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Koni Spaeti bei seiner Arbeit im Jugi (Karli-Chilbi 2018)

Persönliche Gedanken von Jugileiter Koni Spaeti zur aktuellen Corona-Krise

15. Mai 2020 Von: Koni Spaeti

Wie wird unser Alltag nach dieser Krise aussehen? Werden wir zur gewohnten Routine zurückfinden und einfach dort wieder anknüpfen können, wo wir vor dem 13. März, dem Beginn der «ausserordentlichen Lage», standen? Brachte uns dieser Freitag, der dreizehnte, Unglück, nur Unglück, oder wohnt ihm auch eine Chance inne?

Neulich bin ich beim Fernsehen auf einen Kommentator gestossen, der mit wenigen eindrücklichen Worten eine Art Verzeichnis der Dinge aufzählte, die sich im Verlauf der Pandemie verändern werden. Dieser Kommentator heisst Stefano Massini. Er tritt regelmässig in der Sendung «Piazza Pulita» des italienischen Senders «La Sette» auf. Ich habe mir seinen Beitrag mehrmals angehört, denn seine Gedanken inspirierten meine eigenen. Hier also einige Gedanken von Stefano Massini und mir zur aktuellen Pandemie und dem weltweiten Lockdown. Wir alle erleben gerade ein kollektives Trauma. Dieses wird nicht nur uns als Einzelpersonen, sondern auch uns als ganze Gesellschaft verändern.

1. Die Welt

Die Pandemie hat auf der ganzen Welt verheerende Auswirkungen. Dem Virus ist es egal, ob wir in Ländern des Westens, Südens oder Ostens leben… ob unsere Länder Member der G8, G20, der EU, AU oder des Mercosur sind. Wir sitzen alle auf dem gleichen Planeten: Die EM 20 wurde genauso abgesagt, wie der BaBeL-Kidz-Cup Ende Juni, die Fiat-Werke haben geschlossen, wie die Kneipe um die Ecke. Wir sitzen also im gleichen Sturm, aber nicht im selben Boot, denn ärmere Menschen in Ländern des Südens, aber auch hier bei uns im Norden, werden durch die massiven wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns ganz besonders leiden. Es tönt zynisch und ist doch war: Die einen können sich eine wirtschaftliche Krise von solchem Ausmass leisten, andere nicht.

2. Die Digitalisierung

Vor Corona hielten wir ihn für einen anstrebenswerten Zustand: den Kilometer Null. Den Match schauten wir am TV statt im Stadion, den Film streamten wir nach Hause, selbst das tägliche Shopping erledigten wir am Compi online, bequem vom Sofa aus… und nun leben wir buchstäblich mit einem Radius von 0 Kilometern! Er bekommt uns nicht, dieser komfortable Zustand: Wir sehnen uns nach einem Fussballmatch im Stadion, einem Film im Kino, einem Glas Wein in einer Kneipe und nach einem Einkaufserlebnis auf einem Markt.

3. Die Politik

Politische Angelegenheiten, die wir noch vor der Krise für sehr wichtig hielten, verblassen zusehends… sie erscheinen uns nach dem Schockerlebnis der Pandemie irgendwie klein und unbedeutend. Wer mal einen gehörigen Schrecken erlebt hat, wird nicht so schnell auf irgendwelche Angstmachereien gewisser Politiker*innen hereinfallen. Es gibt also durchaus Hoffnung, dass weder Schreckgespenster noch Vogelscheuchen in Zukunft die politische Agenda bestimmen werden.

4. Die Freundschaft

Lange glaubten wir, dass Freundschaft genauso gut im virtuellen Raum gelebt werden kann. Wir glaubten an all die Likes, Klicks und Chats. Nun, da wir unfreiwillig auf diese Art von Freundschaft reduziert werden,  fehlt uns der kumpelhafte Schlag auf die Schulter, ein Küsschen auf die Wange, ein warmer fester Händedruck, eine Umarmung.

5. Die Erinnerung

Diese Krise wird uns in Erinnerung bleiben. Meine Tochter meinte neulich, dass das Jahr 2020 in den Geschichtsbüchern stehen wird. Dass künftig diese Jahreszahl und deren bedeutenden Ereignisse genauso prominent wie 1848, 1918, 1939 oder 2001 im Schulstoff enthalten sein wird… und, dass wir in 25, 50 und 75 Jahren vielleicht wie überlebende Veteran*innen des Covid-19 Gedenkfeiern abhalten werden. 

6. Die Zukunft

Bisher glaubten wir an die Vorhersehbarkeit der meisten Angelegenheiten unserer Lebensläufe: Wir buchten 6 Monate im Voraus unsere Ferien, banden uns 5 bis 10 Jahre an Obligationen und für 20 Jahre an Hypotheken… wir hielten uns für unverwundbar, gesundheitlich und finanziell. Nun erfahren wir am eigenen Leib und Gut wie fragil wir sind! Und genau diese Zerbrechlichkeit ist die «condition humaine», die Grundbedingung des menschlichen Lebens überhaupt.

Bleibt die Hoffnung, dass wir Menschen in dieser Krise die Chance für eine entscheidende Wende erkennen und umsetzen werden, was ich uns von ganzem Herzen wünsche.

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