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Im Fokus

Christian Herwartz, Jesuit und Arbeiterpriester, lebte vierzig Jahre in einer Berliner Wohngemeinschaft, einem Treffpunkt für religiös Suchende und sozial Bedürftige. Heute wirkt er vor allem als Begleiter von Exerzitien auf der Strasse. Photo: Chr. Ender

«auf der Strasse Gott begegnen»

7. September 2018 Von: Marco Schmid

Die Strasse ist ein guter Ort für Exerzitien - geistige Übungen -, sagt der deutsche Jesuit Christian Herwartz. Ein Gespräch über Gottesbegegnung, verborgene Sehnsüchte und über jene die Aufmerksamkeit blockierende Sicherheiten.

Worum geht es bei Strassenexerzitien?
Christian Herwartz: Wir wollen den Auferstandenen dort entdecken, wo er auf jeden Einzelnen wartet. Bei Strassenexerzitien geschieht dies in grösstmöglicher Offenheit an zufällig oder bewusst aufgesuchten Orten im öffentlichen Raum, in der Begegnung mit anderen und uns selbst.

Wie kann man in diese Offenheit kommen?
Christian Herwartz: Den Ansatz zur Offenheit und Achtsamkeit nehme ich aus dem zehnten Kapitel des Lukasevangeliums, wo Jesus seine Jünger in die Welt voller Wölfe schickt. Nach diesem Vorbild gebe ich den Übenden bei Strassenexerzitien den Rat mit auf den Weg: Nehmt kein Futter für die Wölfe mit, das heisst, lasst das Geld weg. Legt auch den Rucksack mit anderen Sicherheiten weg. Fühlt ohne Schuhe, wo ihr seid. Und der letzte Ratschlag kann wohl auch nur übertragen verstanden werden: Grüsst niemanden unterwegs (2 Kön 4,29). Das ist nicht unhöflich gemeint, sondern wir sind eingeladen, aus dem Müssen herauszutreten. Denn damit segmentieren wir die Wirklichkeit und nehmen sie nicht ganz wahr.

In den Strassenexerzitien werden die eigenen Grundsätze deutlich.
Christian Herwartz: Ich freue mich, wenn die Teilnehmenden – ich nenne sie die Übenden – merken, dass die Menschen auf der Strasse unsere obdachlosen Geschwister sind. Doch die Exerzitien sind keine Schule. Da gibt es kein Ziel, sondern ein In-Sich-Gehen und sich von der eigenen Sehnsucht leiten und ansprechen lassen.

Der eigenen Sehnsucht zu folgen ist zentral in den Strassenexerzitien?
Christian Herwartz: So ist es. Ich pflege am Anfang der Strassenexerzitien die Übenden zu fragen, worüber sie sich wirklich ärgern, oder worüber sie Trauer empfinden? Diese Gefühle löst die Sehnsucht nach Veränderung aus. Wenn die eigene Sehnsucht entdeckt ist – ein grosser Schritt nach vorne – frage ich mit den gefundenen Stichworten, wie derjenige heisst, der uns diese Sehnsucht schenkte. Gläubige Menschen spüren in der eigene Sehnsucht die Handschrift Gottes, die uns Würde verleiht.

Gibt es noch weitere wichtige Elemente in den Strassenexerzitien?
Christian Herwartz: Der Austausch in der Gruppe. Von anderen Übenden oder von den Begleitpersonen bekommen die Übenden Unterstützung, um die eigene Sehnsucht besser zu begreifen und die Richtung des eigenen Suchens in der Strasse zu entdecken. Der Austausch am Ende des Tages hilft das Erlebte besser zu verstehen. Dabei können vorher unauffällige Details auf einmal durch den Blick des anderen zu einem entscheidenden Verstehschlüssel für die auf der Strasse gemachten Erfahrungen werden.

Was können die Strassenexerzitien für den eigenen Glauben bedeuten?
Christian Herwartz: Jeder hat einen Teil, wo er glaubt oder nicht glaubt. Man wird staunen, wenn man merkt, dass man zu einem guten Teil Buddhist oder Atheist ist. Es geht darum, keine Angst zu haben, genau hinzusehen, wie man wirklich ist und mit dieser Wirklichkeit Gott zu suchen. Viele, die bei den Strassenexerzitien mitmachen, sind religiös, auch wenn sie das manchmal noch gar nicht wussten.


Lesung mit Christian Herwartz:

Der Jesuit P. Christian Herwartz stellt die Strassenexerzitien vor.
Freitag, 14. September, 19.00, Pavillon «Hello Welcome», Kauffmannweg 9

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Strassenxerzitien in Luzern - Mit P. Christian Herwartz

Samstag, 15. September, 9.30; Treffpunkt: Pavillon «Hello Welcome», Kauffmannweg 9; Abschluss circa 17.00; Anmeldung: marco.schmid@kathluzern.ch

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P. Christian Herwartz im Gespräch

vimeo.com/134483707

 

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