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Beata Pedrazzini moderiert das Gespräch mit Ayla Alimi und Silvia Huber

Frauenbilder in Islam und Christentum

7. Februar 2019 Von: Nicola Neider Ammann

Zum schon traditionellen christlich-muslimischen Frauendialog trafen sich am Mittwoch, 6. Februar gut zwanzig Frauen, um sich über Frauenbilder und Frauenleben in ihren jeweiligen Religionen auszutauschen. Eingeladen hatten der Islamische Frauenverein und der Bereich Migration/Integration der Katholischen Kirche Stadt Luzern.

Wenn in den Medien oft das Bild vermittelt wird, Frauen im Islam seien schlechter gestellt als im Christentum, erfuhren die Teilnehmerinnen am christlich-muslimischen Frauendialog, dass dies so nicht stimmt.

In eindrücklichen Worten erzählte Ayla Alimi von ihren Erfahrungen, in einer muslmischen Familie in Mazedonien aufgewachsen zu sein. Als älteste Tochter hatte sie viel Verantwortung, sie genoss eine sehr gute Schulbildung und ist heute als Religionslehrerin für Islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen tätig. Ihr grosses Vorbild ist Fatima al-Fihri, die 859 die älteste Universität der Welt in Marokko gründete. Frauen im Islam stehen alle Bildungs- und Berufwege offen, sie fühlen sich auch hier in der Schweiz frei, ihren eigenen Lebensentwurf zu leben, ob als berufstätige Frau, Mutter oder beides, es unterscheidet sich nicht von christlichen Lebensentwürfen.

Im zweiten Impuls erzählte Silvia Huber, Theologin und Supervisorin, die sehr viel Führungserfahrung hat, von ihren Frauenbildern. Sie hob besonders die Ambivalenz hervor, die sie in ihrem Leben immer wieder erfahren hat. Einerseits konnte sie in ihrem beruflichen Leben ihre eigenen Entscheidungen treffen, unterstützt auch von einer sehr starken Mutter. Andererseits erlebte sie in der katholischen Kirche trotz Karriere (sie fungierte einige Zeit als Dekanatsleiterin) immer wieder auch Zurücksetzungen und Verletzungen in der immer noch von Priestern geprägten Hierarchie. Eine Beheimatung fand sie in der Feministischen Theologie, wo sie auch jüngeren Frauen in Kursen viel weitergeben konnte.

Weder im Koran noch in der Bibel ist eine Begründung zu finden, warum in den Religionen Frauen und Männer nicht in gleicher Weise Verantwortung übernehmen können. Doch sieht die Realität anders aus. Wohl gibt es in den Schwesterkirchen der katholischen Kirche mittlerweile Frauen als Pfarrerinnen und Bischöfinnen. Und auch im Islam können Frauen in Moscheen vor Frauen ein Gebet leiten. Dennoch ist es noch ein weiter Weg, bis in beiden Religionen bis in die Hierachie wirkliche Gleichberechtigung herrscht. Es zeigte sich aber auch in den Gesprächen, dass dies sowohl in der Kirche als auch im Islam nicht allen Frauen gleich wichtig ist. 

In den anschliessend gebildeten Untergruppen entstand ein lebhafter Austausch unter den anwesenden Frauen, von denen ungefähr ein Drittel Musliminnen aus verschiedenen Ländern waren. Diese berichteten unter anderem davon, dass sie zum Teil erst in der Schweiz ihre Religion stärker entdeckt hätten und sich heute mit Selbstbewusstsein als Musliminnen zeigen. Leider erschwert dies vielen von ihnen die Stellensuche, selbst wenn sie einen sehr guten akademischen Abschluss in der Schweiz haben.

Einig waren sich die Frauen, dass es sowohl in der Gesellschaft als auch in den Religionen noch vieler Schritte bedarf, damit ein wirklich gleichberechtigtes Leben von Mann und Frau gelingen kann, mit gleichen Löhnen und mit der Anerkennung der Familienarbeit als gleichwertig zur Erwerbsarbeit.

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