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Kreuzwege von heute

28. Oktober 2019 Von: Florian Flohr

In der Peterskapelle wurde der klassische Kreuzweg für die Dauer einer Ausstellung abgehängt. Stattdessen werden Bilder aus den Kunstwerken von Geflüchteten gezeigt. Warum?

Ein radikaler Revolutionär wird zum Tod verurteilt. Der Mob ruft: Bravo! Todesart: die grausamst mögliche.

Der «Loser» wird verspottet. Der Hohn der Soldateska ergiesst sich über ihn. Sein letzter Besitz wird geplündert.

Die Folter wirkt, das Opfer bricht zusammen – drei Mal.

Nur ganz wenige zeigen sich solidarisch mit dem Verfemten. Der Schmerz der Familienangehörigen ist unbeschreiblich.

Die politische Botschaft zur Todesstrafe ist klar: Wer das herrschende System angreift, dem wird es so gehen wie ihm!

Der Todeskampf ist lang und grauenhaft. Verzweiflung ergreift den Gemarteten.

Wenigstens ein ordentliches Grab bekommt er. Seine Mutter und ein reicher Freund legen ihn hinein. Alle anderen Sympathisantinnen und Sympathisanten haben sich verdrückt, bis auf zwei Frauen.

So lässt sich das zusammenfassen, was normalerweise hier in vierzehn Bildern dargestellt wird. Klassisch wird es Kreuzweg genannt. Es geht um ein Geschehen vor bald 2000 Jahren, aber es bleibt hochaktuell. Und deshalb hat das Team der Peterskapelle angeboten, dass während der Ausstellung «ankommen» statt des Kreuzwegs zeitgenössische Fotos von Andreas Achermann aufgehängt werden.

Vieles, was in den Bildern steckt, stellt einen heutigen Kreuzweg dar.

Die Bilder erzählen von Menschen, die durch Krieg und Flucht zum Tod verurteilt und gefoltert werden.

Das Leid getrennter und zerstörter Familien wird sicht- und spürbar.

Die Ordentlichkeit und der Frieden in der Schweiz verstärken den Schmerz über Chaos, Zerstörung und Tod in der Heimat.

Die Schiffe erinnern uns an das unwürdige Grab zehntausender Menschen im Mittelmeer.

Der Friedenstauben wirken zerbrechlich, die Rufe «Stop war» und «Respekt» verzweifelt – und auf der Suche nach Sympathisanten/innen.

Der Kreuzweg soll trotzdem nicht niederdrücken und Resignation züchten. Auch darin stimmen klassische Kreuzwege und diese Bilder überein. Mut und Tapferkeit sind gefragt, Solidarität, die nicht allein an Zahlen gemessen wird, und Heimweh nach einer Zukunft, in der der Tod nicht das letzte Wort hat.

Deshalb sind wir dankbar für diese Bilder in der Peterskapelle, dankbar den Geflüchteten und ihren Werken, den Initianten/innen und dem Fotograf.

Austellung «ankommen»
bis Sonntag, 3. November, Peterskapelle
weitere Infos zur Ausstellung

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