• Franziskaner 1
  • Franziskaner 2
  • NEU-maria-banner_02
  • Franziskaner 4
  • Franziskaner 5
  • NEU-maria-banner_06
Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Pfarreien & Standorte  /  St. Maria zu Franziskanern  /  Schaufenster

Schaufenster

Nachlese

21. April 2021 Von: Davide Bordenca und Barbara Häfele

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Davide Bordenca und Barbara Häfele  am 18. April 2021 in St. Maria, Luzern

3. Sonntag der Osterzeit, Jahr B

1. Brief des Johannes Kapitel 2 Verse 1-5
Evangelium nach Lukas Kapitel 25 Verse 35-48

Den Bibeltext mit Predigtgedanken zum Herunterladen finden Sie unten als PDF.
Da die Technik dieser Webseite sehr fehlerhaft ist, kann es sein, dass das PDF nicht angezeigt wird. In diesem Fall schicken wir es Ihnen auf Anfrage per Mail gerne zu..

Predigtgedanken zur Epistel von Davide Bordenca

Liebe Brüder und Schwestern,

„Gott ist Liebe.“ Dieses ist der Kern des ersten Johannesbriefs, von dem wir heute einen Abschnitt gehört haben. Dieser Satz ist sehr bekannt und sehr tief. Gott ist Liebe und aus Liebe ist Jesus auf die Erde gekommen. Wir Christen und Christinnen nennen uns Kinder Gottes und auch wir haben mit Liebe zu tun.

Nobody is perfect!

„Gott ist Liebe.“ Die heutige Lesung erwähnt diesen berühmten Satz nicht. Vielmehr klingt aus dem gehörten Abschnitt eine grosse Sorge des biblischen Autors: Wie gehen die Christen und Christinnen seiner Gemeinde mit der Frage der Sünde um? Es ist eine Tatsache, dass die damaligen Christen und Christinnen neben der Liebe und all dem Guten, das sie aus Liebe tun, auch die Kehrseite der Medaille erfahren: Es gibt auch die Fehler. Die Sünden, von denen der erste Johannesbrief schreibt, sind Fehler gegen Gott und vor allem gegen die Mitmenschen. Mich erinnert dies an einen anderen bekannten Satz auf Englisch: Nobody is perfect – niemand ist perfekt.

Fehler gehören zur Natur des Menschen. Damals, zur Zeit des Johannesbriefes, und im Alltag heute. Doch was ist der Unterschied zwischen Fehlern und Sünden?

Fehler oder Sünde?

Ich denke insbesondere an meine Fehler in meinem Alltag. Ich denke an meine Arbeit mit Kindern als Religionslehrer: Ich kann eine Lektion am besten planen, vielleicht verbringe ich zwei Stunden am Bildschirm, um klare Ziele zu formulieren, den Kindern Abwechslung anzubieten, die Arbeitsblätter sorgfältig zu gestalten usw. Am Tag des Religionsunterrichts aber geht die Lektion schief, vielleicht weil ich am Anfang der Lektion einen Fehler mache. In diesem Fall handelt sich es nicht um eine Sünde.

Eine Sünde wäre zum Beispiel dies: Wenn ich eine Person ohne richtige Begründungen beurteile, auch nur in meinem Kopf. Ich erlaube meinem Urteil, die Beziehung mit diesem Mitmenschen zu verhindern. Ich sehe nicht mehr die Person vor mir, sondern das, was ich über sie denke. Und das ist ein Beispiel unter vielen anderen.

Umgang mit Sünde?

Der Umgang mit den Sünden ist der wichtige Punkt in der heutigen Lesung. Im Hintergrund steht die damalige christliche Gemeinde, vielleicht mit höchstens fünfzig Gläubigen. Einige waren der Meinung, dass sie nicht mehr Sünden gemacht hätten, da sie Christen und Christinnen geworden waren. Sie taten alles, was sie wollten, in voller Freiheit. Sie bemerkten aber, dass sie noch immer sündigten, also vielleicht schlecht über andere dachten. Ihr Glaube an Jesus schwankte deswegen. Wenn ich die heutige Lesung auf diesem Hintergrund lese, verstehe ich die Absicht des Autors besser. Der Verfasser des ersten Johannesbriefes möchte die Leser und Leserinnen erinnern, dass Jesus trotz der Fehler da ist und eine wichtige Rolle im christlichen Leben spielt. Jesus hilft, Fehler zu überwinden und die Beziehung zu Gott zu erneuern. Der biblische Autor schreibt genau: „Jesus ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.“

Sühne und Versöhnung

Ich muss gestehen, ich habe das Wort „Sühne“ nur in der Bibel gelesen und nie gebraucht. Hinten diesem Wort stellen sich die biblischen Autoren vor der Zeit Jesu etwas Besonderes vor: die Reinigung von den eigenen Sünden und die Versöhnung mit Gott. Die Leute feierten Sühnetage, an denen die Gläubigen versuchten, durch bestimmte Rituale vor Gott von den Sünden gereinigt zu werden. Der Autor der heutigen Lesung weist darauf hin, dass es nicht mehr bestimmte Tage oder Rituale braucht, sondern Jesus. Und er betont: Jesus ist der Gerechte, der erhoffte Messias, Christus. Nur Jesus ist der, der uns von unseren Sünden reinigen und uns von dieser Bürde befreien kann. Manchmal heisst dies nur, sich von einem falschen Verhalten abwenden und umkehren, also dieses vermeiden. Manchmal bedeutet es auch zu akzeptieren, dass Fehler und Sünden trotz allem Bemühen zum Menschsein gehören.

Versöhnt und dann?

Dass Jesus mich von den Sünden befreit, lässt mich aber nur halb zufrieden. Was geschieht dann? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich Ihnen ein kleines Beispiel aus meiner Biografie erzählen. Ich bin seit fast sieben Jahren mit meiner Frau verheiratet und erinnere mich ganz gut an den Tag unserer Hochzeit. Wie schön war dieser Moment im Frühling in Sizilien, in einer Gegend zwischen dem Meer und dem Vulkan Ätna! Noch schöner waren und sind diese sieben Jahre mit meiner Frau zusammen, auch trotz aller Schwierigkeiten, aller Krankheiten, auch der Fehler, die wir beide haben. Wir rangen damit, aber immer zusammen. Wir halfen und helfen uns gegenseitig. Eine Person danebenzuhaben, ist in schwierigen Situationen wie ein Schatz. Meine Frau und ich bemühen uns, Freude auch in den kleinen oder grossen dramatischen Umständen zu finden, auch durch die Beziehung zu Christus und durch ihn zu Gott. Christus ist auch auf die Welt gekommen, damit alle Christen und Christinnen eine Existenz mit Freude und Friede leben. Christus ist auf das Kreuz hinaufgestiegen, aber dann gibt es das Licht der Auferstehung. Jesus erlebte konkret, was der Schmerz und der Tod bedeuten. So kann er uns in allen Momenten des Lebens begegnen und uns das Licht am Ende des Tunnels zeigen.

Die Präsenz Jesu

Auch die Himmelfahrt, die wir in einigen Wochen feiern, ist das Fest der Präsenz Jesu. „Ich bin immer da“, „wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, bin ich da“ und noch andere Sätze, die wir in den Evangelien lesen: Alle erklären die Absicht Jesu, uns in unserem Leben zu begleiten. Der Glaube an Jesus schenkt mir Freude, auch wenn ich das Gegenteil erlebe. Sogar in den schmerzhaften Situationen, weil es nach dem Tod die Auferstehung gibt.

Ich wünsche mir, immer die Begegnung Christi in meinem Leben zu spüren und mit ihm in Freude zu leben. Das wünsche ich auch jedem und jeder von Ihnen.

Amen.

Davide Bordenca
Theologiestudierender an der Universität Luzern

 

Predigtgedanken zum Evangeliumstext von Barbara Häfele

Liebe Mitfeiernde

Kurz vor Weihnachten verstarb der Mann meiner Schulfreundin. Er wurde mitten aus dem Leben gerissen. Es war ein Schock. Das ganze Leben wurde durcheinandergewirbelt. Nichts war mehr wie vorher.

Ich besuchte Anna vor einigen Wochen. Sie erzählte. Erzählte wieder und wieder. Vom Morgen, als sie Renato leblos auf dem Sofa auffand. Von der Abschiedsfeier. Von den Schwierigkeiten der Geschäftsübernahme. Und von jenem Freitagabend, als sie zusammen mit zwei Freunden die Urne im Garten beisetzt.

Es hat noch Schnee. Sie entfachen ein grosses Feuer im Garten und beginnen Schaufel für Schaufel die Grube auszuheben. Es ist schon am Eindunkeln, das Feuer gibt ihnen Licht. Und wärmt. Langsam lassen sie die Urne in die Erde gleiten. Stehen still. Sind einfach da. – In diesem Moment beginnen die nahen Kirchenglocken zu läuten! Einfach so. Völlig unerwartet an einem Freitagabend.

Für sie ein überwältigender Augenblick! Der Atem stockt ihnen. «Noch heute fahre es ihr kalt den Rücken hinunter, wenn sie daran denke», sagt Anna. Ja, da ist mehr. Das ist nicht einfach so geschehen. Und es habe sich etwas gewandelt seither … Sie fühle sich noch immer traurig. Aber es sei auch Trost da. Etwas von aussen sei ihr geschenkt worden. Etwas von einer anderen Dimension.

Ende oder neuer Anfang?

Auch die Jüngerinnen und Jünger müssen mit einem Todesfall umgehen. Ihr ganzes Leben haben sie auf Jesus gesetzt, träumten von seinem Reich, träumten von einem friedlichen Zusammenleben. Und stattdessen das Gegenteil. Ihre ganze Hoffnung ist gestorben. Sie sind im Schockzustand. Und schliessen sich in einem Zimmer ein.

So sitzen sie nun also zusammen im kleinen Raum. Die Fensterläden sind verriegelt. Kein Lebenszeichen soll nach aussen dringen. Sie sprechen nur leise. Die Meisten schweigen. Zwei von ihnen entschliessen sich wegzugehen. Vielleicht halten sie es nicht mehr aus. Vielleicht müssen sie flüchten. Müssen sich bewegen. Sie gehen Richtung Emmaus. Unterwegs treffen sie einen Fremden. Dieser spricht sie auf ihr Ergehen an und sie beginnen zu erzählen. Auch den Abend verbringen sie zusammen. Und da kommt der Moment, wo es auch ihnen «kalt den Rücken hinunterläuft». Wo sie plötzlich erkennen – es ist der Herr. Es ist Jesus!

Erfahrungen weitererzählen

Und nun sind sie wieder zurück. Sind wieder zusammen mit den anderen im verschlossenen, dunklen Zimmer. Sind da – und können nicht anders, als von dem zu sprechen, was sie erlebten. Ihre Worte überschlagen sich, sie sind ausser Atem:

Sie erzählen vom wortlosen Nebeneinander-Gehen. Von den schweren Gedanken. Vom langsamen ins Gespräch-Kommen. Vom Zugesellen des Fremden – und wie wohltuend das Unterwegssein mit ihm plötzlich wurde. Wie neue Aspekte ins Schwere hineinkamen. Und sie erzählen vom überwältigenden Moment, als plötzlich alles klar war. Wo sie beim Brotbrechen wortlos wussten, tief wussten: Es ist Jesus!!! Und wie er dann weg war. Und ihnen innerlich klar war, dass sie wieder zurückkehren mussten. Zurück nach Jerusalem. Zurück zu ihnen, den hier versammelten Jüngerinnen und Jüngern.

Durch Erzählungen zu eigener Erfahrung

Es ist mucksmäuschenstill im abgedunkelten Zimmer in Jerusalem. Alle lauschen den Zwei. Sie staunen, staunen über das, was sie hören. Und schauen Maria an, und Maria von Magdala. Vielleicht ist es ja doch wahr, was die Frauen uns erzählten. Irgendetwas ist sonderbar. Auch dass der Stein nicht mehr vor dem Grab ist. Was geht hier vor?

Plötzlich stockt allen der Atem. Was ist das? Ein Geräusch? Ein Geist? Wer ist die Person? – «Friede sei mit euch» - ein bekannter Gruss erreicht ihre Ohren. Unglauben, Angst, Staunen, Freude, Zweifel – alles purzelt durcheinander. Die Jüngerinnen und Jünger wissen nicht, wie ihnen geschieht. Erst die Frage, ob sie etwas zu essen haben, holt sie wieder zurück. Und auch sie ahnen, wissen – es ist der Herr.

Alle hängen an den Lippen des Auferstandenen. Er spricht davon, dass alles in Erfüllung gehen müsse, was über ihn in den Heiligen Schriften geschrieben steht. Und sie denken: Es ist ja sonnenklar, was er sagt. Genau, so! weshalb sind wir nicht schon früher darauf gekommen? Weshalb war dies uns bisher verschlossen? Es wird ihnen leicht ums Herz. Es öffnet sich etwas. Neue Dimensionen tun sich auf.

Welche Erfahrungen erzählen Sie weiter?

Kenne nicht auch ich solche Momente? Wo mir plötzlich die Augen aufgingen? Wo ich Geschehenes plötzlich einordnen konnte. Wo sich mir eine Spur von Sinn eröffnete, in und trotz allem Schwierigen. Kenne auch ich Momente, wo mein Herz zu brennen begann? Wo es mir kalt den Rücken hinunterlief? Wo mir etwas von einer anderen Dimension aufleuchtete?

Ich komme zurück zu Anna, meiner Freundin. Sie ist in einem langen schmerzhaften Prozess. Sie ist daran, ins Leben zurückzukommen. Sie teilt ihr Erleben mit anderen, sucht Worte, erzählt. Und sie ist offen für diese intensiven Erfahrungen des Mehr, wie damals im Garten beim letzten Abschiednehmen von Renato. Diese Erfahrungen sind für sie nicht Hirngespinste, sondern sie erzählt staunend davon. Und beschenkt damit auch mich. Lässt auch mich staunen und danken.

Anna würde es nicht so explizit sagen, aber mich bestärkt ihre Erfahrung dahingehend: Der Auferstandene Jesus lebt. Das Göttliche ist eine Realität. Dem Auferstandenen kann ich auch heute begegnen.

Ostern ist für mich das Fest der Öffnungen,

     

  • wo sich manchmal völlig unspektakulär neue Dimensionen eröffnen und ich plötzlich Sinn erfahre,
  • wo ein tiefes inneres Wissen mir die Richtung zeigt,
  • wo plötzlich wieder Begegnung untereinander möglich und Friede spürbar wird.
  •  

Mögen auch wir in unserem Alltag immer wieder diese Öffnungen – dieses Ostern erleben.

Barbara Häfele
Theologiestudierende an der Universität Luzern

Der Browser, den Sie benutzen, ist stark veraltet. Er besitzt bekannte Sicherheitsschwachstellen und bietet nur begrenzten Komfort. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser hier.