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Schaufenster

Willy Wiedmann: Gott antwortet Ijob aus dem Wettersturm (Ijob 38)

Nachlese

22. Juni 2021 Von: Winfried Bader

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags. Die Predigt mit den Lesungstexten finden Sie unten im Anhang als PDF. Da die Technik dieser Webseite sehr fehlerhaft ist, kann es sein, dass das PDF nicht angezeigt wird. In diesem Fall schicken wir es Ihnen auf Anfrage per Mail gerne zu.

Predigtgedanken von Winfried Bader an 20. Juni 2021 in St. Maria, Luzern

12. Sonntag im Jahreskreis, Jahr B

Ijob Kapitel 38 Verse 1.8-11
Evangelium nach Markus Kapitel 4 Verse 35-41

Die Dramatik des Seesturms auf dem See Gennesaret führte die dramatische Toccata von Froberger an der Orgel nochmals fort, liebe Schwestern, liebe Brüder! Am Ende löste die Dramatik sich in der Musik in einen wohltuenden, beruhigenden Dur-Akkord auf. Wie ist das für die Flüchtlinge, an die wir heute am Weltflüchtlingstag denken, wenn sie übers Mittelmeer kommen? Gibt es dort, falls sie Europa erreichen, auch die wohltuende Auflösung in Dur?

Dramatik bei Wind und Wellen

Und wenn wir einen Motorbootausflug machen und wie Jesus und seine Jüngerinnen auf dem See Gennesaret in einen Wetterumbruch kommen, was dann? Auch dann hoffen wir auf die Auflösung in Dur. Was Jesus und seine Jüngerinnen auf dem See Gennesaret erleben, das – so wurde mir als Student beigebracht – sei nichts anderes als ein ganz normales meteorologische Phänomen. Dort im heißen Israel, wenn es am Abend abkühlt, kommt es an diesem tief gelegenen See zu plötzlichen und heftigen Fallwinden, die einen für so kleine Boote dramatischen Sturm auslösen können. Aber so plötzlich diese Fallwinde auftreten, so plötzlich verschwinden sie nach kurzer Zeit. So war es dann die Erklärung, dass Jesus, der Wind und Wellen droht und den See zum Schweigen bringt, eigentlich nur ziemlich genau dieses meteorologische Phänomen kannte. Als der Sturm losbrach, schlief er noch ein wenig weiter, um dann im rechten Moment, wenn der Wind dabei war, sich zu legen, dramatisch dieses Wort zu sagen. Es ist eine Erklärung, damals modern, die sämtliche Wunder aus den Evangelien wegdiskutieren wollte. Es soll ja alles natürlich und wissenschaftlich zugehen, es soll historisch exakt sein, ohne uns glaubensmäßig zu fordern.

Wie lesen Sie Bibeltexte?

Was sind für Sie Bibeltexte? Dürfen Sie wundersam sein weil sie gerne an Wunder glauben? Oder sollen sie besser historisch oder naturwissneschaftlich exakt sein, weil sie dann „richtig“ sind? Für mich ist die Frage: Was hilft uns wirklich weiter? Wozu lesen wir diesen Text? Als Anweisung, wenn wir dann eines Tages am Abend mit dem Motorboot auf dem See Gennesaret sind? Das kann es doch eher nicht sein.

Eintauchen in die Erzählwelten der Texte

So finde ich es insgesamt bei Bibeltexten viel spannender, in sie einzutauchen, in ihre Erzählwelt. Einzutauchen im Sinne der lectio divina: Was kann ich persönlich aus diesem Text für mich heraus nehmen? Bei mir bleibt in diesem Evangeliumstext vor allem der letzte Satz, die letzte Frage der Jüngerinnen die große Herausforderung: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen? Welche Antwort finden Sie für sich darauf?

Deutung der Texte durch andere Texte der Heiligen Schrift

Die Jüngerinnen, vermute ich, haben diese Frage gestellt, weil sie davor schon die Antwort wussten, aber dann aus ihrer Schriftkenntnis die Frage nochmals ehrfürchtig wiederholen. Es ist nämlich genau die gleiche Frage, die Hiob gestellt bekommt. Hiob in dem kurzem Gespräch mit Gott, das wir vorher gehört haben, wird gefragt: Wer ist es denn, der dem Meer sagt; Deiner Wogen Stolz soll sich legen? Wer ist es denn, der dem schäumenden Meer die Tore verschließt? Es ist genau die gleiche Frage, wie sie die Jüngerinnen stellen: Wer ist denn das, der all dies geschehen lässt? Die Antwort ist eigentlich klar. Es ist den Jüngerinnen klar, sie ist dem Hiob klar: Es ist Gott!

 

Hiob wird mit vielen, vielen Fragen aus der ganzen Schöpfung – da geht es nicht nur um das Meer, sondern um Tiere und Pflanzen um die ganze Welt – klargemacht, wie groß und mächtig Gott ist, wie fürsorglich dieser Gott ist, wie fantastisch und ausgeklügelt durch seinen Plan auf dieser Welt alles zum anderen passt. Da muss dann Hiob staunend sagen: Ja, das bist du, o Gott! So mache jetzt auch mit mir, was du denkst.

Dramatik einer Gottesbegegnung

Bei den Jüngerinnen ist es das Gleiche. Sie haben die Antwort auf diese Frage schon begriffen, bevor sie die Frage stellten. Denn es ist spannend in diesem Text. Als der Sturm tobt, auf dem See, da wecken sie ihren Meister. Da heißt es von ihnen, sie seien verzagt. Als der Sturm sich legt, Wind und See dem Wort Jesu gehorchten, da heißt es: Jetzt bekommen sie eine große Furcht. Die große Furcht, die Phobie, bekommen sie in dem Moment, wo es ruhig wird. In dem Moment, als sie erkannten: Jetzt, in diesem Moment, war Gott im Spiel durch Jesus gewirkt, durch Jesus wirkend, wie auch immer, ob Jesus Gott selber ist oder in Vollmacht von Gott hier sein kann. Sie merken, begreifen, verstehen und bekommen deswegen diese Furcht: Hier ist Gott. Und wie geht es Ihnen, liebe Schwestern, liebe Brüder, wenn Sie die für sich entscheidenden Fragen stellen, wenn Sie spüren, da könnte Gott sein?: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Winfried Bader
Pfarrhelfer in St. Maria

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