt und Teil wird von etwas anderem. Alter Sauerteig taugt irgendwann nicht mehr. Deshalb rät Paulus in der Lesung zu dem ungesäuerten Brot. Schnell gebackene Fladen, mit den Händen geformt, lassen sich innerhalb von Minuten auf heissem Stein und über dem Feuer backen. Das ist etwas, was auch für unterwegs gedacht ist, wenn man keinen Sauerteig mitnehmen und pflegen muss.

Wenn Paulus ungesäuertes Brot sagt, klingen die Ohren der Zuhörer und das Kopfkino mit der alten Geschichte des Volkes ist aktiviert: Richtet euch nicht ein, vertraut nicht auf falsche Sicherheiten, seid wie Menschen, die kein Haus haben, seid Wandernde und Durchreisende in diesem Leben. Ungesäuertes Brot – das ist die Erinnerung des Volkes Israel an den Auszug aus dem Sklavenhaus Ägyptens.

Das Damals ins Heute transportieren

Die Erinnerung an diesen Befreiungsschlag unter der Führung Mose und seiner beiden Geschwistern Aaron und Miriam liegt lange zurück, ist aber in die kollektive Erinnerung des Volkes Gottes eingebrannt. Was, so stellt sich die Frage, versklavt uns heute? Die Menschen zur Zeit Jesu und weiter … Was versklavt UNS heute? Welcher alter Sauerteig taugt nicht mehr?

Unsere Sicherheit hat sich aufgelöst: Das Covid-Virus hat uns schmerzhaft auf unsere Verletzlichkeit zurückgewiesen. Wir sind sterbliche und vergängliche Menschen, nur eine geliehene Zeit in diesem Leben, bis wir dahin zurückgehen, wo wir hergekommen sind. „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ – so sagt die Volksweisheit. Im Grab Jesu sind die Leinentücher und das Schweisstuch zurückgeblieben, wohl zusammengefaltet, aber bitte: Nach der Tortur des gewaltsamen Todes waren sie sicher Blutbeschmiert und kein schöner Anblick. All das hat Jesus hinter sich gelassen bei seiner Auferstehung.

Loslassen und Hingabe

Das Leben hier ist eine grosse Übung des Loslassens: Die Dinge und Sachen loslassen, Menschen loslassen – so wie die Maria und Maria aus Magdala und die Freunde Jesus loslassen mussten. Selbst Jesus, wie jeder andere Mensch hat sich auch in den Tod fallen lassen. Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „Gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten ...“

In diesen drei Tagen verdichtet sich die Heilsgeschichte, vor allem werden aber alle Dimensionen des Menschseins fokussiert: Der Karfreitag zeigt den Schmerzensmann und in ihm alles Zerbrochene, das Leidende, Entwürdigte, Belächelte. Hinabgestiegen in das Reich des Todes – das ist der Karsamstag gestern mit der Grabesruhe. Für die Zurückbleibenden ein Tag dazwischen, ein Tag des noch nicht Wissens, ob die Auferstehung dann wirklich sein wird. Nach dem Leiden kommt zuerst die Leere. Das kennen alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, wenn plötzlich so viel Zeit und Raum leer bleiben, die dem geliebten Menschen bis dahin gewidmet waren. Wo ist Gott am Karsamstag? Im Reich des Todes! Gott ist an diesem Tag da, wo kein Mensch hin will. Gott mutet sich selbst einen Höllentrip zu um all die Vergessenen, Verlorenen, Verlassenen aufzusuchen. Nicht nur das Leiden des Karfreitags nimmt Gott auf sich. Am Karsamstag geht er in die hintersten Winkel, dorthin, wo Menschen sich von Gott und der Welt verlassen glauben. Hölle nennen wir das. Die Künstler des Mittelalters haben diese Orte mit schauerhaften Gemälden dargestellt. Hölle meint Gottesferne, einen Sturz in die Leere, ohne zu wissen, ob es da wirklich einen Gott gibt, der mich auffängt bevor ich aufpralle. Der Karsamstag mit seiner Gottverlassenheit und radikalen Einsamkeit und dem Nichts-mehr-tun-und-ändern-Können ist das schlimmste Dazwischen der menschlichen Existenz. Gott geht an diesem Tag an die äussersten Grenzen, um bei den Verlassenen, Verzweifelten und Vergessenen zu sein.

Wir feiern heute Ostern, Fest der Auferstehung, das braucht es, diese Hoffnung auf Auferstehung, dass Tod und Leid nicht das letzte Wort haben. Und wir feiern Ostern zusammen als Gemeinschaft, weil nicht alle schon in dem Jubel angekommen sind, sondern gefangen noch in ihren Sorgen und Ängsten. Die Hoffnungsvollen und Glaubenden mögen doch die anderen in ihrer Begeisterung mitreissen und erlösen aus ihren Schatten und inneren Gefängnissen.

Hingabe

Man muss nicht gläubig sein und noch nicht einmal Christ oder Christin, um die Osterbotschaft zu verstehen: Christus, dessen einziges Streben es war, Gottes Liebe und Barmherzigkeit und umfassenden Frieden zu verkünden endet gewaltsam am Kreuz. Er wehrt sich nicht, weicht nicht aus und vergibt seinen Peinigern in der Todesstunde. Mit seiner Hingabe hat er die Welt erlöst von Rache und Vergeltung. Das hat die Gewalt nicht aus der Welt geschafft, aber gezeigt, dass der Weg der Hingabe für andere gangbar und möglich ist. Hingabe – ein selten gewordenes Wort, weil es gar nicht mehr in unsere Zeit der Likes und des permanenten Gefallenwollens in Selbstoptimierung hineinpasst. Hingabe bedeutet für etwas einstehen, das grösser ist als ich. Hingabe ist ein Akt des Gebens in einer konkreten Situation: Das ist die Mutter oder der Vater, die für ihre Kinder auf manches verzichten. Da ist der Musiker, der ganz im musikalischen Erleben aufgeht, bis an die Grenze des kontrollierten Spiels geht und sich seinem Können und dem Moment überlässt. Das sind die, die sich in Krisen- und Kriegsgebiete dieser Welt begeben, um dort zu für Meinungs- und Wahlfreiheit oder medizinische Versorgung einzustehen; wissend, dass sie ihr Leben riskieren.

Nicht nur für Helden

Hingabe, das zeigen die Beispiele ist nicht nur etwas für berühmte Helden. Hingabe ist etwas Alltägliches. Sie ist ein Geschenk, das keine Gegenleistung fordert. Hingabe will wirken. Als ein mögliches Handlungsmuster macht Hingabe unsere Welt heiler. Sie ist kein rein christliches Verhalten. Das arabische Wort Islam kommt von „lama“ – sich ergeben, sich hineingeben in Gott, in das Höhere, das unser Ich übersteigt, zielt über das begrenzte hinaus auf das unendlich Grössere. Hingabe, richtig verstanden, ist ein Akt der Liebe, die nicht berechnet, auf keine Erwiderung aus ist und deshalb auch keine Enttäuschung kennt. Hingabe gewinnt ihren Lohn aus sich selbst heraus: Wer sich gibt, erhält sich selbst, das wahre, schöne innere Wesen zurück. Wer sich ganz gibt und sich aus freien Stücken und ohne Berechnung zur Verfügung stellt, erhält sich ganz zurück, ist ein wirklich glücklicher Mensch!

Tauferneuerung

Die Taufe möchte uns mit Christus verbinden. Als Getaufte sind wir Menschen, die mit dem gleichen Geist ausgestattet sind wie Jesus. Wir können, wenn wir wollen, uns genauso hingebungsvoll in dieses Leben stürzen wie Jesus – ohne Angst vor Verlusten. Im Gegenteil, wer sich gibt mit seinem Leben wird das Leben, das ewige Leben gewinnen – so haben wir oft gehört. Und es ist wahr: Auferstehung findet statt – den ewigen Tod gibt es nicht. Auferstehung kündigt sich aber auch hier in diesem irdischen Leben an und findet statt, wenn Menschen sich bedingungslos und angstfrei öffnen. Menschen, die das wagen, erhalten umgehend ihren Lohn, vielleicht nicht in irdischen Maßstäben in Form von Reichtum und Ruhm. Aber sie entdecken die Qualität und das Wunder des Lebens, sie sind eins mit der umfassenden Liebe, die Gott ist.

Weihwasser erinnert uns an die Taufe. Jetzt steht ja als Vorsichtsmassnahme gegen Corona-Infektion kein Weihwasser offen zur Verfügung. Ab heute steht deshalb ein Weihwasser-Spender beim Taufbrunnen zur Verfügung. Wir, das Franziskaner-Team sind sehr gespannt auf ihre Rückmeldung und ob sie vom Weihwasser Gebrauch machen. Sie können auch immer am Ende des Dienstag-Gottesdiensts mitgebrachte Flaschen mit Wasser segnen lassen. Es tut gut sich immer wieder daran zu erinnern: Als Getaufte sind wir Menschen der Auferstehung, die für das Leben einstehen und aufstehen mit ganzer und ungeteilter Hingabe. Wir hören aus dem Oster-Oratorium von J.S. Bach die Arie Nr. 5: Deine Spezereien, sollen nicht mehr Myrrhen sein – das heisst: Das, was dein Leben würzt, soll nicht das Kraut des Leidens sein.

Gudrun Dötsch
Pfarreileiterin

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