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Schaufenster

Nachlese

12. Oktober 2021 Von: Gudrun Dötsch

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.

Predigt zum 27.Sonntag im Jahreskreis Mk 10,2-16

 

HERAUSGEFORDERT

Einmal mehr fordern die Gesetzeslehrer Jesus heraus mit ihrer Frage.

Die Antwort wissen sie ja schon. Im Gesetz steht, der Mann darf seiner Frau die Scheidungsurkunde ausstellen. Also warum fragen sie denn überhaupt dann noch?

Jesus bestätigt ihnen, was sie schon wissen.

 

Aber er wirft ihnen trotzdem einen Satz an den Kopf: Weil ihr so hartherzig seid, nur deshalb braucht ihr ein Gebot in dieser Frage.

 

Dann in der zweiten Szene, zuhause heisst es da, kommen die Jünger noch einmal auf die Frage zurück.

 

ENGE UND WEITE

Und tatsächlich findet Jesus eine Antwort, die das Gebot ausweitet: Wenn im Gesetz nur vom Mann aus gedacht war, das er seine Frau in die Wüste wegschickt, so bedenkt und eröffnet Jesus auch die Möglichkeit, das seine Frau sich von ihrem Mann trennt. Diese Möglichkeit hat das Gesetz des Mose nicht vorgesehen. Aber: Jesus heisst es nicht gut, egal wer von beiden den ersten Schritt zur Trennung macht, um sich einem anderen zuzuwenden.

 

VERLETZT

Ich bin mir bewusst, dass die Hälfte aller Ehen geschieden werden. Das bedeutet, dass dies in quasi jeder Familie ein Thema ist. Und es ist jedes Mal sehr schmerzhaft, man hat sich auseinandergelebt oder es gibt immer und immer wieder nur noch Streit und kein gutes Wort. es kann nicht der Wille Gottes sein, dass Partner auf Gedeih und Verderb zusammenbleiben müssen, wenn die Liebe tot ist und kein einziger Funke Hoffnung übriggeblieben ist. Jede Trennung bringt eine lange Phase des Schmerzes mit sich. Es zerplatzen Lebensträume. Für alle ist es schwer, nicht nur für das Paar, sondern auch für die Kinder und auch für Grosseltern, die oft den Kontakt zu den Enkeln durch die Scheidung verlieren. Und gerade weil es so ein grosses Leid ist und enttäuschte Liebe so tief verletzt, braucht es nicht noch zusätzlich Hiebe von aussen in der Form von gutgemeinten Ratschlägen oder gar Vorwürfen.

 

HARTHERZIG

Mir bleibt in dieser Bibelstelle der Satz hängen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch das Gebot gegeben.

Wie sähe denn das Ideal aus im Sinne Jesu? Das Ziel, das Jesus umtreibt und worum es immer wieder geht: Wie kann ein glückliches Leben gelingen? Wie finden wir Menschen das Leben in Fülle? Hartherzigkeit ist sicher nicht der geeignete Weg. Es geht nicht darum, was ist erlaubt und was nicht. Das Ausloten und bis an die Grenzen des Erlaubten zu gehen führt dazu, den anderen aus den Augen zu verlieren: Das gilt für alle Beziehungen und Systeme. Wo Menschen sich nicht aus der Verantwortung auch für den anderen denken und handeln und nur den eigenen Horizont im Blick haben, werden Beziehungen zerstört, geht das Vertrauen verloren. Das gilt im Kleinen für zwei Menschen in der Partnerschaft, der Familie genauso wie Beziehungen zu Banken, Versicherungen, Staatssystemen.

 

LIEBEN

Als Christ leben bedeutet für mich, mein Tun mit Gott in Verbindung zu bringen, mich rückversichern ob mein Denken und Handeln gut und richtig ist. Ob ich mit dem, wie ich mich verhalte meiner inneren Linie folge, die Gott in mich hineingelegt hat, ob ich mit dem übereinstimme, wie Gott mich gemeint hat.

Wenn ich Jesu Botschaft richtig verstanden habe, dann wäre das Ziel,

einen Konflikt oder ein Missverständnis frühzeitig zu erkennen und es nicht bis zu einem Zerwürfnis kommen zu lassen. Hartherzigkeit zementiert die Fronten.

Achtsamkeit und Behutsamkeit für die Feinheiten, das Hören auf die leisen Töne helfen, frühzeitig zu erkennen, wenn etwas aus dem Lot gerät.

Gott ist die Liebe. Daraus folgt: Als Christen sind wir der Liebe verpflichtet. Vielleicht auch einmal sich aus der Perspektive des anderen die Sache betrachten oder gar in einer stillen Stunde des Gebets fragen: Ist das das Leben in Fülle, das Gott für mich und für uns will?

 

In einem Gedicht von Erich Fried heisst es:

Wo lernen wir?

 

Wo lernen wir leben
und wo lernen wir lernen
und wo vergessen
um nicht nur Erlerntes zu leben?

Wo lernen wir klug genug sein
die Fragen zu meiden
die unsere Liebe nicht einträchtig machen
und wo
lernen wir ehrlich genug zu sein
und unserer Liebe zuliebe
die Fragen nicht zu meiden?

Wo lernen wir
uns gegen die Wirklichkeit wehren
die uns um unsere Freiheit
betrügen will
und wo lernen wir träumen
und wach sein für unsere Träume
damit etwas von ihnen
unsere Wirklichkeit wird?

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