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Beim Namen nennen – über 44’000 Opfer der Festung Europa

21. Juni 2021 Von: Daniel Lay

Über 44’000 Flüchtende sind seit 1993 an den Aussengrenzen Europas gestorben. Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Babys. Im Rahmen des Internationalen Flüchtlingstags wurden in Luzern und in neun anderen Schweizer Städten in 24-stündigen Gedenkfeiern alle Namen der Verstorbenen gelesen und auf Stoffstreifen geschrieben. In Luzern fand die Aktion in der Matthäuskirche von Donnerstag, 12 Uhr bis Freitag, 12 Uhr statt.

Datum – Name – Alter – Herkunft – Todesursache. Datum – Name – Alter – Herkunft – Todesursache. Datum – Name – Alter – Herkunft – Todesursache etc.: Es ist eine monotone und traurige Liste, welche Freiwillige vom Donnerstag- bis Freitagmittag während 24 Stunden in der Matthäuskirche vorgelesen haben. Unterbrochen wurde der Vortrag nur, wenn nach einer halben Stunde eine neue freiwillig Engagierte oder ein neuer freiwillig Engagierter eine Schicht übernahm oder wenn die volle Stunde mit Musik und Stille begangen wurde.

So bedient die Aktion durch das Vorlesen einerseits die wörtliche Bedeutung von «Beim Namen nennen»: Die auf der Flucht nach Europa Verstorbenen werden beim Namen genannt. Ein kleine, aber eindrucksvolle Geste, um der Toten zu gedenken. Andererseits ist für die Aktion auch die übertragene Bedeutung von «Beim Namen nennen» relevant: Ein Problem wird benannt. Die während 24 Stunden vorgetragenen Namen, die auch noch auf schmale Stoffstreifen geschrieben und an in der ganzen Kirche aufgestellten Gittern befestigt werden, machen die Öffentlichkeit auf das Sterben im Mittelmeer aufmerksam. Mehr noch: Sie klagen an: Weshalb müssen so viele Menschen auf der Flucht nach Europa sterben?

Mahnmal und Anklage

Über 44’000 Tote stehen nämlich auf der «List of Death» des Netzwerks «UNITED for Intercultural Action – European network against nationalism, racism, fascism and in support of migrants and refugees» – wobei es sich nur um die dokumentierten Fälle handelt.

Mit der Aktion «Beim Namen nennen» prangern die beteiligten Organisationen die Tatenlosigkeit Europas und der Schweiz an. Sie bezeichnen es als Skandal, dass die Europäische Union, die europäischen Nationen und die Schweiz scheinbar gleichgültig zuschauen, wie Tausende Flüchtlinge grundlos sterben und Hundertausende unter erbärmlichen Umständen in unzähligen Camps an den europäischen Aussengrenzen leben.

Im Rahmen der Solidaritätswoche

Die Aktionen «Beim Namen nennen» fand im Rahmen der Solidaritätswoche statt. Diese lädt unter dem Motto «Solidarität kennt keine Grenzen» vom 17. bis 27. Juni zu verschiedenen Veranstaltungen ein. So baut etwa ein Künstlerkollektiv mehrere Holzskulpturen, welche an das Sterben im Mittelmeer erinnern. Oder im Pavillon am Nationalquai wurde das Theater «Mittelmeer Monologe» von Michael Ruf aufgeführt, das einen Einblick in eine konkrete Fluchtgeschichte bot.

Medienberichterstattung zur Aktion «Beim Namen nennen»

 

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