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Schaufenster

Nachlese

15. September 2020 Von: Gudrun Dötsch

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigt von Gudrun Dötsch am 13.9.2020 in St. Maria, Luzern


24. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A
Evangeliumstext: Matthäus 18,21-35

1. „Ich möchte mich entschuldigen, dass ich zu spät komme“ Ich stand im Stau.. ich konnte nicht anders weil…

Ich entschuldige mich…das heisst: Ich biete eine Ausrede an. Damit bin ich in guter Gesellschaft, denn dass Adam von der verbotenen Frucht gegessen hat schiebt er auf Eva ab, die ihn verführt habe, Eva schiebt weiter auf die Schlange, die sich nicht mehr herauswinden kann.

Es besteht ein wesentlicher Unterschied ob ich sage: „Ich entschuldige mich“ oder zu sagen: „Ich bitte um Entschuldigung“. Man kann sich nicht selbst entschuldigen, die Schuld abschütteln, sondern es braucht die Vergebung dessen, an dem ich schuldig geworden bin.

Es braucht innere Grösse und Mut, um Verzeihung zu bitten! Menschen, die ihre Schuld eingestehen und vor sich und den anderen ehrlich sind, haben meine ganze Achtung und Respekt. Aussprache, Wiederannäherung, Entgegenkommen sind die Früchte, die Menschen ernten, die um Verzeihung bitten können.

2. Um Verzeihung bitten und mehr noch Vergebung schenken können ist ein innerer Kraftakt. Nicht nur 7 mal sondern unzählige 77 mal braucht es, um vielleicht endlich den Rank zu finden.

In Zehner Potenzen spricht Jesus auch als er von den Schuldnern als Gleichnis erzählt: Der Knecht schuldet dem Herrn 10000 Talente, das waren je nach Wechselkurs 100 Millionen Denare; heute wären das etwa 6 Milliarden Franken. Keine Ahnung, wie der Knecht es geschafft hat, soviel Schulden anzuhäufen, auf jeden Fall ist es eine Summe, die er im Leben nicht wird zurückzahlen können. Der Herr erlässt ihm die Schuld. Der Knecht dagegen fordert von seinem Schuldner und Mitknecht, dem armen Schlucker, 8000 Fr. knallhart und gnadenlos zurück.

 o   Was heisst das für uns heute, wenn wir hören, dass in Deutschland jeder 10 Erwachsene überschuldet ist und nicht nachhaltig seine Rechnungen begleichen kann. 

o   Was heisst das für uns, wenn die Caritas Schweiz um eine Kollekte bittet für von Armut betroffene Menschen hier in der Schweiz.

o   Was bedeutet das für uns, dass jeder 10.Mensch auf dieser Erde unter der Armutsgrenze lebt.

o   Wir können auch noch nicht abschätzen, was die Corona-Krise für die Wirtschaft bedeutet. Wir sehen aber, wie viele Betriebe jetzt schon Kurzarbeit oder gar Konkurs anmelden müssen und wie viele unter uns bereits ihre Arbeit verloren haben. Das sind finanzielle und menschliche Katastrophen und Existenzängste.

Um Corona-Bond ringen die europäischen Politiker und konnten sich im Frühjahr  nicht einigen, die Schulden der anderen europäischen Länder mitzutragen und eine gemeinsame Haftung zu übernehmen. Das hätte die Solidarität überstrapaziert.

Um Solidarität wird auch im Namen der Flüchtlinge gerungen. Das abgebrannte Moria zeigt die Dringlichkeit.

3. Wir können dieses Feld verlassen, weil es in dem Gleichnis am Beispiel von Geld gezeigt wird, was Barmherzigkeit und Vergebung bedeutet. Schwieriger noch als Geldschulden sind moralische Schulden.

Es geht ja nicht um Kleinigkeiten. Das beweist die Summe, die Jesus im Gleichnis nennt: 10.000 Talente. Was wir vergeben sollen, sind nicht nur die Kleinigkeiten des Alltags: der vergessene Termin, das unpünktliche Erscheinen, das achtlos gesprochene Wort. Sondern auch das, was wirklich verletzt: die Beleidigung, der Seitensprung, der Betrug, die üble Nachrede…

Denn auch der Mensch, der Böses getan hat, ist nicht nur ein Bösewicht. Kein Mensch ist nur Täter. Die unendliche Würde, die einem jeden Menschen von Gott her zukommt, kann durch noch so schlimme Taten nicht verwirkt werden. Und auch die Gesellschaft kann ihm diese Würde nicht absprechen oder wegnehmen. Als Christen dürfen und müssen wir in jedem Menschen immer noch ein Ich entdecken, das von der Anerkennung Gottes lebt. Der Mensch mag äußerlich gesehen zum Raubtier oder falschen Schlange geraten – in den Augen Gottes ist und bleibt er eine Gegenüber, ein Geschöpf, dass Gottes Ebenbild in sich trägt.

4. Das ist und bleibt die christliche, die biblische Botschaft. Aber es ist eben eine Zumutung, eine Botschaft, an der wir ein Leben lang zu nagen haben. Es gibt Erlebnisse und Verletzungen, - grobe körperliche oder seelische Gewalt oder sexueller Missbrauch – die einen Menschen so tief verletzen, dass es verständlich ist, wenn einer oder eine sagt: Ich kann nicht, zumindest -noch nicht - vergeben. Die Verletzung ist so tief, die Schuld so gewaltig, die Enttäuschung so groß, dass Vergebung in einem solchen Fall ein nahezu übermenschlicher  Kraftakt ist.

Das Evangelium will unsere Gefühle, unsere Natur nicht vergewaltigen. Es will uns helfen, durch unsere Gefühle hindurch auch ganz anders und ganz neu zu denken und zu handeln.

Es ermöglicht den Gedanken, auch anders zu können.

Im Horizont des Evangeliums wird uns dann vielleicht ab und zu das scheinbar Unmögliche gelingen: Übergroße Schuld nicht anzurechnen. Vergangenes in der Vergangenheit zu lassen. Nicht nachtragend zu sein.

5. Der Mensch soll ebenso handeln wie Gott selbst.

Gottes Vergebung ist eine Ermutigung, auch bei Menschen auf Vergebung hoffen zu dürfen: Ich darf es wagen, meinen Fehler offenzulegen und um Entschuldigung zu bitten.

Gottes unzerbrechliche Liebe ist andererseits eine Aufforderung, Versöhnung und Vergebung zu gewähren, auch wenn es schwerfällt und ich nicht nur siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal mit mir ringen muss.

Noch einmal aus der Lesung: Groll und Zorn sind Gräuel. Denk an die Gebote und grolle deinem Nächsten nicht, denk an den Bund des Höchsten und übersieh die Fehler.

                                                          Gudrun Dötsch

Sie finden unten den Predigttext zusammen mit dem Evangeliumstext zum Ausdrucken als PDF.

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