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Schaufenster

Nachlese

21. Oktober 2021 Von: Simone Marchon

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigt zum 29.Sonntag im Jahreskreis Mk 10,38-45

 

liebe Frauen und Männer, liebe Kinder

Wie gehen wir mit Macht um?

„Bei euch aber soll es nicht so sein“: Das Wort Jesu über die Art und Weise, wie in unserer Welt Macht ausgeübt wird, wird zur Hauptfrage an alle, die sich Christen und Christinnen nennen, und zur Gretchenfrage an die Institution Kirche. Was ist bei uns anders als üblicherweise in Gesellschaft und Politik? Jedenfalls entscheidet sich an der Art und Weise, wie wir mit Macht umgehen, die Glaubwürdigkeit unseres Christ*inseins und unserer Kirche. Da lohnt es sich, auf das Evangelium des heutigen Sonntags genauer hinzuschauen.

zur Rechten und zur Linken

Jesus zieht es nach Jerusalem. Dort erwarten die, die ihn begleiten, aufgrund der biblischen Verheißungen, dass er dem Reich Gottes zum Durchbruch verhelfen wird. Darin wollen sich Jakobus und Johannes schon im Vorfeld die besten Plätze sichern. Sie gehören ja schließlich zu denen, die Jesus als erste berufen hat. Jesus lässt sich nicht darauf ein, wer die Plätze zu seiner Linken und zu seiner Rechten einnehmen wird. Sein Reich passt nicht in dieses Bild. Er zeigt den streitenden Jüngern auf, dass der Wunsch, ganz vorne zu sein, der Wunsch nach Machtpositionen, verbunden ist mit Unterdrückung und Machtmissbrauch anderen gegenüber.

Bei euch soll es anders zugehen

Jesus zieht eine bittere Bilanz, wie es in der Welt läuft – damals wie heute. Im Gegensatz dazu hält er es offenbar für möglich, dass es bei denen, die ihm folgen, anders zugehen kann: „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ (Mk 10,43f.) Die Größe eines Menschen zeigt sich für ihn nicht im Beherrschen von anderen, im Aufstieg auf der Karriereleiter, im Einnehmen der besten Plätze, sondern im Dienen. Das Wort „Dienen“ wird in der Antike für die Arbeit von Sklaven, Frauen und Kindern gebraucht. Eine Provokation für die Jünger also: jetzt sollen sie dienen, die doch davon geträumt haben, im Reich Gottes ganz oben zu sitzen?

in der Krise miteinander sprechen

Christus hat keine Bücher geschrieben, sondern mit den Menschen geredet. Es wird Zeit, dass wir wieder miteinander sprechen. Die Kirche im 21.Jahrhundert steckt in einer Krise, ihre Akzeptanz in der Gesellschaft schwindet.

und nun reagiert der Papst Franziskus darauf in dem er eine Kirche will, die miteinander spricht.

Er will eine synodale Kirche – eine Kirche, in der Menschen miteinander sprechen und aufeinander hören. Am 10. Oktober in Rom und am 17. Oktober in der Schweiz startet der dreistufige Weg zur Synode 2023: Er beginnt auf diözesaner Ebene, gefolgt von Kontinentalsynoden ab Herbst 2022 und endet 2023 auf Ebene Weltkirche mit der Bischofssynode in Rom. Das mag aufwändig erscheinen. Doch ein Prozess, bei dem es um Mitsprache, aber vor allem auch um die Stärkung des Zusammenhalts geht, braucht einen langen Atem. Denn es ist zugleich ein spiritueller Prozess, der weltweit geführt wird.

Hintergrund zum Synodalen Prozesse

Inspiriert wurde der Papst dabei nicht zuletzt durch den vor dem Hintergrund der Missbrauchskrise eingeleiteten Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland, der mittlerweile auch in anderen Ländern Schule gemacht hat.

Strittig ist, welche Intention der Papst mit seiner Initiative verfolgt. Will er sich die Dynamik des Synodalen Wegs zu eigen machen, betrachtet er ihn als Vorbild und Modell und will er ihn auf eine breitere, gesamtkirchliche Basis stellen? Oder will er dem Synodalen Weg Schranken aufzeigen?

 

ehrlich gesagt….

Man braucht keine Prophetin zu sein, um vorherzusagen, dass am Ende des weltweiten synodalen Prozesses keine Beschlüsse stehen werden, denen zufolge Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern erhalten, Bischöfe künftig vom Kirchenvolk gewählt werden und die Diskriminierung homosexueller Menschen endlich ein Ende findet. Solche Hoffnungen sind schon insofern verfehlt, als die Bischofssynode angesichts solcher Probleme nicht Teil der Lösung ist, sondern Teil des Problems. Sie ist kein Gremium, das in irgendeiner Weise demokratisch legitimiert wäre oder verbindliche Beschlüsse fassen könnte.

Trotzdem reden wir mit

Aber das Christentum war schon immer «faith in progress» . Insofern werden alle enttäuscht werden, die auf den weltweiten synodalen Prozess allzu grosse Hoffnungen setzen. Denn danach wird vordergründig alles beim Alten geblieben sein – und zugleich nicht. Denn Gespräche, Diskussionen und Debatten bewirken, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht, Veränderung.

Diese Veränderung geschieht langsam, für viele zugegebenermassen zu langsam. Aber sie geschieht. Denn auch wenn der weltweite synodale Prozess denjenigen, die in der Kirche das Sagen haben, nicht vorschreiben können, was sie zu tun haben – eines können sie ihnen vorschreiben: dass man ihnen zuhört. und darum finde ich es wichtig dass wir mitreden.

haben Sie Interesse mitzureden?

Wir bilden in der Pfarrei Gruppen von mind. 5 Personen und gehen dort die Fragen durch, die uns vom Bistum gestellt werden. Wenn ich ihr Interesse geweckt habe, bitte ich sie sich beim Sekretariat unserer Pfarrei zu melden.

Simone Marchon

 

 

 

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