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Schaufenster

Ulrich Leive, Gleichnis vom anvertrauten Geld

Nachlese

17. November 2020 Von: Franziska Loretan

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Dr. Franziska Loretan am 15. November 2020 in St. Maria, Luzern

33. Sonntag im Jahreskreis A
Evangeliumstext: Matthäus 25,14-30

Den Bibeltext mit Predigtgedanken zum Herunterladen finden Sie unten als PDF.

 

Liebe Mitfeiernde,
liebe Schwestern und Brüder zuhause am PC

Dieses Gleichnis fordert mich heraus, vor allem sein Schluss. Ich mag es nicht, wenn jemand so hart bestraft wird. Und ganz und gar nicht, dass Jesus ein solches Gleichnis erzählt haben soll. So soll es sein mit dem Himmelreich?

Höre ich das Gleichnis mit Blick auf unsere Welt, kommt es mir fast zynisch vor: Ja, so ist es doch: Diejenigen, die ein grosses Startkapital haben, können dieses vermehren und leben im Reichtum. Wer von Anfang an wenig hat, riskiert, auch das wenige zu verlieren, sich zu verschulden und im heulenden Elend zu landen.

Ein Blick auf die Situation Jesu

Es lohnt sich wohl, genauer hinzuschauen. Jesus ist auf dem Weg mit seinen engsten Freunden in Jerusalem angekommen. Die Auseinandersetzung um seine Person hat sich zugespitzt nach dem Einzug in die Stadt, seiner heftigen Kritik am Tempelbetrieb und den Streitgesprächen mit Vertretern der Pharisäer und Schriftgelehrten. Das Pesachfest steht bevor. Viele Menschen bringen Unruhe in die Stadt.

Jesus ist mit den Seinen auf dem Ölberg und blickt hinüber zum Tempel. Es herrscht eine angespannte Stimmung. Die Jüngerinnen und Jünger fürchten sich, vor dem, was kommt, und fragen ihn, wie es denn sein wird, am Ende.

Mathäi zum Letzten

Diese letzten Kapitel des Matthäusevangelium lesen sich wie ein Krimi:

In dieser Situation hält Jesus eine lange Rede. Er spricht von schrecklichen Ereignissen, Naturkatastrophen, Kriegen. Er mahnt zur Wachsamkeit und spricht in Bildern, in Gleichnissen davon: Dass es Geduld braucht beim Warten. Dass zu lernen ist vom Feigenbaum, der Blätter treibt, wenn der Sommer naht. Dass es gut ist, Vorrat zu haben, wenn es länger dauert, bis das Hochzeitsfest beginnt.

Es geht um die Zeit und die Stunde, die erhoffte und gefürchtete, wenn das vertraut gewordene Leben zu Ende ist. Und die Gemeinde des Matthäus ist ungeduldig, weil es länger dauert, bis sich endlich zeigt, dass Jesus der erhoffte Messias ist, das verheissene und erwartete Himmelreich endlich beginnt.

Ein Blick auf die Situation heute

Diese Dringlichkeit besteht für uns heute, 2000 Jahre später, nicht mehr. Das erwartete Ende ist nicht gekommen. Aber dass sich die Welt zum Bessern verändern, dass das Reich Gottes hier und dort aufscheinen möge, das ist so dringend wie eh und je. Dazu ist auch der Beitrag der Brüder und Schwestern Jesu nötig ist. Auch das gilt heute wie damals.

Was sagt das Gleichnis

Kehren wir also zum Gleichnis von den anvertrauten Talenten zurück. Der Mann, der auf Reisen geht, hat ein sehr grosses Vertrauen in seine als Diener bezeichneten Angestellten. 1 Talent Silbergeld entsprach damals 6000 Mal dem Tagesbedarf einer Familie. Gut 15 Jahre liess sich also davon Leben, von 5 Talenten also 75 Jahre – ein ganzes Leben lang.

Selbst jener, der nur ein Talent erhalten hatte, hätte also nicht sagen können, der Herr ernte, wo er nicht gesät habe. Geld zum Leben für 15 Jahre, ist nicht nichts. Weshalb hat er denn das ihm anvertraute Geld vergraben?

Das Gleichnis, so sehe ich es, will nicht Angst schüren oder auf einen ungerechten Herrn verweisen. Es will viel mehr ermutigen, das zu schätzen, was jede und jeder erhalten hat, und damit zu arbeiten.

Mit «Talent» wurde das Gewicht des Silbergeldes bezeichnet. Von da ist es nicht weit zum Talent, wie wir es verstehen: Als Gabe, Fähigkeit. Als das «Vermögen» – auch im Sinne von Können –, das jedem Menschen von Gott anvertraut ist.

Dann macht es durchaus Sinn, dass nicht jeder gleich viel bekommt. Menschen sind verschieden und haben unterschiedliche Talente. Es geht nicht darum zu vergleichen, oder das Mehr und Weniger aufzurechnen.

Vielmehr vertraut Gott jedem und jeder, dass sie das Anvertraute nutzen, damit arbeiten, es weiterentwickeln. Das kann eine schöne Stimme sein, ein Fussballtalent oder ein frohes Gemüt. Das kann die Fähigkeit sein, analytisch zu denken, oder andere Menschen zu lehren und leiten. Oder die Gabe, sich in andere einfühlen zu können und die, konstruktive Kritik zu üben.

Leben in Coronazeiten

Das Leben mit dem Virus in diesem Jahr verlangt viel von uns. Manche erhoffen sehnlichst einen guten Impfstoff oder ein Medikament, oder dass das Virus einfach verschwindet. Gerade in dieser Zeit, sind unsere Talente gefragt. Mit der je eigenen Gabe zu «wirtschaften», sie einzusetzen, lässt die Ungeduld vielleicht in den Hintergrund treten.

Wenn ich jemanden anrufe, um das Alleinsein einer Freundin zu unterbrechen, tut das beiden gut. Einen Spaziergang zu unternehmen, damit mir nicht die Decke auf den Kopf fällt, macht mich auch für andere erträglicher.

Handeln ohne Angst

Angst ist in der Regel eine schlechte Ratgeberin. Sich aus Angst einzuschliessen und – mit dem Gleichnis gesprochen – die eigenen Fähigkeiten quasi zu vergraben, führt nicht weiter. Es braucht vielmehr Ideen, wie wir die eigenen Talente auch in dieser Situation einsetzen, mit ihnen wirtschaften können.

Mir hilft es, auch in dieser Zeit das Vertraute zu pflegen: Am Morgen den Himmel zu betrachten, Nebel oder Sterne. Mich im Geist mit anderen Menschen zu verbinden, mit meiner Familie, mit jemandem der krank ist oder mir ihre Sorge anvertraut hat. Ich stehe dazu aufrecht und atme tief durch, geerdet und belebt vom Atem, von Gottes Geist. Mit einem Gebet und der Bitte um Segen, um dann gestärkt in den Tag zu gehen.

Unsere Fähigkeiten als Geschenk Gottes

Gott beschenkt jeden und jede mit Gaben und Fähigkeiten. Wir sind selber verantwortlich dafür, wie wir damit arbeiten. Wir tragen Verantwortung vor Gott und den Menschen.

Das ist uns zugetraut. Verheissen ist:

«Komm, nimm teil am Freudenfest Gottes.»

Amen.

Franziska Loretan

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