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Schaufenster

Nachlese

11. August 2021 Von: Br. George

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Br. George am 8. August 2021 in St. Maria, Luzern

19. Sonntag im Jahreskreis, Jahr B 

Evangelium nach Johannes Kapitel 6 Verse 41-51

Liebe Mitglaubende!

In Kerala, woher ich komme, gibt es eine uralte Tradition unter den reichen Familien der hohen Kaste. Bevor sie ihre Türen schliessen und zum Abendessen gehen, kommt ein Familienmitglied aus dem Haus und ruft dreimal laut: Gibt es jemanden, der hungrig ist und nichts zu essen hat? Dies entspringt einer grundsätzlichen Überlegung: Habe ich das Recht schlafen zu gehen, wenn jemand in meiner Umgebung hungrig ins Bett geht? Dies ist zwar keine Lösung für den Welthunger, aber zumindest ein Zeichen im kleinen Rahmen.

Nahrung für Leib und Seele

Unsere Seele und unseren Körper zu nähren oder uns selbst zu ernähren, das ist die Botschaft, die aus den Schriftlesungen, welche wir gerade gehört haben, hervorgehoben wird.

In der heutigen Lesung hörten wir, wie Gott Elija mit einem Herdkuchen und einem Krug Wasser ernährt hat. Der müde Prophet isst zweimal und wird gestärkt, um seine Reise zu Gott fortzusetzen.

Im Evangelium setzt Jesus das göttliche Angebot der geistlichen Nahrung fort, die uns stärkt und heilt und uns ewiges Leben schenkt. Es sagt uns, dass Jesus das Brot des Lebens ist! An den letzten drei Sonntagen, einschliesslich heute, und an den nächsten beiden Sonntagen geht es im Evangelium um das Brot des Lebens. Ich denke, es ist kein Zufall, dass diese Reihe des Johannes-evangeliums fünfmal im Sommer das Thema 'Brot des Lebens' behandelt. Im Sommer, wenn wir in die Ferien verreisen, viel ausgeben, Feste feiern usw., kommt mir die Auslegung dieses Teils des Evangeliums in diesen Tagen so vor, als ob ich in einem Restaurant sässe, mein Lieblingsessen verspeise und sofort taucht ein unterernährtes Kind mit schmutzigen Kleidern vor mir auf. Wir erleben dann einen Gewissensbiss in uns.

Bei den Vorbereitungen für diese Predigt bin ich auf einen Satz gestossen: "Wir leben in einer Welt, in der die Menschen aller Kulturen und Glaubensrichtungen mehr nach geistiger Nahrung als nach körperlicher Nahrung hungern". Dem kann ich aber nicht zustimmen.

Leib oder Seele?

Ist also das Thema des heutigen Evangeliums "Brot", oder "Brot des Lebens"? Ich möchte nicht zwischen dem normalen Brot für das tägliche Leben und dem Brot des Lebens als Eucharistie unterscheiden. Das könnte uns den Gewissensbiss wegnehmen. Manchmal hilft uns die Frömmigkeit auch, die Realität zu vergessen. Aber für mich ist das Thema 'Brot', das tägliche Brot, wofür wir jeden Tag im Vaterunser beten. Solange es Menschen gibt, die in dieser Welt an Hunger sterben, entspricht es dem Thema ‘Brot’. Oder so lange mehr als 2 Milliarden Menschen keinen regelmässigen Zugang zu sicherer, nahrhafter und ausreichender Nahrung haben, ist Brot ebenfalls das Thema. Oder solange ich sehe, wie Menschen, die arm sind, in unsere Suppenstube im Kloster kommen, um etwas Einfaches zu essen, ist Brot das Thema, unser tägliches Brot.

Brot für die Welt

Zumindest für Jesus war das Essen ein echtes Thema. Nachdem er die Tochter des Jaïrus auferweckt hatte, bat er darum, ihr etwas zu essen zu geben. Jesus wartete auf die Jünger am See mit einem vorbereiteten Frühstück. Wie oft wird im Evangelium erwähnt, dass er vielen zu essen gab. Er wurde viele Male bei Tisch gesehen. Er hat die Jünger nicht getadelt, als sie Körner pflückten und assen, obwohl es Sabbat war.

Hunger in der Welt

Unser Problem ist nicht, dass wir nicht genügend Lebensmittel haben. Unser Problem ist nicht, dass wir zu wenig Restaurants haben. Ein wohlhabender Freund hat mir einmal gesagt: McDonald's ernährt mehr Menschen als jede andere Institution auf dieser Welt. Im Jahr 1968 betrieb McDonald's etwa 1.000 Restaurants. Heute gibt es weltweit etwa 39.000 Restaurants. Unter den Kindern ist nur der Samichlaus beliebter als McDonald's. Das Unternehmenssymbol – die goldenen Bögen – ist heute bekannter als das christliche Kreuz. Wir haben genug Restaurants, aber nicht genug, um den Hunger zu stillen. Dies ist ein Kontrast. Jedes Jahr sterben etwa 9 Millionen Menschen an Hunger und hungerbedingten Krankheiten. Ausserdem sterben jedes Jahr schätzungsweise 4 Millionen Menschen an Übergewicht und Fettleibigkeit.

Können wir den Welthunger beenden? Können wir eine Lösung für diesen Kontrast finden?

«Think global and act local»

Wir können die Welt nicht im Alleingang vom Hunger befreien. Ein Kapuzinerkollege hat mich einmal auf einen Satz aufmerksam gemacht: Think global and act local. "Global denken und lokal handeln". Das wird für Sie und mich etwas Praktisches sein. Sie und ich haben die Verantwortung, um auf lokaler Ebene für eine Lösung zu sorgen. Es gibt keine einfache Lösung für den Hunger in der Welt, aber das heisst nicht, dass das Problem nicht gelöst werden kann.

Ich wiederhole die grundsätzliche Frage aus der Tradition, die ich am Anfang erzählt habe. Habe ich das Recht schlafen zu gehen, wenn jemand in meiner Umgebung hungrig ins Bett geht? Dies ist zwar keine Lösung für den Welthunger, aber zumindest ein Zeichen im kleinen Rahmen.

Jesus wusste, dass seine Jünger:innen Nahrung brauchen, um ihre Reise fortzusetzen, und so machte er auf seine eigene "bodenständige" Art seine Botschaft mit Brot vergleichbar, aber mit dem Zusatz, dass dieses Brot DAS Brot war. Er war und ist das Brot, das uns füllt, nährt und satt macht, damit auch wir unsere Reise im Dienst fortsetzen können. In einem sehr weiten Sinne sollten wir alle "Nahrung für die Reise" für jeden sein, dem wir heute begegnen.

Br. George
Priester

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