Katholische Kirche Stadt Luzern  /  Schaufenster

Im Fokus

Das Kreuz bewegt die Gemüter

14. März 2016 Von: Urban Schwegler

Die christlichen Symbole im Friedental sollten entfernt werden. Das löste Widerspruch aus. In einem Brief an den Luzerner Stadtrat bezieht auch die Katholische Kirche Stadt Luzern Stellung. In der Debatte äusserten sich auch Vertreterinnen und Vertreter der politischen Parteien. Stellungnahmen von Andrea Gmür CVP und Jules Gut GLP finden sich im Anschluss an diesen Text.

Der Ende Februar vom Grossen Stadtrates von Luzern gefällte Entscheid, dass die Räumlichkeiten im Friedental „konfessionsneutral gestaltet“ werden sollen, hat eine breite Diskussion ausgelöst. Im Kern ging es dabei um die Präsenz von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum.

Flexible Lösung begrüsst

In einem Brief an den Luzerner Stadtrat nimmt nun auch die Katholische Kirche Stadt Luzern Stellung. Das Schreiben ist von Pastoralraumleiter P. Hansruedi Kleiber und Kirchenratspräsidentin Rita Cavelti unterzeichnet. Darin wird festgehalten, dass die Gesellschaft in religiöser Hinsicht zunehmend vielfältiger werde. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, befürwortet es die Katholische Kirche Stadt Luzern, wenn für die Räume im Friedental eine Lösung gefunden werden kann, die eine flexible Nutzung durch alle Bevölkerungsgruppen mit ihren jeweiligen Symbolen erlaubt, „unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder anderen persönlichen Überzeugungen. Eine solche Lösung hat der Stadtrat am 9. März in Aussicht gestellt, was wir sehr begrüssen.“

Glaube nicht auf Symbole reduzieren

Gleichzeitig betont die Katholischen Kirche in ihrem Brief an den Stadtrat, „dass der christliche Glaube nicht auf Symbole reduziert werden“ dürfe. Der Glaube zeige sich vor allem „im christlich motivierten Handeln. ... Die Kirche ist nur glaubwürdig, wenn sie von ihren Grundsätzen nicht nur spricht, sondern auch danach handelt und diese in die Gesellschaft einbringt.“ Der ganzen Brief der Katholischen Kirche an den Stadtrat findet sich im folgenden pdf-Dokument.


Wehret den Anfängen

Stellungnahme von Andrea Gmür-Schönenberger, Präsidentin CVP Stadt Luzern, Nationalrätin

Die Schweiz ist geprägt durch die christlich-abendländische Kultur. Es gibt drei christliche Landeskirchen, und fast 80 % der Luzerner Bevölkerung bekennt sich zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft. Die Trennung von Kirche und Staat kennen wir im Kanton Luzern nicht. Wenn sich nun in der Luzerner Abdankungshalle durchschnittlich einmal pro Woche jemand am vorhandenen Kreuz stört, dann soll es wie bis anhin mit einem Vorhang vorübergehend abgedeckt werden. Konfessionslose, aber auch Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens mögen eine Abdankungshalle vorfinden, die Atmosphäre ausstrahlt und in der sie sich wohl fühlen. Die Glaubensfreiheit ist somit gewährleistet und der öffentliche Raum präsentiert sich neutral.  Das Kreuz als Symbol unserer christlichen Tradition soll aber weiterhin einen fixen, permanenten Platz haben. Warum? Es kann nicht sein, dass neuerdings die Minderheit bestimmt, was für die Mehrheit gelten soll. Das entspricht nicht unserer Demokratie. Unsere Gesellschaft fürchtet die sogenannte „Islamisierung“ der Schweiz. Gleichzeitig verbannt sie Symbole unserer christlich-abendländischen Kultur mit fiebrigem Eifer aus der Öffentlichkeit. Hören wir auf, uns selber abzuschaffen. Geben wir dem Christentum als kultur- und identitätsstiftende Kraft weiterhin einen Platz in unserer Gesellschaft. Es ist für unsere von zunehmender Wert-losigkeit geprägten Gesellschaft überdies bezeichnend, wie sie mit den religiösen Bildtafeln in der Abdankungshalle umgeht. Im Gegensatz zum Kreuz stehen die Bildtafeln unter Denkmalschutz und dürfen daher nicht aus dem Raum entfernt werden. Sie dürfen zwar bleiben, werden aber mit Gipsplatten abgedeckt. Absurde Ideen, die bei vielen Menschen nur Kopfschütteln auslösen – zu Recht. Wie lange dauert es, bis das Kreuz überall verboten wird? Muss es unter Denkmalschutz gestellt werden, damit es uns in unserem christlichen Land auch künftig erhalten bleibt? Drum: Wehret den Anfängen! Tragen wir Sorge zu unseren Werten, unserer Kultur und Tradition.


Wo ist die offene, dialogbereite Kirche?

Stellungnahme von Jules Gut, Grossstadtrat Grünliberale Partei Stadt Luzern

Leere Kirchen hinterlassen Spuren in der Gesellschaft. Die Bindung meiner Generation an die traditionelle Kirche ist zwanglos, bei der heutigen Jugend ist sie oft ganz zerbrochen. Kirchliche Riten und Glaubensvorstellungen verlieren in der breiten Mehrheit an normativer Kraft und Verbindlichkeit. Für meine Generation ist es normal, dass bei einer Abschiedsfeier Bilder an die Wand projiziert werden und die Lieblingsmusik eingespielt wird. Traditionelle Gottesdienste sind die Ausnahme. In meiner Jugendzeit war die ökumenische Zusammenarbeit – neben den Landeskirchen waren auch Freikirchen und die orthodoxe Kirche dabei – ein grosses und spannendes Thema. So habe ich die Institution Kirche kennen und schätzen gelernt. Jugendarbeit, lebhafte Debatten zu entwicklungs- und gesellschaftspolitischen Themen: Armut in der Schweiz, solidarische Gesellschaft, Erklärung von Bern, ungerechte Welthandelsstrukturen, Fairer Handel. Die Welt verändern! Ich sah mehr Sinn einen Morgen hinter der Kasse im kalten Ladenlokal des Weltladens in Rothenburg zu stehen als in der Kirche als Ministrant dem Herrn zu dienen. Die Anlage Friedhof Friedental wurde 1885 als gemeinsame Ruhestätte der Angehörigen aller Konfessionen gebaut und steht unter der Aufsicht der Stadt. Der Abdankungsraum ist keine Kirche und wurde für alle Einwohnerinnen und Einwohner Luzerns gebaut. Das sind heute auch Konfessionslose oder Mitglieder nichtchristlicher Religionsgemeinschaften. Die Spielregeln eines demokratischen Rechtsstaates sind klar: Religion ist Privatsache. Ob eine feste Wand notwendig ist oder ob auch flexible Lösungen wie Vorhänge oder eine Stele wie in Wohlen den Zweck erfüllt, überlasse ich der Friedhofverwaltung und der Arbeitsgruppe der Glaubensgemeinschaften. Es ist und war im Rat nie die Rede von einer generellen Entfernung der Kreuze an Kirchen oder anderen öffentlich zugänglichen Gebäuden. Wo ist die offene, dialogbereite Kirche aus meiner Jugend nur geblieben? Die Diskussion über zwei konfessionsneutrale Räume wird so geführt, als ob es um die Verteidigung des christlichen Abendlands gegen Atheisten und Andersgläubige ginge. Diese Art von Diskurs scheint mir fehlgeleitet.

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