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Lektorinnen-Fortbildungstag Online

27. Januar 2021 Von: Winfried Bader

Die Lektorinnen und Lektoren im Pastoralraum Luzern lassen sich auch durch Corona in ihrem Engagement, das Wort Gottes in den Gottesdiensten möglichst gut zu verkünden, nicht stoppen: Am Samstag, 23. Januar 2021, fand anlässlich des Sonntags des Wortes Gottes ein Lektorinnen-Fortbildungstag erstmals online statt.

Zusammen waren es fünfzehn Teilnehmende: Lektorinnen und Lektoren, Theologinnen und Theologen, die sich am Samstagmorgen – manche ganz mutig, da es für sie eine Premiere war mit diesem Kommunikationsmedium – in das Zoom-Meeting einloggten. Spannend war der Blick in die verschiedenen Wohn- und Arbeitszimmer. Die erste Frage des Moderators Dr. Winfried Bader: „Wo sitzt du?“ vermittelte mit der Schilderung des Blicks aus ihrem Fenster eine eindrückliche Sicht auf unseren Pastoralraum.

«Was, wenn das Wort stockt?»

Diesem Problem aus der Praxis widmete sich die eingeladene Referentin Dr. Veronika Bachmann im ersten Impulsvortrag des Tags. Es ging um «schwierige» Bibeltexte und Strategien, damit umzugehen.

Schwierig können Bibeltexte aus unterschiedlichen Gründen sein: Gewalt schreckt ab, manche Texte erscheinen sprachlich als peinlich, der fast 7000 Mal auftauchende HERR bereitet durch seine patriarchal dominante Ausstrahlung Probleme oder es gibt Wertvorstellungen, z.B. im Verhältnis von Frau und Mann, die wir heute nicht mehr teilen.

Die Bibelwissenschaftlerin Dr. Veronika Bachmann, die selbst Lektorin in St. Karl ist und als Dozentin am Religionspädagogischen Institut unterrichtet, nannte zunächst die typischen Mechanismen, solchen Schwierigkeiten mit biblischen Texten auszuweichen.

Den Schwierigkeiten ausweichen

Die einfachste und wahrscheinlich auch häufigste Methode mit diesen Schwierigkeiten umzugehen ist, die Bibel erst gar nicht aufzuschlagen. Wer dann doch liest, weicht den Schwierigkeiten durch selektives Lesen aus, d.h. die schwierigen Passagen werden  übersprungen. Beliebt ist auch, schwierige Stellen symbolisch oder allegorisch zu deuten. Dann gibt es noch das autoritäre Argument: Was in der Bibel steht, gilt! Das musst du einfach glauben!

Ein verantworteter Weg

Den Schwierigkeiten nicht auszuweichen, sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen ist zwar mühsam, aber am Ende gewinnbringend. Die Texte genau zu lesen, ist eine erste Empfehlung von Dr. Veronika Bachmann, die sich auch im Zentralvorstand des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks für die Verbreitung des Bibellesens bemüht. Genaues Lesen gibt einen zweiten Blick auf die Texte. Was zuerst schwierig erschien, löst sich dann auf in wertvolle Aussagen.

Oft reicht es auch schon, in andere Bibelübersetzungen zu schauen. Z.B. ist die vor wenigen Tagen am 21. Januar 2021 vollständig neu erschienene BasisBibel eine hilfreiche und verständliche Übersetzung in heutiger Sprache. Auch gibt es leicht zugängliche Ressourcen zu den Lesungen der Sonntage im Netz, z.B. bei den Bibelwerken in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Und der störende HERR lässt sich durch das Wissen entschärfen, dass damit eigentlich der Name Gottes, JHWH, gemeint ist, dass man diesen Namen auch aussprechen kann oder dass man – wie im Judentum üblich – durch andere Gottestitel umschreiben kann: der EWIGE, LEBENDIGE oder BARMHERZIGE.

«Wort Gottes oder Worte Gottes?»

Dieser Frage widmete sich der systematische Theologe und Pfarrer von St. Paul Dr. Rafal Lupa.  In seinem Vortrag machte er sich auf die Suche, wo denn das Wort Gottes zu finden sei. Gemäss der alten Vorstellung der «Verbalinspiration» sind alle Wörter der Bibel von Gott diktiert und damit seine Worte. Das zweite Vatikanische Konzil sieht das anders: «Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte.»(Dei Verbum 12.)

Die Frage nach dem Wort Gottes ist auch die Frage nach der zentralen Botschaft Gottes an uns Menschen. Für Dr. Rafal Lupa ist es vor allem das eine menschgewordene Wort Gottes, Jesus unser Menschenbruder. Durch ihn spricht Gott sein Wort der Liebe.

«Wort des lebendigen Gottes»

Mit dieser liturgischen Formel zum Schluss der Lesung drückt die Lektorin oder der Lektor aus, dass Gott auch durch den gelesenen Text seine Liebe zusprechen will. Die Formel «Wort des lebendigen Gottes» bestätigt, dass dieser Text aus den vielen in der Geschichte entstandenen religiösen Texten durch die Glaubensgemeinschaft ausgewählt wurde, HEILIGE Schrift, d.h. «Wort Gottes» zu sein. Sie spiegelt die Erfahrung wieder, dass in diesem Text die «bewährte Kraft steckt, Religion in die Herzen der Menschen zu zünden» (Schleiermacher). Es ist eine Aufforderung an die hörende Gemeinde, sich mit diesem Text auf den Weg zu religiösen Erfahrungen zu machen.

Mehrere sind besser als eineR

Am Nachmittag gab es nochmals eine neue Online-Erfahrung. Statt zusammen auf nur einem Bildschirm zu sein, wurden die Teilnehmenden vom Moderator Dr. Winfried Bader in «Break out Rooms» geschickt. Plötzlich fanden sich die Teilnehmenden durch den Zufall gesteuert in kleinen Gruppen von drei bis vier Personen zusammen. Aufgabe war, den für den Abschlussgottesdienst vorgesehenen Lesungstext (Sie finden den Text unten als PDF) zu lesen und nach dem Grundmuster der Lectio Divina in der Kleingruppe gemeinsam zu diskutieren. Nach einer Stunde in den «Plenumssaal» zurück gebeamt, berichteten alle von der Erfahrung, dass das gemeinsame Lesen von biblischen Texten bereichernd ist und die eigenen Fragen und Unklarheiten an den Text durch die Gruppe gelöst werden konnten.

Nicht nur online – sondern hybrid

Der Fortbildungstag wurde abgeschlossen mit einem Gottesdienst als Fest des Wort Gottes in der Franziskanerkirche. Hier war wieder reales Treffen möglich. Ein Teil der Lektorinnen des Fortbildungstages gestaltete und feierte in der Kirche den Gottesdienst mit. Gleichzeitig konnten die anderen im Livestream zuhause den Gottesdienst miterleben. Das nennt man heute hybrid.

So ging der Fortbildungstag innovativ mit modernster Technik zu Ende, um die 2500 Jahren alten Texte zu würdigen und das ewige Wort Gottes zu feiern.

Winfried Bader
Pfarreiseelsorger
Bibelwissenschaftler und Dozent für Erstes Testament

 

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