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Max Küng liest an der Sommermatinée im MaiHof. (Fotos: Daniel Lay)

Von Forellen und Trüffeln

2. Juli 2019 Von: Daniel Lay

Humor in der Kirche? Im Fall des Kolumnisten Max Küng funktionierte das ausgezeichnet: In der Sommermatinée im MaiHof traten seine Texte in einen angeregten Dialog mit den humoristischen Liedern des Singkreises Maihof.

Mit Humor in der Kirche ist es bekanntermassen so eine Sache. In der Bibel wird wenig gelacht. Und wenn gelacht wird, ist es mehr ein Auslachen. So zitierte Pfarreileiter Franz Zemp zur Eröffnung der Sommermatinée im MaiHof Psalm 2: «Warum toben die Völker, warum ersinnen die Nationen nichtige Pläne? Die Könige der Erde stehen auf, die Grossen tun sich zusammen gegen den Herrn und seinen Gesalbten: Lasst uns ihre Fesseln zerreissen und von uns werfen ihre Stricke! Er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie.»

Eine eher schwierige Ausgangslage für den Gast der Sommermatinée, den Autor Max Küng. Denn dieser hat sich ja gerade einen Namen mit seinen humoristischen Kolumnen für «Das Magazin» des «Tages-Anzeiger» gemacht. Kann das gut gehen? Ja, es kann. Denn einerseits hat Max Küng einen überaus feinen Humor. Er versucht, den Alltag aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, die komischen Seiten des Alltags und des Alltäglichen zu erkennen. Andererseits ist Küng ein reflektierter und mit allen erzählerischen Wassern gewaschener Kolumnist: Er hat sich darüber Gedanken gemacht, dass er in einer Kirche beziehungsweise einem Gottesdienst Lesen wird, und entwaffnet die allerdings nicht vorhandenen Kritiker vor dem ersten Text, indem er diesen nur auf Empfehlung seines Sohnes vorträgt.

Humoristisches Pingpong zwischen Küngs Texten und den Liedern des Singkreises Maihof

Die Zweifel betreffend Humor und Kirche lösen sich also schnell in Luft auf, und die sehr zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Sommermatinée erleben einen munteres Hin-und-Her zwischen Max Küngs Texten und den vom Singkreis Maihof vorgetragenen Liedern: Auf das Stück «Die launige Forelle», eine Variation von Schuberts «Forelle» von Franz Schöggl, folgte eine Kolumne Küngs, in dem er seiner zukünftigen Frau im Restaurant mit der französischen Speisekarte «truite» mit Trüffel übersetzt. Das «Nichttrinklied» eine Eigenkomposition von Chorleiter Lorenz Ganz zu einem Gedicht von Robert Gernhardt korrespondiert wunderbar mit Max Küngs Text, in dem er eine «in einer Notsituation» aus dem Kellerabteil des Nachbarn gestohlene Weinflasche nur mit Müh und Not ersetzen kann.

Gewünscht hätte man sich höchstens, dass Max Küngs Bedenken zu einer Lesung in einem Gottesdienst in einem Gespräch mit Pfarreileiter Franz Zemp aufgegriffen worden wären und man auch mehr zum Autor Max Küng und seiner Arbeitsweise erfahren hätte.

Doch das ist bloss ein kleiner Kritikpunkt an einer Veranstaltung, an der sehr vieles stimmte – insbesondere das für Humor und Witz so wichtige Timing: Just als Max Küng las: «Es war 11 Uhr.» ertönten 11 Schläge vom MaiHof-Kirchturm.

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