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Schaufenster

Nachlese

18. Mai 2021 Von: Simone Marchon

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Simone Marchon am 16. Mai 2021 in St. Maria, Luzern

7. Sonntag der Osterzeit - Mediensonntag, Jahr B

Lesung aus dem Buch Genesis Kapitel 3 Verse 1-8

Den Bibeltext mit Predigtgedanken zum Herunterladen finden Sie unten als PDF.
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Predigtgedanken

Unabhängiger Journalismus ist der wichtigste "Impfstoff" gegen Desinformationen inmitten der Corona-Pandemie. Doch laut der neuen Rangliste der Pressefreiheit, die die NGO „Reporter ohne Grenzen“ am 20. April veröffentlichte, wird die freie Berichterstattung derzeit in mehr als 130 Ländern "ganz oder teilweise blockiert". Ein Jahr nach Beginn der Pandemie stünden Journalistinnen und Journalisten in vielen Teilen der Welt so stark unter Druck, wie selten zuvor.

„Komm und sieh“

Papst Franziskus setzt die diesjährige Botschaft des Mediensonntags unter den Aufruf “komm und sieh”, als Anregung für jede kommuni-kative Ausdrucksform, die klar und ehrlich sein will: in der Redak-tion einer Zeitung ebenso wie in der Welt des Internets, in der alltäglichen Verkündigung der Kirche wie in der politischen oder gesellschaftlichen Kommunikation. „Komm und sieh“ ist die Art und Weise, wie wir uns mitteilen sollten.

news or fake news?

Der Mensch hat die Fähigkeit, von seiner Erfahrung und von der Welt zu erzählen, und so die Grundlagen für das Gedächtnis und das Verständnis der Ereignisse zu schaffen. Wenn sich der Mensch aber von Hochmut, Gleichgültigkeit oder Egoismus leiten lässt, kann es passieren, dass die Wahrheit verdreht wird. Dafür haben wir in unserer modernen Welt einen Begriff: die fake news. Doch wann ist eine Meldung falsch … und wann ist sie wahr?

Die erste Falschmelderin in der Bibel ist die Schlange. Sie verdreht die Wahrheit so, dass die ersten Menschen davon verführt werden. Schon in diesem alten Text, ist das Verlangen nach Macht und Erkenntnis Teil des Kommunikationsverhaltens. Doch wo steckt genau die Sünde in dieser Geschichte …?

Eine Geschichte der Vertreibung

Nach der Auslegung von Talmudgelehrten liegt die wahre Sünde von Adam und Eva nicht im Essen vom Baum, sondern vielmehr in der Weigerung, dafür die persönliche Verantwortung zu übernehmen und stattdessen sich lieber zu Verstecken oder die Schuldzuweisung an die anderen ... Diese Geschichte ist also weniger eine Geschichte der Sünde, sondern eine der Vertreibung und der Geburt der Ethik. Von jetzt an geht ein Riss durch die Welt. Adam und Eva sind die ersten Vertriebenen der Menschheit.

Das Bild vom Vertrieben-Werden aus dem Paradies entspricht unseren Abschieden und Trennungen, beginnend mit der Urerfahrung von Hinausgetrieben-Werden aus dem Zustand von Urgeborgenheit und Einheit im Mutterschoß hinaus in eine unbekannte Welt. Und dennoch wissen alle, dass diese Vertreibung lebensnotwendig ist, die Geburt ins Leben. Gleichzeitig lernen wir nur auf diese Weise, was Leben heißt.

Gedankenexperiment

Was wäre denn, wenn Eva nicht nach der Frucht im Baum der Erkenntnis gegriffen hätte? Vielleicht würden wir noch immer unschuldsvoll träumend unter den Bäumen im Garten Eden sitzen, unbewusst und ahnungslos.

Es hat des Tabubruches bedurft, damit das erste Menschenpaar ins Leben hinein wachsen und reif werden konnte, um Gut und Böse zu erkennen und Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen in einer vollständigeren Sicht der Dinge – eine ebenso schmerzhafte wie notwendige Erfahrung.

Wir sind alles Geborene

So sind wir alles Geborene ... Wir haben diese eine Erfahrung gemeinsam, die uns prägt: dass wir nicht wissen, was vorher war. Dass wir aus der Urgeborgenheit, dem Paradies vertrieben wurden in die Welt hinein; dass wir mit dem Durchtrennen der Nabelschnur existenziell und symbolisch eigenständig wurden und doch so sehr verwiesen bleiben auf andere. Angewiesen, auf ein Netz, auf Kommunikation, ein Netz, das verbindet und trägt. Aber auch das andere, das Weltweite, das informiert, bindet, auch blind macht,  blendet und verkürzt.

Impfstoff in der Corona-Pandemie

Die Aufforderung: komm und sieh, stellt an uns die Aufgabe, hinzusehen und greift diese Vertreibung aus dem Paradies auf. Sie nimmt uns in die Verantwortung, auch die unangenehmen Meldungen anzuerkennen. Darum ist es wichtig, dass Journalistinnen und Journalisten hingehen und sehen und uns informieren, kritisch bleiben, und nicht zu Schreibtischtätern werden. Nur dank dem Mut freier JournalistInnen wird auch das gezeigt, was die erste Welt nicht sehen will.

Unabhängiger Journalismus ist der wichtigste "Impfstoff" gegen Desinformationen inmitten der Corona-Pandemie.

Simone Marchon
Pfarreiseelsorgerin

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