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Wahrheit und Journalismus

24. März 2017 Von: Daniel Lay

Im zweiten von der City-Pastoral organisierten Fastenvortrag ging es um die Wahrheit im Journalismus. Journalist Stefan Mair analysierte die Probleme der Medien und zeigte die Lösungsmöglichkeiten auf.

Unter dem Titel «wahrheit?» setzen sich die Fastenvorträge der City-Pastoral der Katholischen Kirche Stadt aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema Wahrheit auseinander. Stefan Mair, Ressortleiter der Handelszeitung, untersuchte im zweiten Vortrag das Verhältnis  von Wahrheit und Journalismus. Damit wurde ein Gebiet gewählt, das - Stichwörter wie «Lügenpresse» oder «fake news» machen das deutlich - mitten in der Diskussion um Wahrheit und Lüge steht.

Vom Glauben an die Medien abgefallen

Mair stieg denn auch mit einem persönlichen Beispiel ein: Er berichtete von einer Kollegin, die den «Glauben an die Medien» verlor, wie es Mair - dem Ort des Vortags angemessen - formulierte. Obwohl sie eine ähnliche Ausbildung wie Mair selbst hatte, kam sie für sich mit der Zeit zum Schluss, dass die Medien nur Lügen verbreiten würden.

Da Stefan Mair mit seinen Argumenten chancenlos gegen die Überzeugungen seiner Freundin war, machte er sich an die Analyse, wie es zu diesem Vertrauensverlust kommen konnte. Diese Analyse der heutigen Probleme der Medien bildete den ersten Teil seines Vortrags: Einen wesentlichen Punkt für den Vertrauensverlust in die Medien sieht der Journalist darin, dass die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, PR) in den vergangenen Jahren massiv zugenommen haben. Das hat indirekt auch Auswirkungen auf die Medien: Denn PR-Texte kennzeichnete eine einseitige Darstellungsweise, was zwar durchaus gerechtfertigt ist, da ein Kunde ja für die Öffentlichkeit in seinem Sinne bezahlt. Ein hohes Mass an solchen Inhalten kann aber das Vertrauen in die Medien gefährden, von denen man Ausgewogenheit verlangt.

Eine weitere Ursache für den Vertrauensverlust in den Journalismus ist für Mair die herrschende Gratis-Mentalität. Denn guter Journalismus, der der Wahrheit auf den Grund geht und Fakten prüft - Fakten sind für Mair die Grundlage der Wahrheit -, kostet Geld und ost nicht gratis zu haben.

«Grösste Umwälzung in der Medienwelt seit der Erfindung des Buchdrucks»

Aus der Analyse der Probleme leitete Stefan Mair dann im zweiten Teil seines Vortrags mögliche Lösungsmöglichkeiten ab: Um der zunehmenden PR-Berichterstattung entgegenzuwirken, forderte er einerseits mehr Transparenz von Medien und Journalisten über Geldgeber im Hintergrund. So soll das Publikum die Botschaften besser einordnen können. Andererseits forderte er eine bessere Medien-Erziehung in der Schule, um echte News von «fake news» unterscheiden zu können. Ausserdem muss für Mair ein Umdenken bezüglich Gratismentalität stattfinden: Die Leute müssen sich wieder seriösen Journalismus leisten. Man kann allerdings daran zweifeln, ob man in dieser Beziehung das Rad der Zeit zurückdrehen kann. Die jetzige Generation wächst damit auf, dass Nachrichten im Internet gratis zur Verfügung stehen. Vielleicht sollten sich die Medien besser damit arrangieren und nach anderen Einnahmequellen für die Recherche suchen.

Der Vortrag von Stefan Mair und die anschliessende Diskussion zeigte aber, dass uns uns spannende Zeiten bevorstehen. Denn wir erleben gerade «die grösste Umwälzung im Medienbereich seit der Erfindung Buchdrucks», wie es Mair im Laufe des Vortrags formulierte.

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