Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Schaufenster

Im Fokus

Ludwig Wicki, seit 20 Jahren Stiftskapellmeister an der Luzerner Hofkirche.

Ludwig Wicki dirigiert Ennio Morricone

14. November 2018 Von: Heinz Siegrist

Der bekannte Luzerner Musiker Ludwig Wicki feiert sein 20-Jahrjubiläum als Stiftskapellmeister an der Hofkirche. Nebst der Uraufführung einer Messe des bekannten Filmkomponisten Howard Shore am 25. November in der Hofkirche (11 Uhr), steht auch das Konzert vom 24. November mit der "Missa Papae Francisci" von Ennio Morricone und weiteren Meistern im Zusammenhang mit Wickis Jubiläum als Stiftskapellmeister (Hofkirche, 19.30). Dazu ein Interview mit dem Jubilaren.

Was für einen persönlichen Bezug haben Sie zur Musik von Morricone?
Eine Schallplatte von Morricone war eine der ersten Filmmusikaufnahmen, die ich angehört habe. Es war auch der Moment, wo ich Filmmusik entdeckt habe. Seitdem wollte ich Filmmusik machen und war von Anfang an fasziniert davon. 

Wo gibt es Berührungspunkte zwischen diesem Chorwerk und Morricones Filmmusiken?
Morricone ist ein Komponist, der alle seine Kompositionsstile in der Filmmusik verwendet. In der Messe gibt es Klänge, die sich an die Musik von Mission anlehnen. Dies macht auch Sinn, da die Messe Papst Franziskus gewidmet ist. Er war zuvor Jesuitenpater in Südamerika und von einem Jesuitenpater in Südamerika handelt auch der Film.

Hatten Sie bei den Vorbereitungen für das Konzert persönlichen Kontakt mit Ennio Morricone?
Ich durfte Ennio Morricone mehrmals in Rom treffen und bekam von ihm persönlich auch die Partitur, sowie von seinem Bibliothekar die Orchester- und Chornoten. Es waren besondere und schöne Begegnungen.

Wie sind Sie auf diese Messe von Morricone gestossen?
Morricones Werk hat mich immer interessiert. Eigentlich wollte ich ein Konzert mit ihm und seinem Oratorium im KKL Luzern durchführen. Dadurch entdeckte ich diese Messe und fand sofort, dass diese im sakralen Rahmen aufgeführt werden sollte.

Was veranlasste Morricone, diese Messe zu schreiben?
Die Messe hat er zum 200-jährigen Jubiläum der Compagnia di Gesu in Rom geschrieben und die Uraufführung fand 2015 in Rom unter der Leitung von Ennio Morricone statt. Seither wurde sie nur noch einmal dort mit ihm aufgeführt. Wir sind nun die ersten, die dies nach Morricone ausserhalb von Rom aufführen.

Gibt es eine bestimmte Stelle in der Messe, die Sie besonders berührt hat?
Das sind die ganz zarten und mystischen Klänge im Agnus Dei und der klangvolle und freudige Schlussteil.

Ist der lateinische Messetext für ein zeitgenössisches Werk noch angemessen?
Texte und ihre Verständlichkeit sind immer wieder ein Thema. Ich liess gerade in diesem Jahr eine Messe mit lateinischem Text von Howard Shore schreiben. Ich glaube, dass so eine Musik nicht durch ihre Textverständlichkeit in unsere Seele gelangt, sondern durch ihre Spannungen, Harmonien, Bewegungen und die Atmosphäre, welche ein Komponist kreiert. Der Komponist studiert ja diesen Text und gibt seine Gefühle preis. Das ist, was die Zuhörer erreicht. Lateinisch ist auch eine sehr klangvolle und gesangliche Sprache, was der Musik zugutekommt.

Neben der Aufführung von Morricones Messe werden auch Werke von Gabrieli und Verdi dargeboten. In welcher Hinsicht gibt es Bezüge zwischen deren Werken und Morricone?
Die Bezüge zu Morricones Vorfahren könnte man in folgenden Beispielen finden: Morricone schrieb seine Messe für zwei Chöre, also mehrchörige Musik, die ihren Ursprung in der Renaissance, nämlich der venezianischen Mehrchörigkeit hat. Zu deren Hauptvertreter gehörte Giovanni Gabrieli. Von Guiseppe Verdi hat Morricone sicher die farbigen Harmonien und die dramatische Klangsprache übernommen.

Warum wird auch heutzutage noch frühbarocke Musik von Gabrieli in Konzerten aufgeführt?
Die Frühbarocke Musik von Gabrieli hört man leider nicht mehr so oft in Konzerten. Ich bin persönlich ein grosser Verehrer dieser Musik. Mich fasziniert vor allem die Sinnlichkeit und Klangpracht dieser Kompositionen. Aber auch die innere Ruhe und Zufriedenheit, die sie auslöst, in unserer hektischen Welt eigentlich etwas sehr Wertvolles. Dass sie nicht oft aufgeführt wird, hat verschiedenen Gründe. Es ist nicht so einfach, die richtigen Noten zu finden, die Stilkenntnis fehlt heute oft und dazu wirkt die Musik spontan nicht gleich spannend wie diejenige von Bach, Händel oder Vivaldi.

Verdi gilt als bekanntester Opernkomponist. Was hat Verdi veranlasst, die hier aufgeführten Chorwerke zu komponieren?
Nach Aida machte Verdi eine grössere kompositorische Pause und schrieb kleinere religiöse Werke. Da entstand unter anderem das Pater Noster. Gegen Ende seines Lebens kehrte Verdi mit den Quattro Pezzi Sacri zu seinen Ursprüngen als Kirchenmusiker zurück. Daraus singen wir das Ave Maria und Laudi all Vergine Maria.

Was darf das Publikum vom anstehenden Konzert in der Hofkirche erwarten?
Einen Abend mit wunderschönen und mystischen Klängen, sowie kraftvollen, freudigen und dramatischen Momenten.

Warum haben Sie sich für die Hofkirche als Konzertsaal entschieden?
Es ist ein Raum mit einer besonderen Atmosphäre, in dem ich sehr gerne musiziere. Ausserdem bin ich selber Stiftskapellmeister der Hofkirche und habe dadurch einen besonderen Bezug zur Hofkirche.

Weshalb haben Sie für dieses Konzert den 21st Century Chorus gewählt, der sich ja sonst eher auf Aufführungen von Filmmusik spezialisiert hat?
Ich finde es wichtig, dass der 21st Century Chorus als spezieller Filmmusik-Chor sich auch mit der anderen Musik von Filmkomponisten beschäftigt. Das fördert die Qualität und die Ausstrahlung des Chores. Zudem ist es für den Chor wichtig, ab und zu ein komplettes Programm alleine zu bestreiten.

Sie dirigieren weltweit einige der berühmtesten Sinfonieorchester. Was schätzen Sie am Luzerner 21st Century Orchestra besonders?
Am 21st Century Orchestra schätze ich die Leidenschaft und Spielfreude. Aber, was noch wichtiger ist, ich kenne die Musikerinnen und Musiker sehr gut und arbeite generell sehr gerne mit Menschen, die ich auch persönlich etwas näher kenne. Ich fühle mich in Luzern zuhause und bin sehr glücklich, hier tätig zu sein. Das war auch der Grund, wieso ich das 21st Century Orchestra gegründet habe, damit ich meinen Traum, Filmmusik im Konzertsaal aufführen zu können, zuhause verwirklichen konnte.

Interview: Heinz Siegrist


Veranstaltungen zu Ludwig Wickis Jubiläum als Stiftskapellmeister

     

  • Chorkonzert
    SA, 24. November, 19.30, Hofkirche
    Zum 90. Geburtstag des Filmkomponisten Ennio Morricone werden dessen «Missa Papae Francisci» sowie Werke von Giovanni Gabrieli und Giuseppe Verdi aufgeführt.
  • Festgottesdienst zu Christkönig
    SO, 25. November, 11.00–13.30, Hofkirche
    Die Pfarrei Leodegar im Hof feiert in diesem Gottesdienst mit Ludwig Wicki sein 20-Jahr-Jubiläum als Stifts-Kapellmeister. Neben der Uraufführung von Howard Shores «Missa brevis» für Chor a cappella stehen die Werke «Peace» für Chor und Orgel und Giovanni Gabrielis «Doppelchörige Motetten» auf dem Programm.
  •  

Der Browser, den Sie benutzen, ist stark veraltet. Er besitzt bekannte Sicherheitsschwachstellen und bietet nur begrenzten Komfort. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser hier.