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«Bibel des Monats»: Die Septuaginta

6. Oktober 2020 Von: Winfried Bader

Welches ist die älteste Übersetzung der Bibel? Nicht die Frage für welche Sprache, sondern die älteste überhaupt? Das ist die Übersetzung der hebräischen Texte in die griechische Sprache ab dem dritten Jahrhundert vor Christus.

Mit den Eroberungszügen des Makedoniers Alexander des Grossen gegen das persische Reich im vierten Jahrhundert vor Christus (Eselsbrücke aus dem Schulunterricht: «Drei, drei, drei bei Issos Keilerei», d.h. 333 v. Chr. gewann Alexander eine entscheidende Schlacht bei Issos im heutigen Syrien, die ihm den Weg in den Osten öffnete) wird die Welt griechisch.

Von Griechenland in den Osten bis nach Indien und im Süden bis an den Oberlauf des Nils gibt es nun ein Reich mit griechischer Kultur und Sprache. Damit wird das Perserreich abgelöst, in dem das sogenannte Reichsaramäisch gesprochen wurde, ein Dialekt eng verwandt mit dem Hebräisch der «biblischen» Schriften.

Im neuen hellenistischen Reich herrscht Freizügigkeit. So ist es klar, dass viele Menschen aus dem unzugänglichen Bergland Juda auswandern und in den grossen Städten Antiochia am Orontes und Alexandria in Ägypten als Händler zu Wohlstand kommen. Bald schon ist der Zustand erreicht, den wir auch heute kennen, dass viel weniger AnhängerInnen der JHWH-Religion im Stammland Juda leben als ausserhalb in den Städten der sogenannten Diaspora.

Dort sprechen natürlich auch diese Menschen Griechisch und die zweite Generation kann das alte Aramäisch nicht mehr, versteht damit auch nicht mehr das Hebräische der religiösen Schriften. So heisst die Alternative: Entweder geht die Religion mit der alten Sprache verloren oder die Schriften werden in die neue Sprache übertragen. Die erste Übersetzung der hebräischen Schriften entsteht. 

Was bedeutet der Name Septuaginta?

Septuaginta ist einfach das griechische Wort für «siebzig« und wird daher oft mit dem römischen Zahlzeichen für 70 = LXX wiedergegeben. Dahinter steckt eine Legende, die verkürzt so lautet:

Da es sich bei den hebräischen Schriften vor allem um die Tora handelte, die sehr genau befolgt wurde, sollte auch die Übersetzung sehr genau sein. Also beauftragte man 70 ÜbersetzerInnen, jedeR für sich unabhängig von den anderen die Schriften zu übersetzen. Am Ende verglich man alle 70 entstandenen Übersetzungen miteinander und siehe, sie waren alle identisch – was natürlich real niemals möglich wäre.

Das galt als göttlicher Beweis, dass die Übersetzung richtig ist und auch als Heilige Schrift gelten kann. Und das gab dann auch den Namen «Siebzig» – d.h. von 70 Menschen übersetzt.

Die griechischen Schriften werden weiter geschrieben

Später wurden weitere religiöse Schriften direkt in der neuen Sprache geschrieben. So kommt es, dass das griechische Erste Testament umfangreicher ist als das hebräische.

Zum Beispiel schreibt Jesus Sirach ca. 180 vor Christus in Jerusalem ein hebräisches Buch, das aber erst in der griechischen Übersetzung durch seinen Enkel, die dieser ca. 130 vor Christus in Alexandria anfertigte, zur Heiligen Schrift wurde. Der Enkel berichtet in seinem Vorwort von den Schwierigkeiten des Übersetzens und urteilt auch über die Übersetzung der 70 – noch heute in unserer Bibel zu lesen: «Doch mögt ihr Nachsicht üben, wenn wir vielleicht einige der schwer zu übersetzenden Ausdrücke unbefriedigend wiedergegeben haben. Es ist ja nicht gleich, ob man etwas in der hebräischen Grundsprache liest oder ob es in eine andere Sprache übertragen wird. Nicht nur dieses Buch, sondern auch das Gesetz, die Propheten und die übrigen Schriften weisen keinen geringen Unterschied auf, wenn man sie in der Grundsprache liest» (Vorwort zu Jesus Sirach).

Das Griechische enthält auch einige wenige Schriften, die für uns katholische ChristInnen nicht Heilige Schrift sind (Esra III, Makkabäer III und IV, Oden, Ps 151, Brief Jeremias). In vollem Umfang verwenden die christlich-orthodoxen Kirchen die Septuaginta als ihre Heilige Schrift des Ersten Testaments. 

Septuaginta auf Deutsch – warum?

Am Ende des zweiten Jahrtausends gab es eine ähnliche Situation wie damals: Immer weniger WissenschaftlerInnen konnten das Griechische flüssig lesen. Weil aber die LXX für die Erforschung und Auslegung der Bibel sehr wichtig ist, machte man sich daran, den Text der LXX ins Deutsche zu übertragen, also die alte Übersetzung nochmals zu übersetzen. Als Extraservice lieferte man noch die Information mit, wo die griechische Übersetzung vom hebräischen Original abweicht, und markierte das im Deutschen durch Kursivschrift.

So sehen LeserInnen an der umstrittenen Stelle Jes 7,14 sofort, dass die «Jungfrau» nur im Griechischen so lautet, aber im Hebräischen etwas anderes stand – nämlich schlicht «junge Frau». 

Die im Studiolo der Peterskapelle im Monat Oktober gezeigten Bibelausgaben sind Teil der Bibelsammlung von Winfried Bader im Pfarrhaus der Franziskanerkirche, Franziskanerplatz 1. Eine Besichtigung der Bibelsammlung für einzelne oder kleine Gruppen auf Anfrage. Für Gruppen von 4-8 Personen wird auf Anfrage auch ein Event «Whisky&Bible» angeboten.
Auskünfte zu Besichtigung und Event per Email: winfried.bader@kathluzern.ch

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