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Bruno Fluder leitet das «Bibliodrama» in der Peterskapelle.

«Die Bibel ins Spiel bringen»

23. Januar 2019 Von: Andreas Rosar

Einmal im Monat verwandelt sich das Schiff der Peterskapelle in eine Bühne. Was es mit dem «Bibliodrama» auf sich hat, verrät der Theologe und Bibliodramaleiter Bruno Fluder im Interview mit dem Team der Peterskapelle.

Am 15. Januar hast Du gemeinsam mit etwa einem Dutzend Teilnehmenden erstmals in der Peterskapelle ein Bibliodrama durchgeführt. Was ist Dein Fazit nach der «Première»?

Ich bin erfreut, dass sich schon am ersten Abend 13 Frauen und Männer zusammengefunden haben. Und ich bin einmal mehr erstaunt, wie offen und persönlich sich diese Menschen in kurzer Zeit begegnet sind, wo doch niemand schon vorher alle gekannt hatte. Für mich ist dies Ausdruck von der verbindenden Kraft der archaischen biblischen Texte. Und das Spielerische der Methodik fördert auch eine gewisse Leichtigkeit.

Die Stadt Luzern kann mit dem «Luzerner Osterspiel» in der frühen Neuzeit ja auf eine reiche Tradition von Glaubensvermittlung durch Schauspielkunst zurückblicken. Kann man das «Bibliodrama» mit dem «geistlichen Spiel» vergleichen?

Vergleichbar ist, dass biblische Texte mit dem ganzen Körper inszeniert werden und eine Aktualisierung stattfindet. Im Bibliodrama gibt es jedoch a) keine Zuschauenden - alle sind Involvierte - und b) keine vorbereitende Regiearbeit. Die oft überraschende Erfahrung auf der Bühne entsteht durch das Improvisieren. Im Hier-und-Jetzt legt jede Spielerin ihrer Rolle das in den Mund, was ihr gerade zuvorderst auf der Zunge liegt. Und das hat natürlich auch mit der eigenen Person und der eigenen Lebens- und Glaubensgeschichte zu tun.

Was ist die Zielsetzung eines «Bibliodrama»-Abends?

Es geht darum, einen ausgewählten Bibeltext nicht nur zu verstehen, sondern auch zu erleben. Dabei erfolgt eine Aktualisierung der alten Erzählung bzw. Grenzen von Zeit und Raum werden auf der Bühne überwunden. Und drittens erhalte ich Impulse für meine eigene (glaubende und vertrauende) Lebensgestaltung.

Wie läuft ein solcher Abend ab?

Die zweieinhalb Stunden gestalten sich prozesshaft. Als Leiter des Prozesses kann ich also nicht stur meine Vorbereitung durchsetzen, sondern gehe sehr auf die Gruppe ein. Oft lassen sich aber folgende Phasen unterscheiden: „Aufwärmung“ mit Körper-Ausdrucks-Übungen – intensive Formen der Textlesung – Spiel auf der Bühne (da gibt es ganz viele verschiedene Spielformen) – Auswertung des Erlebten im Plenumsgespräch.

Wie wirkt sich die Peterskapelle als Spielort auf das Bibliodrama aus?

Es war schon lange ein Wunsch von mir, in diesem geschichtsträchtigen Raum im Stadtzentrum regelmässig Bibliodrama zu spielen. Im Gegensatz zu einem neutralen Kursraum spielt dieser liturgische Raum mit. Die Kunstbilder, der Altarraum oder auch die Empore bieten eine Art „Kulisse“ für jedes Spiel. Am ersten Abend wurde der Taufstein mit der Taube darauf als Heilig-Geist-Symbol in einem Spiel integriert. Und ich finde, es ist spürbar, dass hier Menschen seit bald neun Jahrhunderten ihre Sorgen betend dargebracht haben.

Was genau ist Deine Funktion als Leiter eines Bibliodramas?

Ich halte einen Raum offen, indem ich bestimmte methodische Schritte anbiete. Ganz wichtig ist, dass die Teilnehmenden nur das tun, was für sie im Augenblick passt. Ich darf niemanden zu bestimmten Schritten verführen oder gar zwingen. Das Risiko psychischer Manipulation besteht, da diese ganzheitlichen Ausdrucksformen (wie Tanzarbeit oder Massage usw.) auch intensive Emotionen und Erinnerungen an früher Erlebtes wecken können. Als Bibliodramaleiter habe ich eine hohe Prozess-Verantwortung, weshalb Bibliodramaleitung auch nicht an einem Wochenende gelernt werden kann, sondern zwei Jahre bzw. ca. 40 Ausbildungstage braucht.

An wen richtet sich das Angebot in erster Linie? Braucht es Vorkenntnisse oder eine Vorbereitung?

Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Einzige Voraussetzung ist das Interesse, sich neugierig und ganzheitlich in einer Gruppe auf einen biblischen Text einzulassen.

Kann ich auch spontan teilnehmen?

Sehr gerne, es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Abende können völlig unabhängig voneinander besucht werden. Den dritten Dienstag im Monat kann man sich gut merken. 

 

Der Theologe Bruno Fluder (49) leitet seit 2016 das ökumenische Gesprächs- und Beratungscafé «Zwitscher-Bar» am Franziskanerplatz. Er ist Mitglied der Synode der katholischen Landeskirche und Sprecher von «Adamim», dem Verein Schwuler Seelsorger Schweiz. 

Weitere Informationen zum «Bibliodrama», immer am 3. Dienstag im Monat in der Peterskapelle, finden Sie unter «Angebote» sowie in der «Agenda» und unter www.biblioart.ch. 

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