• Franziskaner 1
  • Franziskaner 2
  • NEU-maria-banner_02
  • Franziskaner 4
  • Franziskaner 5
  • NEU-maria-banner_06
Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Pfarreien & Standorte  /  St. Maria zu Franziskanern  /  Schaufenster

Schaufenster

MIchael Blum: Gott ist mein Hirt (Psalm 23)

Nachlese

28. April 2021 Von: Winfried Bader

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Winfried Bader am 25. April 2021 in St. Maria, Luzern

4. Sonntag der Osterzeit, Jahr B

1. Brief des Johannes Kapitel 3 Verse 1-2
Evangelium nach Johannes Kapitel 10 Verse 11-18

Den Bibeltext mit Predigtgedanken zum Herunterladen finden Sie unten als PDF.
Da die Technik dieser Webseite sehr fehlerhaft ist, kann es sein, dass das PDF nicht angezeigt wird. In diesem Fall schicken wir es Ihnen auf Anfrage per Mail gerne zu..

Predigtgedanken

Wollen Sie lieber ein Kind sein oder ein Schaf?, liebe Schwestern, liebe Brüder. Kind oder Schaf zu sein beide Möglichkeiten führen Ihnen die Texte des heutigen Gottesdienstes vor.

Sind Sie ein Schaf?

Das Evangelium spricht Sie an als Schafe. Das Spannende an diesen Schafen ist: Schaf ist man, weil man eine Beziehung zu diesem Hirten hat. "Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich". In dieser innigen Beziehung ist man Schaf in Bezug auf den Hirten. "Sie werden auf meine Stimme hören", heißt es dann weiter. Also Schafe sind die, die die Stimme des Hirten können und ihm folgen. Für die Schafe gilt: "Ich gebe mein Leben hin, für die Schafe". Zu den Schafen in diesem Bild gehört also zwingend der gute Hirt. "Ich bin der gute Hirt", spricht hier Jesus. Als Schafe fühlen wir uns vielleicht ziemlich unwohl, als Bild vom Hirten, in dieser Beziehung zu einem guten Hirten, ist es vor allem eine Aussage über Gott.

Sind Sie ein Kind?

Im ersten Brief von Johannes, die Lesung, die wir zuerst hörten, da sind wir Kinder. "Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es." Heißt es da. Wir sind die Kinder, und zwar deswegen, weil uns der Vater die Liebe geschenkt hat. Das Bild des Kindes ist auch wieder ein Bild für eine Beziehung.

Gott ist Hirt, Vater und Mutter

Beides sind Bilder von Gott. Gott ist also der gute Hirte. Gott ist der liebende Vater, die sorgende Mutter. Die Texte zeigen uns ein Bild von einem Gott, der umsorgt, der fürsorglich ist, der hingebungsvoll ist, der wie eine Mutter gütig ist, der auf uns aufpasst, uns schützt und hilft und führt – also viele gute Eigenschaften hat. Mit einem Gott, der so ist, können wir uns wohl fühlen.

Wollen Sie Schaf und Kind sein?

Aber jetzt ist da trotzdem nochmal die Kehrseite. Wollen wir den wirklich Schaf sein? Da empören Sie sich jetzt hoffentlich alle. Einen guten Hirten anzunehmen geht, aber es ist denn schon wieder schwierig, Schaf zu sein und sich wirklich in diese Rolle zu begeben. Oder wollen wir wirklich Kind sein? Wir sind ja froh, erwachsen zu sein, selbstständig und selbstbewusst. Wir können bestimmen, wo wir hinwollen. Das ist erwachsen. Kind sein wollen wir doch eher nicht. Wenn dann im Alter droht, dass wir wieder hilfsbedürftig werden, Fürsorge und Pflege brauchen von anderen wie ein Kind – ich denke, genau dieser Gedanke schreckt die meisten von uns ab. Wie ist es mit den Kindern selbst? Wenn Sie Kinder hören und fragen, dann heißt es immer: Ich freue mich, wenn ich groß bin. Ich freue mich, wenn ich endlich in die Schule komme. Ich möchte endlich mit einem Töffli fahren, den Führerschein machen und ein Auto haben. Ich möchte endlich selbst Geld haben. Auch schon die kleinen Kinder träumen ja davon, nicht mehr Kind zu sein, sondern etwas anderes.

Was werden Sie sein?

Genau diese Dynamik, dass wir eigentlich zwar als Schafe umsorgt, als Kind betreut uns durchaus in gewisser Weise wohlfühlen, aber eigentlich etwas anderes wollen, genau diese Dynamik steckt auch im ersten Johannesbrief, in dem zweiten Vers, den wir dort gehört haben. Da heißt es: "Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden". Hier liegt eine Dynamik drin, dass wir uns vom Kind Gottes weiter entwickeln sollen. Zu etwas anderem, was noch nicht so ganz klar ist, was dieses andere sein wird.

Wir werden Gott sehen

Johannes gibt uns hier einen Hinweis, indem er sagt: "Dann werden wir ihn, den Vater, sehen, wie er ist." Gott zu sehen, den Vater zu sehen, das ist für uns eine Chiffre, ein Bild, was mit uns passiert nach dem Tod. Da reden wir oft in dieser Vorstellung: Wenn wir dann gestorben sind, die Verstorbenen, die sind dann bei Gott und sehen ihn, wie er ist. Ist also das Christentum nur eine Entwicklung hin zu dem, was dann endlich nach dem Tod kommt? Ich denke, das ist dabei. Aber das ist nicht das Wichtigste am Christentum. Das Christentum ist eine Religion für das jetzige Leben vor dem Tod.

Wir werden Gott ähnlich

Bei dieser Entwicklung, wir sind nicht mehr Kinder Gottes, sondern wir entwickeln uns weiter, da gibt dann der Johannesbrief noch einen zweiten Hinweis. "Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden." Wir sollen also ihm, dem guten Vater, der guten Mutter, dem, der im Bild für Gott steht, wir sollen ihm ähnlich werden. Das ist eigentlich genau die Kernherausforderung des Christentums: nachzufolgen, uns zu verändern, an Gott auszurichten, nicht nur Kinder zu sein, von ihm betreut, nicht nur Schafe von ihm geleitet, sondern irgendwann dazu kommen, diese Verantwortung selbst zu übernehmen, selbst zu wissen, was für uns gut ist, was wir als Christinnen und Christen tun sollen.

Wir sind in Beziehungen – und Gott ist dabei

Schaf und Kind hab ich eingangs gesagt, sind eigentlich Beziehungsbegriffe. Wenn wir jetzt schauen, wenn wir uns weiter entwickeln, vom Kind und Schaf hin zu Vatersein, Muttersein oder Hirtesein und schauen auf die Beziehung, in der wir stecken, dann merken wir, das hat viel damit zu tun, wie wir Menschen uns untereinander verhalten. Dann ist es eigentlich klar: Jeder Mensch – bei Kindern sieht man es am besten –braucht Vater und Mutter. Wenn er erwachsen ist, braucht er sie weniger. Wenn die Eltern alt sind, dann wird sogar das Kind zu Vater und Mutter und betreut die bettlägerigen alten Eltern. Da merken Sie, es sind in mehreren Rollen, wie wir durch das Leben gehen.

Wenn wir auf eine Beziehung schauen, auf eine enge Beziehung zwischen zwei Menschen, vielleicht zwischen Mann und Frau, zwischen Partner und Partnerin: Auch hier merken Sie, in einer Beziehung, da ist einmal der eine der Hirte, geht voran und führt und der andere folgt wie ein Schaf. Dann kehrt es sich aber auch wieder, und der eine wird zum Kind und braucht Hilfe und der andere gibt. Beziehungen sind eigentlich ein wechselseitiges Geben und Nehmen unter Menschen. Für mich ist dieser Johannesbrief genau die Herausforderung, das anzunehmen und zu merken: Wir müssen in beiden Rollen sein.

Wenn wir dann mitten in unseren menschlichen Beziehungen stecken, mit dem etwas komplizierten Geben und Nehmen und nicht ganz genau wissen, wie es geht und manchmal es auch sehr schwierig ist, dann zeigen für mich die beiden Texte des heutigen Tages etwas ganz Schönes und Einfaches. Man kann es nicht begreifen, aber man kann es annehmen. Bei all der Komplexität des Lebens in unseren Beziehungen: Irgendwie mischt auch dieser Gott dabei mit!

Winfried Bader
Pfarrhelfer

Der Browser, den Sie benutzen, ist stark veraltet. Er besitzt bekannte Sicherheitsschwachstellen und bietet nur begrenzten Komfort. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser hier.