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Die Rosendornen (links) in der Matthäuskirche und die Abfallsäcke in der Peterskapelle von Rochus Lussi regen zum Nachdenken an.

Müllsäcke und Rosendornen irritieren und werfen Fragen auf

11. März 2019 Von: Daniel Lay

Unter dem Titel «Dünne Haut» stellt der Innerschweizer Künstler Rochus Lussi in der Fastenzeit detailgetreue Nachbildungen amerikanischer Abfallsäcke in der Peterskapelle und überdimensionierte Rosendornen in der Matthäuskirche aus. Die Objekte aus Holz irritieren zuerst und regen dann zum Nachdenken an.

Hat hier jemand den Müll der Fasnacht abgeladen? – Das könnte man sich entsetzt fragen, wenn man die Peterskapelle betritt und die fünf grossen, schwarzen Müllsäcke entdeckt. Wenn man sie denn entdeckt. Denn die Säcke sind – wie es sich für Abfall gehört, den man ja selten ins Zentrum stellt – eher unscheinbar platziert: Zwei befinden sich in einer Nische des hölzernen Windfangs beim Haupteingang hinter dem Taufstein, drei weitere vorne neben dem rechten Seitenaltar.

Geht man der Sache auf den Grund, erlebt man die nächste Überraschung: Bei den grossen, unförmigen Müllsäcken handelt es sich gar nicht um wirkliche Müllsäcke. Es sind vielmehr detailgetreue Nachbildungen von Abfallsäcken aus – auch das eine Überraschung – Holz.

Diese Entdeckungen lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Die Abfallsäcke, die gar keine Abfallsäcke sind, wurden ganz bewusst hier platziert. Urheber ist der Innerschweizer Künstler Rochus Lussi. Die fünf Abfallsäcke aus Holz – massstabgetreue Nachbildungen der amerikanischen Müllsäcke, im Volksmund «big teddies» genannt – gehören zu seiner Ausstellung «Dünne Haut», die in der Fastenzeit in der Peterskapelle und der reformierten Matthäuskirche zu sehen ist.

In der Matthäuskirche präsentiert sich eine gänzlich neue Situation: Hier lässt sich die Kunst nicht übersehen. Denn sie ist auf den Stufen hinter dem Altar platziert, dazu gross und in der Signalfarbe Rot gehalten. In der Matthäuskirche zeigt Rochus Lussi überdimensionierte Rosendornen aus Holz.

Gute besuchte Vernissage

Beide Werke – sowohl die «big teddies» und die Rosendornen – wurden nicht extra für diese «speziellen» Ausstellungsräume und den ebenso «besonderen» Ausstellungszeitraum geschaffen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb stehen sie in einem besonderen Spannungsverhältnis zu der sie umgebenden sakralen Kunst und dem Kirchenraum. Sie fordern heraus und regen zum Nachdenken an. Das zeigte sich auch an der mit rund 100 Kunstinteressierten sehr gut besuchten Vernissage: Alle drei Redner griffen verschiedene Aspekte der Ausstellung «Dünne Haut» auf: Florian Flohr, Leiter des Teams Peterskapelle, rückte auf originelle Art und Weise das von Rochus Lussi verwendete Material ins Zentrum seiner Rede. Heinz Stahlhut, Direktor des Hans-Erni-Museums, positionierte die beiden Kunstwerke im Gesamtwerk Lussis und machte sich Gedanken zur Haut als durchlässiger Membran. Der reformierte Pfarrer Marcel Köppli schliesslich, der in der Peterskapelle sprach, lieferte – mit Blick auf die Abfallsäcke – erste Deutungsansätze: Was wird heute in Abfallsäcke gesteckt?

Auch der Titel der Ausstellung «Dünne Haut» regt mit Bezug auf die gezeigten Objekte zum Nachdenken an: Während bei den Abfallsäcken der Link zur Haut noch naheliegt, da sich diese wie eine Haut um das Weggeworfene schliessen, irritiert der Titel mit Blick auf die Rosendornen zuerst. Erst wenn man statt «Haut» das Adjektiv, das da noch steht, fokussiert, eröffnet sich ein ganz neuer Bedeutungsraum: Es ist nicht einfach eine Haut, es ist eine «dünne» Haut. Das deutet eine Fragilität und Verletzlichkeit an, die durch die spitzen Rosendornen an, beschädigt werden könnte.

Dies nur ein paar erste Gedanken und Überlegungen als Anregung. Gehen Sie selbst in die Peterskapelle und die Matthäuskirche und lassen Sie die beiden Kunstwerke in diesem speziellen Raum – umgeben von der sakralen Kunst – auf sich wirken…

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