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Schaufenster

Nachlese

28. Juli 2021 Von: Gudrun Dötsch

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigtgedanken von Gudrun Dötsch am 25. Juli 2021 in St. Maria, Luzern

17. Sonntag im Jahreskreis, Jahr B 

Evangelium nach Johannes Kapitel 6 Verse 1-15

Zu wenig

Eine wirklich gute Nachricht: Alle wurden satt und es blieb noch übrig. Noch eine gute Nachricht: Gemäss Welt-Hunger-Index gibt es auf der Welt weniger Hungernde seit dem Jahr 2000. Aber es sind immer noch 11% von 8 Milliarden. 690 Millionen Menschen leiden schwer an Mangelernährung, 140 Mill Kinder an Auszehrung. Über 5 Millionen Menschen sterben jährlich an Unterernährung. Die UNO zeigt auf, wo die Gründe liegen. An erster Stelle stehen gewaltsame Konflikte, dann wirtschaftliche Krisen und extreme Wetterverhältnisse, wie die Heuschreckenplage in Ostafrika in diesem Frühjahr. Und genau aus diesen Gründen sind aktuell 80 Mill. Menschen auf der Flucht – mehr als je zuvor.

5000 Männer waren es bei Jesus, Frauen und Kinder nicht mitgezählt. Alte, Kranke, Bettler, Blinde, Prostituierte, Reisende, ein paar neugierige Schriftgelehrte und Pharisäer. 200 Denare hätten sie gebraucht um damit ausreichend Brot kaufen zu können – 1600 Kg Brot. Dass Problem ist, dass weder Jesus noch seine Gefolgschaft Geld dabei hatten – keine Kupfermünzen und ganz sicher keine silbernen Denare. Jesus als Wanderprediger lebte von der Hand in den Mund und war auf Gastfreundschaft angewiesen.

Raum für Wunder

Wegschicken geht nicht! Auch wenn das Geld nicht reicht und man nicht weiss, wie man all die Menschen satt bekommen soll! Jesus schickt die Leute nicht weg und bewahrt die Ruhe, so als ob er schon wüsste, dass ein Wunder möglich ist. Und tatsächlich: Alle werden satt, es bleibt sogar noch viel übrig.

Die Frage ist also: Gibt es auch heute noch Platz für Wunder? Um welches Wunder würde ich Gott bitten wollen – da wo ich merke, dass meine Möglichkeiten und Kräfte an die Grenze des Machbaren stossen.

Die Jünger glauben auch nicht an Wunder: Zwei Fische und fünf Brote, das reicht nie und nimmer! Wo die Verzweiflung wächst, bleibt nur noch die blanke Hoffnung auf ein Wunder. Mit Gott zu rechnen, bedeutet, darauf zu vertrauen, dass seine Möglichkeiten unsere Vorstellung übersteigt.

Der Prophet bricht ein Tabu: Das Gerstenbrot ist für den Gottesmann bestimmt als Erstlingsgabe, um Gott zu bestechen dass er eine reiche Ernte schicke. Elischa verteilt das Gerstenbrot unter die hungrigen Leute. Das gefällt Gott: Aus dem Mangel wird ein Überfluss.

Bei Jesus ist noch weniger da und viel mehr Menschen. Es ist ein kleiner Junge, der ganz arglos den Jüngerinnen und Jüngern sein Wenig überlässt. Das Kind lebt die vertrauensvolle Offenheit, die an die Bergpredigt erinnert: Selig die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, sie werden satt werden. In dem Brot, das der Junge hergibt ist Liebe drin, Hingabe – im wörtlichen Sinn!

In Corona-Zeiten haben viele das Brotbacken neu entdeckt. Die Zeit, die dafür aufgewendet wird, macht das Brot so kostbar. Selbstgemacht schmeckt ein Brot doch ganz anders. Aus dem Nahrungsmittel wird ein Lebensmittel, das auch die Seele nährt.

Neue Wunder

„Neue Wunder“ besingt der Liedermacher Klaus Hoffmann. Er lädt darin ein, ein Haus zu malen mit allem, was dazu gehört: einen Zaun, Blumen auf dem Dach, einen Baum im Garten. Zum Wohlfühlen soll das Haus sein, sodass man sich gerne dorthin begibt. In allen Räumen sollte Liebe und Glück zu spüren sein. Aber ein Fenster sollte frei bleiben und nicht ausgemalt werden. Es sollte frei bleiben für die Wunder. Denn Wunder kommen – wie sie wollen, gehen sie ein und aus. Sie kommen, wie sie wollen und nicht wie bestellt. Es soll auf dieser Welt Platz bleiben für den Himmel. Denn Wunder, so der Liedermacher Klaus Hoffmann, gehören in jede wundervolle Welt.

Die Welt träumen

Also träumen wir von einer Welt, in der Brot verteilt wird und übrigbleibt. Würde das reichen, um die Welt zu verändern, wenn ich für mich nur das beanspruchte, was ich wirklich brauche? Bleibt dann genug übrig? Und weiter träumen … Wenn viele von uns zufrieden wären mit dem Genug und auf unnötigen Überfluss verzichten würden … Wenn das möglich wäre, würde ein Wunder in Erfüllung gehen: Alle würden satt und es würde sogar noch genug übrigbleiben.

Bis dahin ist es wahrscheinlich ein weiter Weg ist, den Welthunger mit vereinten Kräften zu besiegen. Fangen wir am besten im Kleinen an: Mit Wertschätzung und Dankbarkeit, genug zum Leben zu haben und sogar noch etwas mehr als das Notwendige.

     

  • Haben Sie sich ein Fenster offen behalten in ihrem Lebenshaus, das offen steht für Wunder, die der Himmel bereithält?
  • Wo stehen Sie gerade?
  • Was ist im Augenblick für Sie die grösste Herausforderung?
  • Wenn Sie sich ein Wunder wünschen dürften, welches wäre das?
  • Angenommen, die Wunder würden tatsächlich eintreffen, wie würde sich ihr Leben verändern?
  • Was würde sich dadurch für andere Menschen verändern?
  •  

Und Vorsicht – Wunder werden manchmal auf unerwartete Weise wahr. Gebete werden manchmal auf ganz unerwartete, andere Art erfüllt, als wir das gedacht hätten. Es ist nämlich so, dass sich der rote Faden nicht verliert. Es ist wie beim Faden der Ariadne: Wir fühlen uns vielleicht wie in einem Labyrinth gefangen, aber Gott hält den roten Faden fest, der uns den Weg nach draussen zeigt.

Bischof Dom Helder Camara wird der Satz zugschrieben: Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. wenn viele gemeinsam träumen ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit. In diesem Sinne zum Schluss:

Zu klein
Und zu winzig fühlt sich das Weizenkorn

Zu gross erschien ihm der Gedanke
Zu kühn die Idee
Nahrung zu sein
für all jene, die hungern und dürsten

Zu einsam war das Leben für unser Weizenkorn
es wurde kraftlos – starb

Was für mich allein zu kühn erscheint
bleibt doch mein Traum für alle
dachte sich ein zweites
tat sich zusammen
mit all den Mutigen
bis ein riesiger Haufen Weizenkörner
sich zusammenfand

gemeinsam trauten sie sich
in die Mühle des Lebens
die Leben bedeutet
und Sättigung
Leben für alle.

Gudrun Dötsch
Pfarreileiterin

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