Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Schaufenster

Im Fokus

Die Luzerner Alt-Nationalrätin Cécile Bühlmann und fünf weitere Frauen können sich nicht länger mit der patriarchalen Kirche identifizieren und sind ausgetreten. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat eine Aussage von Papst Franziskus zur Abtreibung.

«Anstoss zu verstärktem Engagement» - Stellungnahme der Katholischen Kirche Stadt Luzern

3. Dezember 2018 Von: Urban Schwegler

Sechs bekannte Schweizer Katholikinnen sind öffentlich aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten (Namen siehe unten). Sie verstehen diesen Schritt als Protest gegen die Amtskirche, die von Frauenfeindlichkeit und Klerikalismus geprägt sei. In einer Stellungnahme zum Austritt der Frauen bekräftigt die Katholische Kirche Stadt Luzern ihr Engagement für die Menschenrechte, demokratische Standards und die uneingechränkten Rechte der Frau.

Die Stellungnahme im Wortlaut

Sechs Frauen, die in der Vergangenheit für die Kirche und die christlichen Werte in unserer Gesellschaft wertvolle Beiträge geleistet haben, wollen nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche identifiziert werden. Wir verstehen ihr öffentliches Zeichen als Aufruf an unser Engagement und unsere Verantwortung.

Diese Frauen haben die Hoffnung verloren, dass sich unter Papst Franziskus das patriarchale kirchliche System noch ändern könnte. Dieses Gefühl der Resignation ist uns nicht fremd – auch angesichts der geringen Wirkung vieler konkreter Reformansätze und Protestaktionen in den letzten fünfzig Jahren. In der römisch-katholischen Kirche wurden immer wieder Kritiker/innen an den Rand gedrängt und alternative Formen ausgegrenzt. Menschenwürde und rechtsstaatliche Standards wurden regelmässig missachtet – durch Deckung von sexuellen Gewaltverbrechen und die Diskriminierung von Frauen, Homosexuellen und wiederverheiratete Geschiedenen. Die sechs Frauen klagen die Erinnerung an diese Tatsachen zu Recht ein. Wir sehen das Leiden dieser Menschen als Verpflichtung zum Handeln.

Leider zeichnet sich ab, dass es bei der römisch-katholischen Kirche massiven Druck von einer kritischen Öffentlichkeit braucht, damit Menschen- und Christenrechte sich endlich durchsetzen. Wir sind bereit, mit allen Menschen guten Willens in dieser Richtung zusammenzuarbeiten, denn wir stehen für diese Rechte ein.

Immer wieder nutzen Verantwortliche unserer Kirche – unter ihnen auch Bischof Felix Gmür – Handlungsspielräume zur Entwicklung einer offenen, nicht ausgrenzenden Kirche. Wir wünschen uns, dass sich diese Bestrebungen intensivieren und Signalwirkung erlangen werden. Ebenso unterstützen wir den Einsatz von Bischöfen, Ordensoberen/innen und anderen Entscheidungsträger/innen für die Veränderung der geltenden Bestimmungen auf Weltebene. Angesichts des rasant wachsenden Glaubwürdigkeitsverlustes unserer Kirche rufen wir sie auf, noch entschiedener aufzutreten und mutiger zu handeln als bisher.

Als Luzerner Ortskirche wollen wir unsere Verbundenheit mit vielen Christinnen und Christen in unseren Schwesterkirchen und anderen Ortskirchen stärken, in denen die Menschenrechte, Gleichwertigkeit von Frauen und Männern, demokratische Spielregeln und der Respekt vor den Gewissensentscheidungen der Menschen klare Richtlinien sind. Wir wollen weiterhin glaubwürdig Kirche sein vor Ort und nahe bei den Menschen. Auf der Basis der Frohen Botschaft und im Einklang mit den Menschenrechten setzen wir uns ein für Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität. Unser Engagement gilt allen Menschen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder sozialen Stellung.

Luzern, 26. November 2018

Katholische Kirche Stadt Luzern


Die sechs ausgetretenen Frauen

- Cécile Bühlmann, ehem. Nationalrätin und ehem. Geschäftsleiterin des cfd
- Anne-Marie Holenstein, Mitgründerin "Erklärung von Bern", ehem. Direktorin Fastenopfer
- Monika Stocker, Sozialpolitikerin, ehem. Nationalrätin und ehem. Stadträtin Zürich
- Doris Strahm, feministische Theologin und Publizistin
- Regula Strobel, feministische Theologin und Hotelière
- Ruth-Gaby Vermot, ehem. Nationalrätin und Mitglied des Europarates 

Dokumente und Reaktionen

In den folgenden pdf-Dokumenten zum Herunterladen finden Sie die Medienmitteilung zum Austritt der sechs Frauen sowie weitere Reaktionen.

Der Browser, den Sie benutzen, ist stark veraltet. Er besitzt bekannte Sicherheitsschwachstellen und bietet nur begrenzten Komfort. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser hier.