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Versuch über das Heilige mit Adolf Muschg

12. Februar 2019 Von: Daniel Lay

Der Schriftsteller Adolf Muschg sprach am 55. Dialog des Forums für offene Katholizität darüber, was ihm heilig ist. Oder vielmehr: Was ihm heilig ist, erschloss sich den Zuhörerinnen und Zuhörern aus dem, was ihm gerade nicht heilig ist.

Die Dialoge des Forums für offene Katholizität widmen sich in dieser Saison dem Thema «Was mir heilig ist». Eingeladen zu diesem Thema Auskunft zu geben sind Schriftsteller, Architekten und bildende Künstler, denn – so schreiben die Verantwortlichen in der Ankündigung – «Kunst und Literatur haben sich schon immer mit religiösen und spirituellen Themen befasst und dabei nicht nur die vorherrschenden Empfindungen und Ansichten wiedergegeben, sondern vielfach auch Anstoss zu Grenzerweiterungen, Perspektivenwechsel und neuen Deutungsmustern gegeben.»

Den Auftakt machte am vergangenen Montag nun der Schriftsteller Adolf Muschg gemeinsam mit dem Theologen Christoph Gellner, wobei der Fokus klar auf Muschg und dessen Werk lag. Eine spannende Affiche mit Blick auf die Biografie des Autors. Denn der 85-jährige Muschg wuchs in einem strenggläubigen Elternhaus auf, rang ein Leben lang mit der Gottesfurcht seiner Eltern, trat schliesslich aus der Kirche aus, fand aber vor wenigen Jahren über den Zen-Buddhismus wieder zurück zur reformierten Kirche.

Muschgs Probleme mit dem monotheistischen Anspruch

Anhand dieser Biographie erstaunt es nicht, dass Glaube und Religion immer wieder auch Thema in Muschgs Werk sind, am deutlichsten etwa in «Der Rote Ritter», einer 1993 erschienen Nacherzählung des Parzival, oder in der Kinderhochzeit aus dem Jahr 2008. Das belegte der Theologe Christoph Gellner in seinem Referat mit zahlreichen Interview-Zitaten Muschgs. So äusserte sich Muschg gegenüber der NZZ vom 11./12. Juli 2008 folgendermassen: «Zu meinem eigenen Erstaunen ist [Kinderhochzeit] immer mehr so etwas wie ein religiöser Roman geworden – mit allem Vorbehalt, mit dem die Kunst gegen diese Kategorie geimpft sein muss. Denn sie besteht auf dieser ganz eigenen Frageform – und ist allergisch gegen unzweideutige Antworten.»

Und – so wurde in den Ausführungen des Schriftstellers Muschg, die im Gegensatz zu den Analysen des Literaturwissenschaftlers Gellner literarischer, poetischer und von zahlreichen Anekdoten geschmückt waren, klar – nicht nur die Kunst ist «allergisch gegen unzweideutige Antworten», auch der Schriftsteller Adolf Muschg ist es. Folglich hat er seine Probleme mit dem monotheistischen Anspruch und den abschliessenden Antworten, die für das Christentum zentral – oder mit anderen Worten: «heilig» – sind.

Der FOK-Dialog zum Thema «Was mir heilig ist» bot mit Adolf Muschg einen Schriftsteller, der zwar mit seinem Wissen und seinen Lebenserfahrungen das Thema spannend, vielschichtig und mit Anekdoten gespickt um- und einkreiste, aber eine klare Antwort schuldig blieb. Aber vielleicht kann und sollte man das von einem Autor, der «allergisch gegen unzweideutige Antworten» ist, auch gar nicht erwarten.


Die weiteren FOK-Dialoge

Dialog Nr. 56
Gespräch mit den Herbert-Haag-PreisträgerInnen 2019 von BDJK & JuBla
Mit Dirk Bingener, Thomas Andonie, Regula Kuhn und Valentin Beck
Montag, 25. März, Romerohaus

Dialog Nr. 57
Der Musiker und Komponist Peter Roth im Gespräch mit der Theologin Noa Zenger
Montag, 29. April, Romerohaus

Dialog Nr. 58
Der Architekt Gion A. Caminada im Gespräch mit der Theologin Sonja Ammann
Sonntag, 26. Mai, Zwinglihaus, Basel

Weitere Informationen

Forum für offene Katholizität

 

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