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Jesuit und Zen-Meister: Niklaus Brantschen. Foto: Helmut Harich

«Zu wenig geflucht» – Lesung mit Niklaus Brantschen

23. Oktober 2018 Von: Daniel Lay

Am Donnerstag liest der Jesuit und Zen-Meister Niklaus Brantschen zusammen mit der Journalistin Ursula Eichenberger aus dem Buch «Zu wenig geflucht». Es zeigt, wie das Brantschens sein ganzes Leben lang Kontemplation mit Aktion verband.

Braucht es dieses Buch auch noch? Das fragt man sich vielleicht, wenn man das Büchlein «Zu wenig geflucht», das acht Gespräche des Zen-Meisters und Jesuitenpaters Niklaus Brantschen mit der Journalistin Ursula Eichenberger versammelt, in den Händen hält. Denn nur ein Jahr davor erschien mit «Zwischen den Welten daheim: Brückenbauer zwischen Zen und Christentum» ein anderes autobiografisches Werk von Niklaus Brantschen.

Einfaches, aber überzeugendes Konzept

Diese Zweifel kann «Zu wenig geflucht» aber schnell» ausräumen, denn das Buch verfolgt ein einfaches, aber interessantes Konzept: Jedes der acht Kapitel ist einem Jahrzehnt von Niklaus Brantschens Leben gewidmet, wobei die Autorin und Journalistin Ursula Eichenberger zusammen mit Brantschen einen für diesen Lebensabschnitt prägenden Ort besucht. Die Kapitel bestehen dann jeweils aus einer «Ver-Ortung» durch Eichenberger und dem Gespräch, das die beiden geführt haben.

Dieses Vorgehen hat zwei grosse Vorteile: Erstens weckt der Besuch der Orte Erinnerungen – besonders in den Kapiteln zur Kindheit in Randa (Wallis) und zur Zeit im Kloster in Brig. Zweitens profitiert das Buch von der Gesprächsform: Relativ einfach kann so von einem Thema zum anderen gesprungen werden, und es bleibt immer auch Platz für den einen oder anderen Exkurs.

Innen und aussen

Trotz der vielen, nur schon in einem Kapitel angesprochenen Themen, zerfällt das Buch nicht. Im Gegenteil: Über die Kapitel hinweg lernt man den Jesuiten und Zen-Meister Niklaus Brantschen kennen und erkennt, dass das Wechselspiel von innen und aussen sein ganzes Leben auf mehreren Ebenen prägt hat: Das fängt bereits bei seinem Eintritt in den Jesuitenorden an. Denn einerseits ist für Jesuiten die Einkehr und Kontemplation mit den Exerzitien sehr wichtig. Andererseits haben die Jesuiten auch «eine Sendung und gehen zu den Menschen», wie es Brantschen umschreibt (Brantschen, «Zu wenig geflucht», Seite 42). Oder kurz gesagt: «Ein Jesuit, der nur nach innen geht, ist ein halber Jesuit. Innerlichkeit will sich äussern, Kontemplation und Aktion gehören zusammen.» (Brantschen, «Zu wenig geflucht», Seite 43)

Auch als Direktor des Bildungshauses Bad Schönbrunn, das er als Zentrum für Spiritualität und soziales Bewusstsein neu positioniert und dem er den Namen Lassalle-Haus gibt, bleibt für Brantschen die Wechselwirkung von innen und aussen bestehen: Einerseits wirkt er in einem Gebäude, das mit seiner speziellen Architektur den Übergang von innen und aussen aufheben will. Andererseits ist das Programm entsprechend ausgerichtet: «Es ging um Innerlichkeit, die sich äussert – immer verbunden mit gewissen Themen, etwa Gerechtigkeit.» («Zu wenig geflucht», Seite 81)

Und auch wenn sich Niklaus Brantschen nach seiner Zeit als Direktor des Lassalle-Hauses für eine Auszeit ins Kloster Mariazell-Wurmsbach zurückzieht: Er bleibt dem Grundsatz von innen und aussen treu, wobei man jetzt besser von Reflexion und Kommunikation sprechen könnte. Brantschen nutzt die Zeit im Kloster zum Nachdenken über sein Leben und viele Themen, die ihn beschäftigen. Das Ergebnis seiner Reflexionen macht er in verschiedenen Büchern öffentlich.

Brantschen übersetzt tiefgründige Reflexionen in einfache Bilder

Die eingangs gestellte Frage, ob es dieses Buch noch braucht, lässt sich also nur mit «Ja» beantworten, zumal Niklaus Brantschen es meisterhaft versteht, seine tiefgründigen Überlegungen und Reflexionen in einfache Bilder zu übersetzen. Als abschliessendes Beispiel hier sein Bild zur Erklärung, weshalb es sowohl Innerlichkeit als auch Äusserlichkeit braucht: «Das kann man mit dem Atmen vergleichen. Wer nur ausatmet, hat ebenso keine Luft wie jemand, der nur einatmet. Das Wechselspiel zwischen Ein und Aus, Innen und Aussen, Empfangen und Geben, Rückzug und Tätigkeit ist entscheidend.» («Zu wenig geflucht», Seite 68)


Lesung

Niklaus Brantschen liest mit Ursula Eichenberger aus dem Buch «Zu wenig geflucht».

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