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«Weihnachten ohne Dich»

13. Dezember 2019 Von: Urban Schwegler

Der Verein «familientrauerbegleitung.ch» lädt am 22. Dezember ein zu einer weihnachtliche Feier für Familien und alle, die um liebe Menschen trauern. «Weihnachten ohne Dich» wird unterstützt von der Katholischen Kirche Stadt Luzern. Vorstandsfrau und Theologin Barbara Lehner gibt Auskunft.

„Weihnachten ohne dich“ findet am 22. Dezember in der Peterskapelle zum ersten Mal in Luzern statt. Was hat Sie dazu bewogen, eine solche Feier anzubieten?
Barbara Lehner: Es gibt bisher kein Angebot dieser Art für Trauernde. Wir wollten mit dieser Feier einen Ort schaffen, an dem nicht nur trauernde Familien, sondern alle Trauernden an Weihnachten mit ihren Tränen und ihrer Sehnsucht Trost finden und das Tragende einer Gemeinschaft erfahren können. Wir starten dieses Jahr in Luzern und freuen uns sehr, dass die katholische Kirche Stadt Luzern sowie die Leitung der Peterskapelle unser Anliegen tatkräftig unterstützt. Wir sind ein schweizweiter Verein und unsere Vision ist es, dass in einigen Jahren in weiteren Städten Trauernde mit „Weihnachten ohne Dich“ einen Ort des Trostes und des Austausches finden können.

Sie laden Menschen ein, „die um einen lieben Menschen trauern“. Sind vor allem Menschen angesprochen, die kürzlich jemanden verloren haben oder können auch solche kommen, deren Verlust schon länger zurückliegt?
Barbara Lehner: Es sind alle willkommen, die an Weihnachten um einen Menschen trauern. Ob der Verlust schon Jahre zurückliegt oder noch ganz frisch ist, spielt keine Rolle. So wie die Liebe nicht aufhört, hört auch die Trauer nicht einfach so auf. Aber sie darf sich wandeln.

Was erwartet die Mitfeiernden? Können Sie den Ablauf der Feier kurz beschreiben?
Barbara Lehner: Mit Kurztexten, Liedern, dem gemeinsamen Anzünden von Kerzen für die Verbundenheit mit unseren Verstorbenen sowie einer bestärkenden Geschichte für Kleine und Grosse wollen wir die Menschen abholen mit ihren Themen und Fragen. Dieses Jahr steht die Feier unter dem Thema „In deinem Herz ein Stern, der singt.“
Isa Wiss hat auf unsere Bitte passende Lieder und Musik zum Thema ausgewählt. Einige Lieder werden wir gemeinsam singen – wie beispielsweise das traditionelle „Stille Nacht“ – andere wird Isa Wiss mit musikalischer Begleitung vortragen und so die Feier umrahmen.

Gemäss dem Flyer werden auch Kinder und Jugendliche Beiträge leisten. Wie sehen diese aus?
Barbara Lehner: Im Nachhinein betrachten wir vieles im Leben anders. Besonders, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Kinder und Jugendliche haben den Impulssatz „Wenn ich gewusst hätte...“ mit eigenen Worten vollendet und beschreiben so die Fülle an Liebe, Bedauern, Sehnsucht und Dankbarkeit, die sie in der Trauer erleben. Sie ermöglichen damit allen Trauernden, sich in diesen Beiträgen wiederzufinden.

In der Feier werden auch Geschichten erzählt. Ich kann mir vorstellen, dass die Auswahl sehr viel Feingefühl erfordert.
Barbara Lehner: Trauernde sind grosse und kleine Heldinnen und Helden, die gerade eine schwierige Zeit durchstehen und versuchen, das Beste daraus zu machen. In ihrer Liebe, Sehnsucht und im Schmerz sind sie oft empfänglicher für Zeichen und Wunder. Wir haben ein Kinderbuch gewählt, welches von einer solchen Heldin erzählt, die vieles verloren hat, dennoch grosszügig teilt und am Schluss vom Himmel berührt wird. Es ist eine Sternengeschichte, die das Herz öffnet für Weihnachten.

Was ist besonders an Trauerarbeit rund um Feste wie Weihnachten?
Barbara Lehner: Weihnachten wie Silvester/Neujahr sind traditionelle und emotional aufgeladene Tage des Übergangs, an denen viele in der Familie zusammenkommen und feiern. Es sind auch Tage des Rückzugs ins Private, an denen jene, die dann allein sind, sich besonders einsam fühlen. An diesen Tagen wird einem erst recht schmerzlich bewusst, wenn jemand fehlt.

Was können trauernde Menschen und Familien selber tun, um mit der Trauer umzugehen, vor allem in Momenten, in denen der Verlust besonders stark zu spüren ist, zum Beispiel am Weihnachtsabend?
Barbara Lehner: Sicher ist es hilfreich, wenn sich Trauernde im Voraus überlegen, wie sie diesen Abend gestalten, mit welchen Menschen sie zusammen sein möchten, welche Rituale beibehalten und welche verändert werden müssen, weil jemand fehlt. Einzelne Fixpunkte können helfen, mit etwas mehr Sicherheit und Zuversicht auf diese schwierige Zeit zuzugehen.
Zudem ist es wichtig, dass die Trauer nicht totgeschwiegen wird, dass sie aber auch nicht wie Blei über dem Fest liegt. Hier helfen kleine Rituale und Gesten der Verbundenheit wie folgendes Beispiel zeigt: Einige Familien haben die Idee übernommen, den Weihnachtsbaum zu Hause wie immer festlich zu schmücken und dann einen Zweig herauszuschneiden, damit am Baum sichtbar wird, was in der Familie präsent ist: die Lücke, weil jemand fehlt. Wie die Familie Bonhoeffer bringen sie den geschmückten Zweig an Heiligabend zum Grab als Zeichen, dass der/die Verstorbene zum Kreis der Familie gehört und auch an diesem Abend nicht vergessen wird. Ich finde dies eine schöne Geste, die entlastend sein kann, weil neben den Tränen auch wieder das Lachen Platz haben darf. Denn wer Tränen vermeidet, ob an Weihnachten oder im Alltag, vermeidet auch ihre Zwillingschwester, die Freude.

Gibt es im Anschluss an die Feier noch Gelegenheit zum Austausch unter den Feiernden?
Barbara Lehner: Wir werden nach der Feier bei Tee und Marroni den Leuten Gelegenheit bieten, das Erlebte ausklingen zu lassen und ungezwungen untereinander oder mit unseren Fachpersonen ins Gespräch zu kommen.


Weihnachten ohne Dich
Sonntag, 22. Dezember, 17.00–18.30, Peterskapelle, Kapellplatz 1a


Verein familientrauerbegleitung.ch
In November 2016 wurde der Verein familientrauerbegleitung.ch gegründet mit dem Ziel, schweizweit Trauergruppen für Kinder und Jugendliche zu fördern sowie ein Netzwerk von qualifizierten Fachpersonen aufzubauen, um Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien im Abschied und in der Trauer begleiten. Eltern werden beraten, damit sie ihre eigenen Kinder bei schwerer Krankheit, Sterben und Tod eines Familienmitgliedes begleiten und unterstützen können.
Weitere Informationen: www.familientrauerbegleitung.ch

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